FUSSBALL – 3. LIGA: Niederlage gegen Rostock offenbarte die Schwächen

Der FCM und die Torschusspanik

Bedröppelte Mienen nach der Niederlage: Jürgen Gjasula, Brian Koglin, Sirlord Conteh und Anton Kanther waren nach dem 0:1 gegen Hansa Rostock sichtlich enttäuscht.
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Bedröppelte Mienen nach der Niederlage: Jürgen Gjasula, Brian Koglin, Sirlord Conteh und Anton Kanther waren nach dem 0:1 gegen Hansa Rostock sichtlich enttäuscht.

Magdeburg – Sie hätten etwas fürs Prestige machen können. Ein Sieg gegen Hansa Rostock und Ex-Trainer Jens Härtel hätte aber in erster Linie dafür gesorgt, dass der 1. FC Magdeburg einen entscheidenden Schritt nach oben in der Drittliga-Tabelle macht.

Doch nach dem enttäuschenden 0:1 rutscht die Elf von Trainer Stefan Krämer auf Rang elf ab und hat nur noch vier Zähler Vorsprung auf die Abstiegsränge. Der Blick geht nun eher nach unten als nach oben. Das Ostderby hat wieder einmal die Schwächen offenbart.

Problem: Die Abschlussschwäche

Die Magdeburger schafften es trotz zahlreicher Möglichkeiten nicht, ein Tor zu schießen. Wie so oft bauten sie in der Anfangsphase enormen Druck auf, hätten in der ersten halben Stunde in Führung gehen müssen. „Wir hatten drei klare Chancen, da musst du einfach eine von machen“, weiß auch Maik Franz. Der Leiter der Lizenzspielerabteilung beim FCM sah aber nicht nur die Abschlussschwäche in den eigenen Reihen, sondern auch einen bestens aufgelegten Rostocker Torhüter. „Er hat überragend gehalten.“

Der Abfall nach dem Gegentreffer

Der Führungstreffer für Hansa Rostock fiel aus dem Nichts. Ein langer Ball nach vorn, Unordnung in der Magdeburger Abwehr, drin war der Ball. Was dem FCM nicht gelang, zeigten die Gäste in Perfektion: Effektivität. Nach dem Rückstand wirkten die Gastgeber geschockt. Wie schon nach dem Rückstand gegen Duisburg lief zunächst nicht mehr viel zusammen. Maik Franz erklärt sich den Abfall so: „Wenn du permanent anrennst und dann so ein Brett kriegst, ist es nachvollziehbar, dass du nicht daran anknüpfen kannst. Wir waren dann nicht mehr so dominant wie in der ersten halben Stunde, aber es war weit weg von schlecht.“ Aber eben auch weit weg von überzeugend.

Fehlende Räume in Halbzeit zwei

Nach der Führung standen die Rostocker sehr tief und kompakt. Der FCM fand kaum mehr Räume. Und auch keine Ideen, das Abwehrbollwerk zu durchbrechen. Eine Schwäche, die die Elf von Trainer Stefan Krämer in dieser Saison gegen alle Mannschaften hatte, die sich nahezu komplett zurückzogen – wie etwa in Chemnitz oder Jena. Vor allem in der zweiten Halbzeit fehlte die Wucht der ersten halben Stunde. Dadurch wurden auch die Chancen knapp. Bis auf eine Dreifach-Möglichkeit war im Abschluss nicht mehr viel zu sehen. „Dass du nicht mehr diese Wucht auf den Platz bringst, ist ja zwangsläufig, wenn die mit zehn Mann kompakt hinten drinstehen. Es ist dann einfach schwieriger, als wenn das Spiel offener ist“, analysierte Franz.

Die jüngste Bank der Dritten Liga

Mit dem Gelb-Gesperrten Dominik Ernst sowie den Verletzten Timo Perthel, Mario Kvesic, Charles Elie Laprevotte, Dustin Bomheuer und Alexander Brunst fehlten „sechs potenzielle Stammspieler“, so Maik Franz. Dadurch nahmen auf der Bank mit Tom Schlitter, Philipp Harant, Marvin Temp und Anton Kanther drei Eigengewächse Platz. Dazu mit Sirlord Conteh und Anthony Roczen zwei weitere sehr junge Spieler. Der einzig erfahrene Auswechselspieler war Marcel Costly, der auch erst 23 Jahre alt ist. „Ich glaube, wir hatten die jüngste Bank der Liga. Das ist jetzt aber keine Ausrede“, bekräftigte der Leiter der Lizenzspielerabteilung. Der Altersdurchschnitt der Ersatzbank lag gerade einmal bei 20 Jahren. Franz wollte der Mannschaft auch keine großen Vorwürfe machen. „Nur, dass wir unsere Torchancen halt nicht genutzt haben.“

Kann ein Psychologe helfen?

Dass der FCM in dieser Saison Torschusspanik hat, zeigen die 17 Treffer in zwölf Begegnungen. Nur sechs Teams haben noch weniger Tore erzielt. Kann ein Sportpsychologe helfen? Franz sagt eindeutig Nein. „Der wird den Ball auch nicht ins Tor tragen. Wenn du solche klaren Dinger hast, musst du sie auch einfach machen.“ Im Training müsse weiter daran gearbeitet werden, die derzeit größte Schwäche abzustellen. „Leider stehen wir jetzt mit leeren Händen da. Das ist bitter, das ist hart. Aber da müssen wir jetzt mit leben, den Mund abputzen, weiter hart trainieren, nach Köln fahren und die Punkte da holen“, gibt sich Franz kämpferisch.

VON SABINE LINDENAU

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