HANDBALL – BUNDESLIGA: Robert Weber blickt auf zehn SCM-Jahre

Titel-Traum zum Abschied

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So kennen ihn weniger Menschen: SCM-Handballprofi Robert Weber mit seinem Husky Kojak an der Elbe. Der Österreicher verlässt den Verein zum Saisonende.

Magdeburg – Er ist schon fast eine Institution beim SC Magdeburg. Doch nach zehn Jahren wird Robert Weber den Verein zum Saisonende verlassen. Bei der Gassirunde mit seinem Husky Kojak erinnert sich der Österreicher gestern an die kuriosen Anfänge und die größten Erfolge.

Und spricht auch von einem letzten Pokal, den er gern noch einmal mit seiner Mannschaft holen möchte.

So kennen ihn alle: Robert Weber im Trikot.

„Zehn Jahre sind nicht einfach zu verpacken.“ Robert Weber und seine Familie haben schon die ersten Kisten gefüllt. Nicht nur mit Büchern und Geschirr. Auch mit vielen Erinnerungen. An ein Jahrzehnt, das der 33-Jährige nicht vergessen wird. Magdeburg ist für den gebürtigen Bregenzer zur zweiten Heimat geworden. Und das nicht nur, weil er es nur noch einmal im Jahr schafft, nach Österreich zu fahren. „Ich habe hier ganz viele Freunde, auch außerhalb vom Handball“, erzählt er, während sich Kojak sein erstes Bad in der märzkühlen Elbe gönnt.

An den Fluss hat es Robert Weber auch in seinen Anfangszeiten in Magdeburg gezogen. Dabei war der Start etwas turbulent. „Kretzsche hat mir eine Nachricht geschickt, ob ich zum SCM kommen möchte“, weiß der Linkshänder noch genau. Doch da es seinerzeit keinen Präsidenten gab, der seinen Arbeitsvertrag hätte unterschreiben können, war die spontane Zusage ein Wagnis. „Das war schon bombastisch, ein Angebot vom SCM zu bekommen.“ Sowohl in Österreich als auch bei seinem vorherigen Verein in Baligen war der SCM ein Begriff. Darum sei die Entscheidung für den ersten deutschen Champions-League-Sieger klar gewesen. Dabei habe er nicht einmal sein Gehalt verhandelt, wie er lächelnd gesteht.

Auch wenn er in zehn Jahren „nur“ einen Titel geholt hat – den DHB-Pokal 2016 – so kann Weber doch auch andere Auszeichnungen in die Umzugskisten packen. Unter anderem den Pokal des Torschützenkönigs der Saison 2015/15. Seinen Abschied in Magdeburg mit einem Titel zu krönen, „wäre ein Traum.“ Als im Spätsommer 2018 für ihn feststand, dass es keine Vertragsverlängerung beim SCM geben wird, gab es sogar noch drei Titeloptionen. „Ich hätte gern noch den EHF-Cup gewonnen“, sagt er. Dieser Traum war früh ausgeträumt. Das Titelrennen in der Bundesliga ist inzwischen auch entschieden. Am Ende der Saison noch Platz drei erreichen zu können, sei möglich, ist der sympathische Handballer überzeugt.

Allerdings denkt er wie alle in der Mannschaft von „Spiel zu Spiel.“ Die Bundesligapartie am Sonntag bei der GWD Minden werde alles andere als ein Selbstläufer. Und in der Woche darauf gastiert der in der Liga noch ungeschlagene Meister Flensburg in Magdeburg. „Dann haben wir noch zehn Tage Zeit, uns auf Hamburg vorzubereiten.“ In der Barclaycard-Arena sei dann alles möglich. Den Halbfinal-Gegner Hannover-Burgdorf schätzt Robert Weber als stark sein. Und: Keiner sollte den Fehler machen, Kräfte fürs Finale aufzusparen. „Im Pokal ist alles möglich.“ Im Finale könnte es dann erneut gegen den THW Kiel gehen, den der SCM in dieser Saison schon zweimal geschlagen hat.

Ohnehin ist die Sieben von Trainer Bennet Wíegert in diesem Jahr noch ungeschlagen. „Wenn man so einen Lauf hat, ist man immer der Gejagte“, weiß Robert Weber. Auch wenn viele meinen würden, der SCM hätte das leichteste Restprogramm, ist er sicher, dass keine Aufgabe leicht wird. Für ihn und den SCM sei erst einmal wichtig, genügend Abstand zum Fünften zu haben, um auch in der nächsten Saison international aktiv sein zu können. Der 33-Jährige ist dann nicht mehr dabei. „Aber Magdeburg wird immer ein Stück Heimat bleiben, wir haben ja auch einen Magdeburger Jungen“, erzählt der stolze Vater lächelnd.

Robert Weber ist überzeugt, dass der SCM in Zukunft „regelmäßig um den Titel spielt.“ Er wird die Entwicklung des Vereins aus der Ferne beobachten. Der Kontakt werde nicht abbrechen, auch wenn es für ihn zu einem anderen Verein und mittelfristig zurück in die österreichische Heimat geht. „Vielleicht komme ich dann auch mal, um mir ein Spiel anzuschauen“, sagt er. Die nächsten bis Saisonende gestaltet der Rechtsaußen aber noch selbst aktiv mit.

VON SABINE LINDENAU

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