Fußball, Kreisklasse: Der plötzliche Aufstieg der schlechtesten Mannschaft des Landkreises

Tabellenführer statt Lachnummer

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Zana Ahmo (rechts) und Weiß-Blau Stendal II haben eine kuriose Wandlung vollzogen. Von der einstigen Schießbude der Altmark hat sich die ASV-Reserve zum Spitzenreiter der Kreisklasse gemausert.

Stendal. Es ist kein Hohn zu behaupten, dass es auch eine Leistung ist, über Jahre hinweg die schlechteste Mannschaft der Region zu stellen.

Woche für Woche antreten in der Gewissheit, wieder einmal chancenlos dem Geschehen hinterher zu laufen und eine weitere deftige – vielleicht sogar zweistellige – Niederlage zu kassieren. Trotzdem die Laune zu behalten, das ist die Kunst und zeugt von Sportsgeist. 

Diese Opfer-Rolle füllte in der Altmark bis zuletzt zuverlässig der ASV Weiß-Blau Stendal II aus. Doch mittlerweile hat sich das Blatt gewendet. Die Qualen und Peinlichkeiten der vergangenen Spielzeiten sind vergessen. Das Durchhaltevermögen wurde belohnt. Die Stendaler profitieren in dieser Saison von den fleißigen Transferaktivitäten ihrer ersten Mannschaft und haben dadurch neue Qualität in den Kader bekommen. Die Folge: Die einstige Lachnummer grüßt nach elf Spieltagen von Platz eins der Kreisklasse.

„Wir wurden oft belächelt und haben gehofft, dass vielleicht irgendwann mal bessere Zeiten kommen“, ist Trainer Danny Mandry derzeit etwas ungläubig, dass sich seine Mannschaft tatsächlich auf einem Spitzenplatz wiederfindet. Zu präsent sind sie noch, die obligatorischen Packungen im Wochentakt. 0:14, 1:4, 1:7 – Das waren noch in der Vorsaison die typischen Ergebnisse der ASV-Reserve. „Natürlich macht es keinen Spaß, wenn man immer abgeschossen wird, aber wir haben es durchgezogen. Wo andere Vereine ihre Spiele abgesagt haben, sind wir notfalls auch mit acht Leuten losgefahren und haben uns gestellt“, erinnert Mandry daran, dass für die Stendaler stets der faire Wettbewerb oberste Priorität hatte. „Wir hatten die Mannschaft gemeldet, also mussten wir da durch“, bringt es der heutige Erfolgscoach auf den Punkt.

Personal- oder gar Qualitätsprobleme sind an der Preußenstraße längst Geschichte. Die Mannschaft spielt stabil und kann sich auf erfahrene Säulen wie Routinier Christian Schleinitz verlassen. „Es ist aber auch nicht so, dass wir jetzt durchmarschieren. Wir mussten uns jeden Sieg hart erarbeiten und hatten teilweise das nötige Glück“, bleibt Mandry bescheiden, auch wenn der Vorsprung auf Rang zwei komfortable vier Punkte beträgt. Eigentlich beste Voraussetzungen, um auch mal über das Thema Kreisliga-Aufstieg nachzudenken, doch der ist noch ziemlich weit weg und käme nur zustande, wenn auch die erste Mannschaft den Sprung in die nächsthöhere Liga schaffen würde. „Wir würden uns nicht dagegen wehren, wenn uns die Erste den Gefallen tut“, so der Trainer der einst schlechtesten Mannschaft der Region.

Von Tobias Haack

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