Müller löst Wette ein / Präger wie in besten Zeiten

Hohengöhren - Klietz II: Ganz große Kreisklasse

Gruppenbild vor dem Kreisklasse-Spiel zwischen dem SV Hohengöhren und Germania Klietz II.
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Obligatorisches Gruppenbild vor dem Anpfiff: Michael Müller (Präsident KFV Altmark-Ost, oben links) löste seine Wette ein und spielte unter anderem mit Roy Präger (untere Reihe, 4. v. r) für den SV Hohengöhren gegen Germania Klietz II.
  • Patrick Nowak
    VonPatrick Nowak
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SV Hohengöhren gegen Germania Klietz II. 3:2 (2:1). Fußball-Kreisklasse. 6,6 Kilometer Luftlinie. Mehr Derby, wie am Freitagabend, geht nicht. Das sahen auch Michael Müller (Präsident KFV Altmark-Ost), der seine Wette einlöste und Roy Präger, ehemaliger Bundesligaprofi, auf den Punkt genauso.

Hohengöhren - 260 Zuschauer waren vor Ort gewesen. Dort, wo der Fußball noch nach Bier und Bratwurst schmeckt. An der Basis, wo meistens alles beginnt. Nämlich ganz unten. Auch der ehemalige Bundesligaprofi Roy Präger kennt sich in den untersten Gefilden des runden Leders bestens aus. „Ich bin ja auch vom kleinen Dorf“, erklärte Präger der Altmark-Zeitung. „Im Endeffekt ist das für mich nichts Neues und mir macht das immer wieder Spaß, zur Basis zu gehen.“

Das Duell zwischen dem SV Hohengöhren und Germania Klietz II stand am Freitagabend unter einem ganz besonderen Stern. Mit dem Kreisklassen-Duell sollte eine Anerkennung für das Ehrenamt ausgesprochen werden. Stellvertretend für den gesamten Fußball in den unteren Ligen.

Michael Müller löst Wette ein

Die Anerkennung erfolgte in der Form, dass in Hohengöhren in beiden Mannschaften jeweils Persönlichkeiten mitwirkten, die in der Vergangenheit einige Spielklassen höher zu sehen waren. Ursprung des Ganzen war eine Wette vom Präsidenten des KFV Altmark-Ost. Michael Müller legte die Messlatte auf dem Herren-Staffeltag im August zwischen André Hoffmann (Abteilungsleiter SV Hohengöhren) im Rahmen einer Spendenaktion für den vom Hochwasser betroffenen Verein TuRa Brügge (Nordrhein-Westfalen) hoch. Hoffmann wettete gegen Müller, dass bei der Spendenaktion mehr als 5.000 Euro gesammelt werden. Müller blieb stur und hielt dagegen.

Mehrere Ehrengäste in Höhengöhren dabei

Der Wetteinsatz war folgender: Sofern die Spendensumme von 5.000 Euro (Ergebnis: 5.181 Euro) erreicht wird, muss Michael Müller nach jahrelanger Fußball-Abstinenz ein Pflichtspiel für den SV Hohengöhren in der Kreisklasse bestreiten. Dabei sollten auch weitere Gastspieler mitwirken können. Müller verlor die Wette und musste wie vereinbart die Fußballschuhe für Hohengöhren schnüren. Wettschulden sind schließlich bekanntermaßen Ehrenschulden.

War für Germania Klietz II am Ball: Dirk Roswandowicz.
Auch in Hohengöhren dabei: Marius Sowislo, der Germania Klietz II im Trainerteam unterstützte und Fannähe zeigte.

Und so agierten am Freitagabend mit Roy Präger (u.a. VfL Wolfsburg, Hamburger SV, Anm. d. Red.) und Mathias Stammann (u.a. Bayer Leverkusen, VfL Wolfsburg) neben Müller, der überraschend von Beginn an als Linksverteidiger auflief, zwei weitere „Neuzugänge“ in der Startelf des SV Hohengöhren. Die Klietzer Mannschaft verstärkte sich mit Dirk Roswandowicz (ehemals Fußballer des 1. FC Magdeburg und des FSV Lok Altmark Stendal), dem aktuellen Präsidenten des Handball-Bundesliga-Spitzenreiters SC Magdeburg. Marius Sowislo, Kapitän der Aufstiegsmannschaft 2018 des 1. FC Magdeburg in die zweite Bundesliga, unterstützte die Germania aus Klietz im Trainerteam.

Wenn der HSV gegen St. Pauli oder VfL Wolfsburg gegen Braunschweig spielt, ist Derbyzeit und dann brennt es mal richtig.

Roy Präger (173-facher Bundesligaspieler), der für den SV Hohengöhren spielte.
Hatte sichtlich Spaß im Trikot des SV Hohengöhren: Der ehemalige Bundesligaspieler Roy Präger.

„Wenn der HSV gegen St. Pauli oder VfL Wolfsburg gegen Braunschweig spielt, ist Derbyzeit und dann brennt es mal richtig“, suchte Präger gegenüber der Altmark-Zeitung nach Abpfiff Parallelen zum Nachbarschaftsduell zwischen Hohengöhren und Klietz II. Roy Präger hatte schon ganz besondere Spiele als Profi bestritten.

Er stand den ganz Großen des Fußballs gegenüber. Und bezwang mit dem Hamburger SV in der Gruppe E der UEFA Champions League der Saison 2000/2001 den italienischen Topclub Juventus Turin 3:1 (1:0). Das Führungstor im Auswärtsspiel gegen den niederländischen Torhüter Edwin van der Sar und den späteren französischen Weltfußballer Zinédine Zidane machte Roy Präger natürlich selbst. Abstauber. Flugkopfball.

Roy Präger: Wie in besten Zeiten

Das war am 24. Oktober 2000. Vor knapp 21 Jahren. Ein Tor, das ihm auf absolutem Weltklasseniveau gelang, blieb ihm am Freitagabend in den Tiefen des altmärkischen Fußballs verwehrt. Der 50-Jährige hatte sichtlich Spaß dabei und präsentierte sich wie in seinen besten Zeiten. Die Ballannahmen funktionierten einwandfrei. Die präzisen Zuspiele auf den besser postierten Mitspieler saßen ebenfalls. Präger strahlte große Freude in Hohengöhren aus. Und hatte eine Botschaft. Gemeinschaftsgefühl sei ganz wichtig, weil man dann Teamgeist entwickeln könne, verdeutlichte Präger.

Glücklich: KFV-Präsident Michael Müller, der seine Wette einlöste und für den SV Hohengöhren spielte. Er lief viel, blieb aber ohne eigenes Tor.

Wichtig ist, dass wir dem Breitensport eine Bühne geben. Hohengöhren und Klietz’ zweite Mannschaft, wann haben die denn mal vor 260 Zuschauern gespielt? Das ist die Aktion dahinter verbunden mit der Spendenaktion.

Michael Müller (Präsident des KFV Altmark-Ost)

Michael Müller wirkte ebenfalls sehr glücklich. Auch, wenn ihm die 90 Minuten nach seiner langen Pause vom Fußball direkt anzumerken waren. Er gab sein Bestes. Und lief viel. Eine Torannäherung hatte er ebenso in seinem Arbeitsnachweis stehen. „Eine schöne Chance. Da merkt man die mangelnde Routine. Da dachte ich: Spielst du dem Torwart den Ball doch lieber in die Arme“, nahm es Müller mit Humor und hob heraus, was an diesem unterhaltsamen Fußballabend für alle Beteiligten im Vordergrund stand: „Wichtig ist, dass wir dem Breitensport eine Bühne geben. Hohengöhren und Klietz’ zweite Mannschaft, wann haben die denn mal vor 260 Zuschauern gespielt? Das ist die Aktion dahinter verbunden mit der Spendenaktion.“

Michael Müller bleibt eigenes Tor verwehrt

Den Höhepunkt hätte der Fußballabend erreicht, wenn Michael Müller selbst ein eigenes Tor erzielt hätte. Bekanntlich ist der Fußball aber kein Konjunktiv. Weder im Profibereich, noch auf der tiefsten Amateurebene wie in der Kreisklasse des KFV Altmark Ost. Wie ein jahrelang erfahrener professioneller Fußballer löste es Müller am Freitagabend aber dennoch. „Es wäre schön gewesen, aber so ist Fußball“, kommentierte Müller und klang dabei wie die zahlreichen Bundesligaspieler, die routiniert sind, wenn es um Interviews in der Mixed-Zone geht.

Es war immer von der falschen Seite. Mit links kann ich nicht.

Roy Präger scherzhaft auf die AZ-Nachfrage, warum er nicht versucht hat, eine Ecke direkt zu verwandeln.

Seine ganze Routine zeigte auch Roy Präger mitten auf dem Fußballplatz in Hohengöhren. Er übernahm sogar die Ausführung der Ecken. Wäre er so frech wie zu Zeiten als aktiver Profifußballer gewesen, hätte er sicherlich versucht, einen Eckstoß direkt im gegnerischen Tor unterzubringen. „Es war immer von der falschen Seite. Mit links kann ich nicht“, sagte Präger der AZ mit einem Augenzwinkern. Ein klassischer Spaßvogel eben, der trotz seiner beeindruckenden Profikarriere nicht vergessen hat, wo er herkommt. Von dort, wo der Fußball noch nach Bier und Bratwurst schmeckt.

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