Kommentar zur Pokal-Überraschung von Eintracht Frankfurt

Vom süßen Sieg der unterschätzten SGE 

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(Symbolbild)

Hegt man den Anspruch, ein guter Sportjournalist zu sein, arbeitet man stets objektiv, neutral, sachlich und mitunter kritisch. Es gibt allerdings Tage, an denen die gebotene Neutralität ruht. Dann zum Beispiel, wenn die Frankfurter Eintracht im Pokalfinale auf den FC Bayern trifft.

Seit über 20 Jahren verfolge ich nun schon als leidenschaftlicher Fan die ständigen Berg- und Talfahrten der launischen Diva vom Main. Vier Abstiege galt es zu überstehen, zwei Pokal-Endspiele wurden verloren. Die Eintracht wurde verspottet und belächelt. Immer wieder bekommt sie die Macht der Big Player aus München, Dortmund oder Schalke zu spüren, wenn Leistungsträger oder neuerdings auch Trainer abgeworben werden.

Und natürlich war ihr im DFB-Pokalfinale am Sonnabend lediglich die Statistenrolle angedacht. Es sollte der große Abschied des Jupp Heynckes werden. Eines Mannes, der die Eintracht in den 90er-Jahren in Trümmer gelegt hatte. Fußball-Deutschland wollte das Comeback des Manuel Neuer sehen. In einem Radio-Vorbericht prognostizierte ARD-Reporter Guido Ringel sogar, dass Neuer wohl eingewechselt werden würde, wenn es nach 75 Minuten 7:0 für den FC Bayern steht. Alles war vorbereitet, doch dann kam es anders. Die Nebendarsteller aus Frankfurt drängten sich in den Vordergrund und wagten es, den FC Bayern vom Thron zu stoßen. Und mit Verlaub, liebe Kollegen der Bayern-anbetenden Sport-Journalie, man hätte es sogar erahnen können.

Schließlich sprach bei genauerer Betrachtung bereits im Vorfeld zu viel für die Eintracht. Während dieses Endspiel bei den Bayern als „Business as usual“ abgearbeitet wurde, waren bei der SGE nicht wenige Spieler mit dem Schuss Sondermotivation ausgestattet, den es für Sensationen braucht. Marco Russ etwa, der in seinem dritten Endspiel den ersten Erfolg erzwingen wollte. Kevin-Prince Boateng, der in seiner Heimatstadt Berlin das wichtigste Spiel seines Lebens spielen durfte. Lukas Hradecky, der letztmals für die Eintracht auflief. Und nicht zu vergessen Makoto Hasebe, Marius Wolf und Omar Mascarell, die das verlorene Finale im vergangenen Jahr verletzt verpasst hatten. Von der Causa Niko Kovac und der einmalig respektlosen Art des FC Bayern, diesen Trainerwechsel zu kommunizieren, ganz zu schweigen. Kurzum: Nach 30 titellosen Jahren war die Eintracht einfach mal wieder an der Reihe. Die Statisten waren die Bayern, und das war auch gut so!

Wie sehr dieser sicherlich glückliche 3:1-Sieg der Eintracht zu gönnen war, offenbarte sich nicht zuletzt nach der Partie. So zeigte sich Bayerns Dritte-Wahl-Sportdirektor Hasan Salihamidzic nur wenig selbstkritisch und suchte die Schuld stattdessen bei Schiedsrichter Felix Zwayer. Dabei hätten die Münchener gut daran getan, ihre Leistung dahingehend zu hinterfragen, ob sie als Weltklasse-Mannschaft auf einen Strafstoß in der 95. Minute angewiesen sein müssen, um gegen die Eintracht zumindest die Verlängerung zu erreichen. Selbstkritik? Zumindest beim Sportdirektor: Fehlanzeige!

Zur Krönung erachteten es die Weltstars des Rekordmeisters bei der anschließenden Siegerehrung nicht einmal für nötig, dem Sieger den gebotenen Respekt zu zollen und zu applaudieren. Stattdessen traten sie die Flucht in die Katakomben an. Einzig Manuel Neuer kehrte noch einmal auf den Rasen zurück und zeigte Größe. Mats Hummels gab im Nachhinein an, dass die Mannschaft in dem Moment nicht darüber nachgedacht habe. Traurig, denn auch verlieren sollte gelernt sein.

Meiner Eintracht wird es egal sein. Sie hält den Pokal in ihren Händen und hat Historisches geschafft. Ante Rebic wird am Main auf ewig unsterblich sein. Ebenso wie Niko Kovac, dem die Versöhnung mit den Fans am Ende eines unwürdigen Monats zu gönnen war. Das wiederum ist dann doch noch eine ganz objektive Feststellung.

Von Tobias Haack

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