Lok Stendals Sportlicher Leiter im AZ-Interview

Streißenberger: „Lasst uns positiv denken!“

Lars Streißenberger als Trainer an der Seitenlinie.
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Gibt die Richtung vor: Lars Streißenberger.
  • Tobias Haack
    VonTobias Haack
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  • Patrick Nowak
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Lok Stendals neuer Sportlicher Leiter, Lars Streißenberger, hat zahlreiche offene Baustellen. Besonders am Herzen liegt ihm das zerrüttete Verhältnis der Eisenbahner zu den umliegenden Vereinen, wie er im zweiten Teil des großen AZ-Interviews erklärte.

Herr Streißenberger, das Umfeld und die Fans des 1. FC Lok sind sehr speziell und trauern immer noch den guten, alten Zeiten der 90er-Jahre hinterher. Wäre es nicht vielleicht wichtig zu akzeptieren, dass die Oberliga für diesen Verein das höchste der Gefühle ist?

„Wenn ich mir die letzten zehn oder 15 Jahre ansehe, ist es sicherlich so. Aber ich weiß nicht, warum wir uns begrenzen sollten. Wenn ich jetzt schon sage, über Platz acht brauchen wir nie nachdenken, werden wir Platz acht nie erreichen. Wenn wir eine Mannschaft entwickeln, die guten, attraktiven Fußball spielt, weiß ich nicht, wieso wir uns begrenzen sollen. Es gibt immer Mannschaften, die plötzlich einen Lauf haben und oben dabei sind. Wir müssen aber davon wegkommen, immer nur in der Vergangenheit zu leben. Wir leben im Heute und maximal noch im Morgen und da müssen wir sehen, dass wir Dinge richtig machen.“

Sie sind noch sehr frisch dabei. Vor Ihnen musste Guido Klautzsch die sportliche Planung verantworten. Er hält sich künftig im Hintergrund. Wie läuft die Zusammenarbeit zwischen ihnen?

„Wir hatten zu Anfang einen normalen Austausch. Er hat mir gesagt, an welchen Spielern er dran war und hat mir Telefonnummern gegeben, danach habe ich aber alles in Eigenregie gemacht. Ich bin jemand, der sich sein eigenes Bild machen möchte. Ansonsten ist der Austausch mit Jörn Schulz als Trainer viel, viel größer. Mit Guido ist aktuell kein großer Austausch da, aber das ist auch nicht nötig. Ich rede ungern über ungelegte Eier. Ich rede lieber darüber, wenn ich sagen kann: ‘So, ich habe jetzt das und das erreicht und jetzt müsst ihr im Vorstand abnicken.’ Alles davor weckt vielleicht wieder nur Erwartungen, die ich am Ende nicht halten kann. In der aktuellen Phase entscheiden schließlich drei Parteien: Wir, der Spieler und der abgebende Verein. Von daher lege ich am liebsten Tatsachen auf den Tisch.“

Bei Ihrer Vorstellung haben Sie „Mut für neue Wege“ eingefordert. Wie sehen diese neuen Wege und Ideen aus?

„Uns geht es darum, dass wir als Verein wieder anders wahrgenommen werden. Die Leute sollen herkommen und stolz sein auf uns. Die Spieler sollen stolz sein, für Lok zu spielen. Wir sollten mutig sein, mal wieder positiv zu denken. Wer hätte denn gedacht, dass die Mannschaft, so wie sie zusammengestellt ist, elf Punkte hat? Ich glaube, nicht viele! Von daher lasst uns positiv denken. Das Wichtigste ist, dass wir uns als Verein neu aufstellen und einen Weg zusammen gehen.“

Mut braucht es auch kurzfristig im Kampf um den Klassenerhalt. Was muss aus Ihrer Sicht passieren, um die Oberliga in dieser Saison zu erhalten?

„Abliefern müssen andere Mannschaften auch und wir sind ja nicht allein da unten drin. So weit sind wir auch gar nicht weg, auch wenn elf Punkte hart klingen. Wir haben auch eine ganze Menge Tore bekommen. Es waren drei krasse Spiele bei, wo es richtig gescheppert hat. Wenn du die raus nimmst, siehst es auch schon nicht mehr ganz so schlimm aus. Dass eine unerfahrene Mannschaft auch mal eine Reise bekommt, gehört dazu. Ich glaube aber, viele Spieler haben daraus gelernt. Wir haben jetzt schon einen fixen Neuzugang, der uns gut zu Gesicht stehen wird. Mit einem weiteren haben wir eine mündliche Einigung. Auch der wird uns gut zu Gesicht stehen. Wenn wir es schaffen, jetzt noch ein oder zwei dazuzubekommen, dann ist mir vor der Rückrunde nicht bange. Wenn wir diese Personen bekommen, werden wir auch ein bisschen was am System schrauben. Wir haben vor, mutiger zu spielen.“

Sind Rückholaktionen von Spielern geplant, die in der jüngeren Vergangenheit gegangen sind?

„Ich habe mit sehr vielen Spielern gesprochen. Es hat auch niemand gesagt, dass Stendal schlecht war. Im Gegenteil, die Jungs haben sich hier wohlgefühlt. Es haben andere Dinge nicht gepasst. Die Jungs, die jetzt aber schon fix sind, waren noch nicht hier. So viel kann ich sagen.“

Eine Baustelle, die schon ewig offen ist, ist das Trainerteam. Jörn Schulz hat noch immer keinen echten Co-Trainer. Gibt es dort Fortschritte?

„Es gab Ideen und auch Gespräche, aber bislang leider nur Absagen. Das ist eine Position, die wir dringend besetzen möchten, um das Trainerteam weiter zu entlasten. Vielleicht sollten wir auch dort über den Tellerrand schauen, nach einem jungen, bissigen Trainer, der seine Ideen mit einbringt. Aber die Baustelle ist noch nicht abgedeckt.“

Trainerteam, Neuzugänge, den Kader zusammenhalten. Das alles ist eine Geldfrage. Sind denn die finanziellen Möglichkeiten da, um beispielsweise Leistungsträger langfristig zu halten?

„Wir haben Corona. Manche Unternehmen haben überragende Auftragsbücher, manche haben nichts. Wir müssen uns breit aufstellen, auch im kleineren Bereich. Wir sollten zusehen, dass wir ein gesundes Fundament haben und darauf sollten wir peu a peu aufbauen und uns auch mit größeren Sponsoren zusammentun. Die Basis ist aber sehr, sehr wichtig.“

Als Sportlicher Leiter haben sie auch die Jugend und die zweite Mannschaft im Blick. Fast überall sind die Kader zu dünn. Mehr Trainer wären auch wünschenswert. Wie ist in diesem Bereich der Plan?

„Ich habe es mir ja jetzt als A-Jugendtrainer ein halbes Jahr selbst angesehen und weiß, wo es fehlt. Wir müssen wieder dahin kommen, dass wir mit anderen Vereinen kooperieren. Wenn wir Spieler von einem anderen Verein holen, müssen wir zuerst mit den Vereinsverantwortlichen reden und umgekehrt genauso. Man muss miteinander reden. Und Jungs, die es hier nicht schaffen, denen muss man dann wieder den Weg ebnen und nicht verbauen. Ich tausche mich aus mit Uwe Balliet, der als Jugendverantwortlicher einen ganz tollen Job macht, aber etwas Konkretes gibt es noch nicht.“

Der Austausch mit anderen Vereinen ist ein wunder Punkt bei Lok Stendal. Dort ist in der Vergangenheit viel Porzellan zerbrochen.

„Wenn es Lok Stendal gut geht, geht es den anderen Vereinen auch gut. Wenn man nach Tangermünde guckt, dann waren die dort alle irgendwann mal bei Lok. Auch in Bismark ist das nicht anders. Vereine können also von uns profitieren. Nicht jeder aus unserem Nachwuchs wird den Sprung in die Oberliga schaffen. Aber dann sind die Jungs vielleicht gut für unsere Zweite. Und wenn wir da hoffentlich einen vollen Kader haben, sind sie gut für andere Mannschaften. Leute, die es hier schaffen, fördern und Leute, die es hier nicht schaffen, für andere Vereine fördern. Das wäre mein Traum, wenn wir das in einer Kooperation schaffen. Miteinander statt gegeneinander.“

Haben Sie sich ein Zeitfenster gesetzt, wie lange Sie den Posten des Sportlichen Leiters beim 1. FC Lok ausfüllen möchten?

„Nein. Ich habe für mich einen Plan über dreieinhalb Jahre, den ich auch durchziehen möchte und dann schauen wir mal, wie lange sie mich hier ertragen. Wenn es zwischendurch ein bisschen schneller geht, sind wir vielleicht sogar vor der Kurve, wie man so schön sagt. Aber eine Deadline habe ich nicht. Ich habe ja auch gerade erst angefangen.“

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