BOXEN Yoan Pablo Hernandez ist bereit für seinen nächsten Kampf

Stärker und fitter als je zuvor

Schattenboxen vor dem Ring: Yoan Pablo Hernandez ist fokussiert. Der Deutsch-Kubaner, der für den 1. Boxclub Altmark Stendal aktiv ist, steht vor seinem zweiten Schwergewichtskampf. Fotos Lindenau
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Schattenboxen vor dem Ring: Yoan Pablo Hernandez ist fokussiert. Der Deutsch-Kubaner, der für den 1. Boxclub Altmark Stendal aktiv ist, steht vor seinem zweiten Schwergewichtskampf.

Stendal – Sein Lächeln: entwaffnend. Seine Fäuste: eine echte Waffe.

Willkommene Abwechslung: Auch beim Basketball macht der 36-Jährige eine gute Figur.

Auch wenn es um Yoan Pablo Hernandez in den zurückliegenden Monaten etwas ruhiger geworden ist: Der Profiboxer hat nach seiner Comeback-Niederlage im August gegen Kevin Johnson nur eine kurze Trainingspause eingelegt. Und bereitet sich gemeinsam mit seinem Trainer Christoph Schlender intensiv auf seinen nächsten Kampf vor. Als Profi haben er und sein Coach die Ausnahmegenehmigung, ihrem Sport nachgehen zu können. Geplant ist, am 12. Dezember im Magdeburger Maritim erneut in den Ring zu steigen. Ob die Boxgala stattfindet und der Schwergewichtskampf gegen einen noch nicht benannten Gegner coronabedingt ausgetragen werden kann, ist allerdings noch ungewiss.

Der Bizeps will gestählt werden. Durch Krafttraining konnte der Boxer sieben Kilo Muskelmasse zulegen.

„Wir dürfen trainieren.“ Yoan Pablo Hernandez schließt die Tür zur Boxhalle im Stendaler Stadtteil Süd auf. Und schnappt sich einen Basketball. Zum lockeren Aufwärmen ein paar Körbe werfen, das gehört für den knallharten Profiboxer mit dem umwerfenden Lächeln einfach dazu. „Ich mache das fast jedes Mal, um ins Laufen zu kommen“, erzählt der 36-Jährige. Bis sein Coach auch da ist, ist der Deutsch-Kubaner bereits warm. Und immer noch heiß auf das harte Training. Das ist alles andere als vergnügungssteuerpflichtig. Täglich zwei Einheiten, bei denen Hernandez an seine physischen und mentalen Grenzen gehen muss. Für ihn normal. Er will es auch, kann gar nicht anders. Auch wenn er jeden Muskel schmerzhaft spürt. In seinen Adern fließt Kämpferblut. „Ich kann es nicht verhindern, ich will einfach mehr.“ Die bittere Niederlage im ersten Schwergewichtskampf seiner Karriere hat der mehrfache Weltmeister im Cruisergewicht gemeinsam mit Schlender analysiert. Und an den Fehlern gearbeitet.

Sechs Jahre lang hatte er keinen Profiwettkampf mehr bestritten, sich zurückgezogen und beim 1. Boxclub Altmark Stendal den Nachwuchs trainiert. Geplagt von Verletzungen, war er an einem Punkt angelangt, an dem er nicht mehr konnte. Doch gemeinsam mit Schlender war die Idee gereift, wieder in den Ring zu steigen. Sich nicht mehr mit dem Gewicht zu quälen, sondern ins Schwergewicht zu wechseln. Als er im August endlich wieder kämpfen konnte, war das ein großartiges Gefühl für den 36-Jährigen. Die Niederlage hatte er schneller vergessen als sein Trainer. „Bei mir hat das schon so zwei Wochen gedauert“, blickt Christoph Schlender zurück. Doch beide wussten, dass es weitergehen soll. „Wir haben seitdem an meinen schwierigen Punkten gearbeitet“, spricht der Profiboxer die Kondition, Koordination und nicht zuletzt die Taktik an. Und: Auch Muskelaufbau hat in den zurückliegenden Monaten dazugehört. Pablo hat erneut sieben Kilogramm Muskelmasse zugelegt, bringt inzwischen 110 Kilogramm auf die Waage. Er und sein Trainer sind froh, von einem Stendaler Fitnessstudio ein multifunktionelles Gerät gesponsert bekommen zu haben, an dem per Kabelzug fast alle Muskelgruppen trainiert werden können.

Kraft, Ausdauer, Koordination: Der ehrgeizige Wahlstendaler hat sich in allen Punkten gesteigert. Und sagt: „Ich bin bereit, wir sind gut vorbereitet.“ Die Magdeburger Box-Gala war ursprünglich für dieses Wochenende geplant. Der Corona-Lockdown hat die Pläne durchkreuzt. Neuer Termin ist der 12. Dezember. Der Kontrahent steht noch nicht fest. Hier hat das Stendaler Schwergewichtsgespann Mitspracherecht. „Wir gucken uns den Gegner gut an“, sagt Schlender. Drei Wochen Vorbereitungszeit bleiben noch. In Trainingseinheiten mit Sparringspartnern hat Hernandez auch schon an seiner Wettkampfphysis arbeiten können. Die hat ihm im Sommer nach der langen Pause noch gefehlt. „Boxen ist überraschen. Wenn man sich gut vorbereitet, kann man sich alles erhoffen“, will er den Ring dann unbedingt als Sieger verlassen.

Würde der Dezemberkampf ausfallen, ist der nächste im Frühjahr geplant. Die Karriere des Deutsch-Kubaners geht also auf jeden Fall weiter. Dabei kann er auch auf die Unterstützung von Ulli Wegner setzen, der dem Stendaler Boxverein seit Jahren verbunden ist. Der erfahrene Boxtrainer agiert aber viel im Hintergrund. Die täglichen schweißtreibenden Einheiten leitet Christoph Schlender. Er weiß, worauf es ankommt. „Wir arbeiten im hohen Pulsbereich, das ist im Boxen so.“ Und so muss sein Schützling an diesem Novembermorgen seinen Basketball nach wenigen Minuten zur Seite legen. Schattenboxen, Gewichte stemmen, Sandsack-Boxen ... Jeden Tag aufs Neue geht Pablo an sein Limit und darüber hinaus.

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