HANDBALL SVO-Coach Christian Herrmann im Porträt

Vom Spieler zum Trainer

Für Christian Herrmann, hier mit Partnerin Lena Witzke und Tochter Marla, hat sich der Wechsel nach Oebisfelde auch im Privatleben mehr als gelohnt. Foto: Staade

Oebisfelde – Der Sport stand für den heute 32-jährigen Christian Herrmann schon von Kindheit an im Vordergrund. Denn 1988 in Salzwedel geboren, war der Pretzierer bereits im Kindergarten ballverliebt und jagte dem Leder hinterher.

So dauerte es nicht lange und er begann aktiv bei Eintracht Salzwedel mit dem Fußball spielen. Die Erfolge ließen dann auch nicht lange auf sich warten. Aber sein damaliger Lehrer, Jörg Simmat, erkannte noch ein anderes Talent in dem Jungen und holte ihn schließlich zum Handball, wo Christian Herrmann 2001 beim SVT Uelzen/Salzwedel mit 13 Jahren in der D-Jugend seinen Einstand gab und mit seinem Team Kreismeister wurde.

Der Linkshänder strahlte Torgefahr aus und war vom Gegner kaum zu stellen. Er durchlief alle Stationen im Nachwuchsbereich der Salzwedeler. Christian wurde in den Landeskader Niedersachsens berufen. Mit dem SVT folgte im Jahre 2005 der Bezirksmeistertitel der A-Jugend. Zu diesem Zeitpunkt spielte er aber auch schon bei den Männern mit.

Potenzial blieb nicht unerkannt

Die Fähigkeiten und das Potenzial des 1,98 Meter großen Linkshänders im rechten Rückraum blieben natürlich nicht unerkannt, sodass andere Vereine auf ihn aufmerksam wurden. Und so erhielt der 17-Jährige dann 2006 eine SMS von Enrico Nefe, dem damaligen Trainer des SV Oebisfelde. Die Allerstädter Männer gingen damals in der Regionalliga auf Torejagd. Ein Probetraining war schnell vereinbart und ebenso schnell fiel dann auch die Entscheidung der Verantwortlichen. Christian Herrmann überzeugte auf ganzer Linie und wechselte zum SVO. Wegen seiner langen Haare bekam er von Enrico Nefe auch gleich den Spitznamen „Ariane“ verpasst, unter dem ihn heute noch jeder in Oebisfelde kennt.

Sein Debüt im SVO-Trikot gab Christian dann in einem Freundschaftsspiel gegen den TBV Lemgo. Sein erstes Tor für die Allerstädter gelang Herrmann im Punktspiel gegen Staßfurt. Der damals 17-Jährige wagte den sicherlich nicht einfachen Sprung aus der Landesliga in die 3. Liga, den er jedoch nicht bereut hat. „Enrico Nefe hat mich weitergebracht und mir sehr geholfen“, blickt Herrmann zurück.

Trotzdem saß er in den ersten beiden Jahren zumeist nur auf der Bank, hatte er doch auf seiner Position mit Andreas „Kasi“ Werner ein Oebisfelder Urgestein vor sich, an dem es vorerst kein Vorbeikommen gab. Doch als Werner beruflich für zwei Jahre nach Spanien ging, schlug die Stunde von Christian Herrmann, der sich fortan im rechten Rückraum als Torjäger einen Namen in der Mitteldeutschen Oberliga machte und zudem alle Höhen und Tiefen beim SV Oebisfelde mit durchlebte. Aber auch privat änderte sich bei Christian dann ab 2013 einiges im Leben.

Im Sommer war er wie schon so oft zu einem Besuch in der Oebisfelder Altstadtkneipe „Schwejk“ und lernte dort eine gewisse Lena Witzke aus Wolfsburg kennen. Was beide damals noch nicht wussten, auch Lena ist Linkshänderin und spielte Handball auf der gleichen Position im rechten Rückraum wie Christian. Es funkte zwischen den beiden und sie wurden ein Paar, wohnten fortan zu-sammen in Oebisfelde.

Lena schloss sich den Frauen des SV Oebisfelde an und wurde zu einer der Leistungsträgerinnen im Team. Sie war dazu torgefährlich wie kaum eine andere und spielte sich so in die Herzen der Handballfreunde an der Aller. Auch wenn Lena derzeit wieder aktiv beim VfL Wolfsburg in der Oberliga Niedersachsen ist, als Mitglied beim SVO leitet die 27-Jährige einmal wöchentlich das Nachwuchs-Stützpunkttraining des HVSA in der Oebisfelder „Hans-Pickert-Halle“ und ist zudem Trainerin der weiblichen Landesauswahl 2006 von Sachsen-Anhalt. Leider verlief die sportliche Laufbahn bei Christian nicht mehr so positiv, denn immer öfter plagten ihn Verletzungen, die ihm doch ganz schön zu schaffen machten. Erlitt er schon 2012 einen Kreuzbandriss im rechten Knie, so er-wischte es ihn 2014 erneut, dieses Mal im anderen. 2016 folgte Kreuzbandriss Nummer drei. „Es ist schon kurios. Immer am 14. Februar, dem Valentinstag, verbrachten wir den Abend im Krankenhaus. Wie romantisch“, erinnert sich Lena.

Der Wechsel auf die Trainerbank

Nach der dritten schweren Verletzung beendete Christian Herrmann seine aktive Laufbahn. Doch wer ihn kannte, der wusste, dass der Handball weiter fester Bestandteil seines Lebens bleiben würde. Nachdem er in Besitz der Trainer-C-Lizenz dann schon einige Male als Betreuer eingesprungen war, trat SVO-Spartenleiterin Steffi Müller dann 2015 an ihn heran, da die Frauenmannschaft keinen Trainer hatte. Christian Herrmann brauchte nicht lange und war von 2015 bis 2019 Coach der ersten Frauenmannschaft des SVO. Und auch an der Seitenlinie durchlebte er mit dem Team alle Tiefen und Höhen, wie Abstieg, Nordcupsieg gegen Seehausen 2016 und Wiederaufstieg 2017/18.

Parallel war er schon 2016 als Co-Trainer neben Coach Thomas Meinel bei der ersten Männermannschaft des SVO in der Sachsen-Anhalt-Liga eingestiegen. Seit der Saison 2019/2020 ist Christian Herrmann nun mit der B-Lizenz Cheftrainer bei den Allerstädtern.

Privat braucht man ihn nicht viel nach seinen Hobbys fragen, denn Christian und Lena haben ein Grundstück in Niendorf erworben und sich ein schmuckes Häuschen gebaut. Da gibt es genug zu tun. 2017 kam dann Tochter Marla zur Welt und vervollständigte das Glück des jungen Paares. „Die Familie ist das Wichtigste für uns im Leben“, geben beide zu.

Da wäre noch die Frage nach den Wünschen für das Jahr 2021, was sie so beantworten: „Vielleicht ein normal geführtes Leben, wo man auch wieder in den Urlaub fahren kann.“

Sportlich sieht es da für ihn schon anders aus, denn er geht davon aus, dass seine Spieler sich selbst fit halten. Herrmann ist sich sicher, die Jungs werden alle irgendwann, wenn es wieder losgeht, fit auf der Platte stehen. Nach der corona-bedingten Unterbrechung der laufenden Saison könnte es für den Trainer vom Gefühl her sofort wieder losgehen. „Allerdings muss es schon unter Wettkampfbedingungen sein und mit Zuschauern“, so der Coach abschließend.

„Wenn meine Tochter Marla im Auto sagt ‘Papa, wenn wir links rum fahren, dann geht es zum Handball’, dann ist die Normalität wieder eingezogen“, weiß Christian Herrmann und blickt dabei durchaus zuversichtlich in die Zukunft.

VON JÖRG STAADE

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