FUSSBALL – LANDESKLASSE Jakob Lehmann freut sich auf den Osterburger FC

Mit Spaß, ohne Druck

Der Trainingspullover erinnert noch an seine Zeiten beim 1. FC Magdeburg. Doch das Kapitel ist für Jakob Lehmann vorbei. Der Verteidiger läuft in der Rückrunde für den Osterburger FC auf. Foto: Lindenau

Osterburg – Der Trainingsanzug mit dem Vereinslogo und der Nummer 21 erinnert noch an seine Zeiten beim 1. FC Magdeburg. Die Farben blau und weiß passen aber auch zu seinem neuen Verein.

Jakob Lehmann hat den Traditionsverein, bei dem er vor rund einem Jahr noch auf dem Sprung in den Profikader stand, hinter sich gelassen. Nach Monaten ohne Fußball und voller Konzentration auf sein Biologie-Studium hat der 20-Jährige wieder Lust auf den Sport bekommen. Für den Osterburger FC könnte der Altmärker zum Unterschiedspieler reifen.

Schon nach dem ersten Testspiel geriet Trainer Uwe Schmidt ins Schwärmen. Dass Jakob Lehmann nach der Winterpause für den OFC auflaufen wird, ist ein enormer Gewinn für den Landesklassisten. „Er ist super ausgebildet, bringt viel mit“, freut sich der Interimscoach. Doch genau wie sein Neuzugang weiß auch er, dass der Unterschied zwischen dem Jugend- und Herrenbereich immens ist. Zumal die Gangart in der A-Junioren-Bundesliga eine ganz andere ist als die in der Herren-Landesklasse. „Hier geht alles über die Zweikampfführung, da muss er sich erst dran gewöhnen“, gibt Schmidt seinem Transfercoup Zeit.

Und der Neuzugang selbst ist sich auch sicher, dass die größte Herausforderung in dem körper- und mannbetonten Spiel liegen wird. Gerade für ihn als Verteidiger komme es darauf an, sich durchzusetzen. „Männerfußball ist doch was anderes als das, was ich bisher gespielt habe. Da geht es mehr zur Sache“, erzählt der 1,94-Meter-Hüne beim Trainingsauftakt an einem kalten Januarabend auf dem Areal der Landessportschule. Sich ins Team einzufinden, war für den Studenten kein Problem. „Ich komme aus der Gegend und kenne viele Leute noch von früher, habe Freunde in der Mannschaft.“ Mit Lennart Metzlaff, Maximilian Rieger und Jakob Gernecke hat er zudem gemeinsam in der Landesauswahl gespielt. Als für den einstigen Kapitän der FCM-U19 der Abschied in Magdeburg besiegelt war, trainierte er schon ein paar Mal in Osterburg mit. Auch bei Landesklassespielen stand er am Rand und unterstützte den Verein. Die Fußballschuhe komplett an den Nagel zu hängen, war keine Option für Lehmann. „Auch wenn ich in den letzten Monaten fußballerisch nicht viel gemacht habe“, wie er eingesteht. Dennoch: Wer kurz davor stand, einen Profivertrag beim FCM zu erhalten, kann ohne den Sport kaum leben.

Als sich im Frühjahr 2019 abzeichnete, dass es beim Club nicht für eine Profilaufbahn reichen würde, reifte in dem talentierten Defensivspezialisten die Entscheidung pro Studium und contra Profifußball. Er hätte den Verein wechseln müssen, das wollte der Klein Ellinger nicht. „Das hat meine Entscheidung nur noch verstärkt.“ Und so studiert er inzwischen in Halle Biologie.

„Jetzt zur Rückserie habe ich Lust, wieder ein bisschen zu kicken mit Freunden, ohne den großen Druck zu haben“, hat sich der 20-Jährige bewusst für den OFC entschieden. Dass er dem derzeit Neuntplatzierten der Landesklasse helfen kann, am Saisonende besser platziert zu sein, hofft Lehmann schon. Nach seinen Stärken befragt, überlegt er nur kurz. „Das sind mein Verteidigungsverhalten, auch meine Kopfbälle, dadurch dass ich sehr groß bin. Und ich habe, denke ich, auch ein gutes Auge, Pässe zu spielen.“ Fußballerische Qualitäten, die beim defensiv bislang sehr anfälligen Osterburger FC dringend gebraucht werden. „Ich hoffe, dass was ich fußballerisch und menschlich mitbringe, hier mit einbringen kann. Dass ich aber vor allem auch mit den Jungs Spaß auf dem Platz habe, ist das Wichtigste, dann kommt der Rest von allein“, ist der prominenteste Neuzugang der Rückrunde überzeugt.

Natürlich hat er auch schon einen Blick auf die aktuelle Tabelle riskiert. Die Top Fünf zu erreichen, sei kaum machbar. Der Rückstand beträgt bereits zwölf Punkte. „Das erste Ziel sollte sein, am Ende vor Rossau und Krevese zu stehen“, hat sich der 20-Jährige vorgenommen. Oben anzugreifen, sollte das Ziel in der kommenden Saison sein.

Ähnlich sieht das auch Uwe Schmidt. Der Trainer strebt auch Platz sechs an, denkt aber weiter. Und nachhaltiger. Da mit David Rose ein neuer Trainer gewonnen werden konnte, kann er selbst in der nächsten Spielzeit wieder aktiv ins Geschehen eingreifen. Die Bedingungen mit dem dann kompletten Trainer- und Betreuerstab und den Möglichkeiten, die die Landessportschule bietet, sind ideal für die Weiterentwicklung. Und mittelfristig auch für einen Aufstieg in die Landesliga. Eine Spielklasse, die auch Jakob Lehmann noch entgegenkommen dürfte. In der Landesklasse, davon geht Schmidt aus, werde er von den Kontrahenten „besonders hart rangenommen.“ Doch der junge Verteidiger möchte sich durchsetzen. Und dabei vor allem eines haben: Spaß am Fußball.

VON SABINE LINDENAU

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