PFERDESPORT Reiterfamilie Prehm in der Corona-Krise / Vorteil Dorf

„Sie würden durch die Decke gehen“

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Ausnahme Tierwohl: Kathrin (l.) und Merle Prehm dürfen und müssen ihre Pferde, wie den 12-jährigen Empire of the Sun, ständig in Bewegung halten.

Altmark – „Wir können die Pferde nicht im Stall lassen. Die würden durch die Decke gehen. Pferde sind Lauftiere, sie brauchen Bewegung."

Kathrin Prehm und Tochter Merle vom Reitverein Kemnitz sind nachdenklich, sie sorgen sich um die Gesundheit der Menschen und Tiere, der Turniersport spielt aufgrund der Corona-Pandemie derzeit keine Rolle mehr.

Eigentlich wollte Merle Prehm mit ihrem Pferd Empire of the Sun – Spitzname Emil – beim Mitteldeutschen Junior-Cup und am kommenden Wochenende in Salzwedel bei den Hallen-Landesmeisterschaften an den Start gehen, um ihr erreichtes Leistungsniveau im Wettkampf unter Beweis zu stellen. „Jetzt sind wir so weit, dass wir uns richtig lostrauen können und nun das. Doch es gibt Schlimmeres“, meinte Mutter Kathrin, die gemeinsam mit Reitlehrer Olaf Thon ihre 17-jährige Tochter und den fünf Jahre jüngeren Vierbeiner an das Niveau der Klasse S herangeführt hat. Um das erreichte sportliche Niveau weiter zu verbessern, trainieren Merle und Emil täglich. „Das Training ist auch wichtig, damit die Muskeln des Pferdes gymnastiziert bleiben. Man kann es nicht einfach einstellen“, erklärt Kathrin Prehm, die zur Zeit ihre Arbeit von zu Hause aus im Homeoffice erledigt.

Da ihre die Berufsschule geschlossen ist, hat Merle Prehm derzeit viel Zeit, um sich um ihre Pferde zu kümmern. Dort wartet auch der der 20-jährige Park´s Topic, mit dem die junge Reiterin 2018 den Landesmeistertitel in der Dressur gewonnen hatte, und der in diesem Jahr offiziell vom Turniersport verabschiedet werden soll, im September beim Freiluftturnier des RV Kemnitz. Das Hallenturnier am 4. April musste der Verein absagen, nun hoffen die Mitglieder, dass das dreitägige Turnier zum Abschluss der Freiluftsaison stattfinden kann.

Da die Bewegung der Pferde in Hinblick auf das Tierwohl zwingend notwendig ist, und sich das Virus nicht auf die Tiere übertragen soll, genießen die Pferdesportler derzeit einen Sonderstatus. „Wir dürfen mit unserem Sportpartner Pferd weiter zusammen sein, während sich die anderen Sportler nicht mehr treffen und gemeinsam trainieren können“, so die erfahrene Dressurreiterin.

Der Landesverband Sachsen-Anhalt und Deutsche Reiterliche Vereinigung (FN) haben zudem Verhaltensregeln und Vorschriften herausgegeben, um der Pandemie richtig zu begegnen. „Fremde Personen dürfen sich in den Stallungen nicht mehr aufhalten, die Kontakte untereinander werden auf zwei Personen reduziert. Auch für unsere Reithalle gibt es einen Anwesenheitsplan, um Kontakte zu vermeiden“, erklärt Kathrin Prehm, die den Kindern aus Steinitz mitteilen musste, dass sie nun nicht mehr in den Stall dürfen, um nach den Pferden zu sehen.

Den ländlichen Raum sieht Kathrin Prehm in der derzeitigen Situation im Vorteil, denn viele Pferdebesitzer auf dem Land besitzen eine Weide, wo die Tiere genügend Auslauf haben. Die Prehms haben auf ihrem Grundstück mehrere Paddocks, in denen die Pferde ihren Bewegungsdrang ausleben können.

„Bleibt alle gesund“, wünschen sich Kathrin und Merle Prehm in der leisen Hoffnung, dass diese schwierige Situation recht schnell vorüber gehen möge.

VON RENEE SENSENSCHMIDT

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