Fußball: Talentesichtung ausgeweitet

DFB: C-Jugend-Jahrgänge werden künftig an den Stützpunkten gefördert

Fußball-Mannschaft des 1. FC Lok Stendal
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In der Saison 2014/15 gewann die D-Jugend des 1. FC Lok Stendal den Titel in der Talenteliga von Sachsen-Anhalt. Zum Team von Trainer Markus Hoffmann gehörte auch Tim-Justin Dietrich (hinten 6.v.l.), der es inzwischen in der Kader der U19-National-Mannschaft geschafft hat.
  • Renee Sensenschmidt
    VonRenee Sensenschmidt
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Altmark – Der Deutsche Fußballbund (DFB) sichtet über seine Stützpunkte seine Talente. Auch in Stendal und in Klötze gibt es seit vielen Jahren solche Stützpunkte, an denen die Talente gesichtet und weiter entwickelt werden.

Die besten von ihnen schaffen den Sprung über ein Leistungszentrum, in Sachsen-Anhalt gibt es diese beim 1. FC Magdeburg und Halleschen FC, zu einem Bundesligisten und vielleicht sogar bis zur Nationalmannschaft. Paul Seguin (Stendal) und Michael Niemeyer (Salzwedel) sind zwei Beispiele aus der Altmark, die es in den Profifußball geschafft haben.

Zweite Chance

Doch es gibt immer wieder auch Beispiele, dass talentierte Spieler mit zwölf Jahren bei der ersten Sichtung für einen Leistungsstützpunkt (noch) nicht auffallen und abgewiesen werden. Das führt oft zu Enttäuschungen, der Traum vom Profifußball wird nicht weiter verfolgt. „Es ist schwierig, Kinder im Alter von zwölf Jahren richtig zu beurteilen. In diesem Alter setzt oft ein Wachstumsschub ein, die Kinder vollziehen einen Reifeprozess. Wir wollen diesen Spielern eine zweite Chance geben und die Tür lange offen halten“, erklärt Frank Gifhorn, der für den DFB der Stützpunktkoordinator für Sachsen-Anhalt ist. Daher werden an den DFB-Stützpunkten künftig Jungen und Mädchen von der U12 bis zur U15 gefördert. Bislang war nach der D-Jugend dort Schluss, jetzt geht es auch für die C-Jugendlichen am Stützpunkt weiter. Die Förderung hat mit der Talenteliga nichts zu tun, diese ist eine reine Fördermaßnahme des Fußballverbandes Sachsen-Anhalt (FSA). Der DFB wird Turniere und Begegnungen für Stützpunkt-Auswahlen anbieten. Dabei soll es Vergleiche mit den Leistungszentren in Magdeburg, Halle, Wolfsburg und Braunschweig geben, so die Vorstellungen von Frank Gifhorn. Ob es mehrere Stützpunktteams der Bereiche, Stendal und Klötze gehören zum Bereich Nord, oder nur eine Auswahl aus allen Stützpunkten geben wird, hängt von der Anzahl der Talente ab. Es wird auf jeden Fall sichergestellt, dass sich die besten Talente der Stützpunkte mit denen der Leistungszentren auf hohem Niveau messen können.

Corona bremst

„Wir geben den Kindern die Möglichkeit, sich bei den Spielen, Turnieren und bei Lehrgängen zu zeigen“, erklärt Frank Gifhorn. Doch aufgrund der Corona-Situation können diese Planungen derzeit noch nicht umgesetzt werden. „Wir sind froh, dass die Kinder zumindest wieder trainieren können. Jetzt geht es darum, dass wir die Kinder weiter für den Sport begeistern, damit sie uns nicht verloren gehen.“

Beispiel Dietrich

Auch Markus Hoffmann vom DFB-Stützpunkt in Stendal begrüßt die längere Förderung. „Für Spieler, die es in der D-Jugend nicht in das Leistungszentrum geschafft haben, danach aber weiter gereift sind und sich in mehrfacher Hinsicht deutlich verbessert haben, ist diese Maßnahme von Vorteil. Wir haben die Spieler länger unter Beobachtung und erkennen Fortschritte, die einen späteren Wechsel zu einem Leistungszentrum rechtfertigen.“ Markus Hoffmann erinnert an das Beispiel seines ehemaligen Schützlings Tim-Justin Dietrich, der bei der Sichtung für die Sportschule zunächst durch das Sieb gefallen war, sich anschließend aber gut entwickelt hat, um bereits ein halbes Jahr später doch zum 1. FC Magdeburg zu wechseln. Inzwischen spielt Dietrich in der U19 des SV Werder Bremen und gehört dem DFB-Kader dieses Jahrganges an. Ein weiteres Beispiel ist Jonas Schulz, der im Vorjahr zur U17 des FCM wechselte. „Wichtig ist, dass die Spieler weiterhin auf höchster Ebene spielen und nicht nach der Talenteliga in einen unterklassigen Verein wechseln“, erklärt der Stendaler Stützpunkttrainer. Der Havelberger Jonas Schulz ist nach seiner Talenteliga-Zeit beim 1. FC Lok Stendal geblieben und hat sich in der C-Jugend in der Verbandsliga weiter entwickelt.

Am Ball bleiben

Dem pflichtet auch Jürgen Brandt, DFB-Stützpunkttrainer in Klötze, bei. „Man muss am Ball bleiben, fleißig trainieren, um das bereits erworbene Niveau weiter zu verbessern.“ Für die „Spätstarter“ sind die geplanten Maßnahmen eine zusätzliche Chance. Frank Gifhorn nennt es den zweiten Bildungsweg.

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