Ausdauersport: Fünf Westaltmärker bezwingen den Hindernislauf „Tough Mudder“

Den Schweinehund besiegen

+
Ein wenig erschöpft, aber glücklich: Thomas Viehmann, Georg Schumann, Martin Stanke, Patrick Rütz und David Ganzer (von links) sind beim „Tough Mudder“ an ihre Grenzen gegangen.

Gardelegen/Severloh. Im letzten Jahr waren sie noch zu zweit. Bei der Auflage im Jahr 2016 startete die kleine Gruppe bereits mit fünf Personen. Die Rede ist von fünf Westaltmärkern, die am zurückliegenden Wochenende beim „Tough Mudder“ an den Start gingen.

Georg Schumann, Thomas Viehmann, Martin Stanke und David Ganzer aus Gardelegen sowie Patrick Rütz aus Salzwedel stellten sich der Herausforderung im niedersächsischen Severloh. Und das mit Erfolg.

Doch was ist „Tough Mudder“ eigentlich? Es handelt sich dabei um einen Hindernislauf über knapp 20 Kilometer. Dieser ist zudem gespickt mit über 20 unterschiedlichen Hindernissen, die nicht nur die Ausdauer sowie die körperliche und mentale Stärke auf die Probe stellen, sondern auch die Teamfähigkeit der Teilnehmer. Besonderheit: Es gibt keinen Gewinner, keine Siegerehrung und auch keine Zeitmessung. Was treibt dann knapp 20.000 Teilnehmer im niedersächsischen Severloh an, sich selbst zu quälen?

„Es ist einfach die Herausforderung, den eigenen Schweinehund zu bekämpfen. Ich muss sagen, es ist schon ein geiles Gefühl, wenn man das eine oder andere Hindernis geschafft hat und die Ziellinie überquert“, erklärt Thomas Viehmann seinen eigenen Antrieb. Der Gardelegener ist ein „Wiederholungstäter“, genau wie Georg Schumann. „Ich bin das zweite Mal dabei gewesen, Georg bereits zum dritten Mal. Es war auf jeden Fall nicht der letzte Start“, machte Viehmann deutlich. Nachdem die beiden Gardelegener, die zudem auch bei den Regionalliga-Volleyballern des SSV aktiv sind, im letzten Jahr noch als Duo an den Start gingen, konnten sie in dieses Mal noch drei weitere Mitstreiter zur Teilnahme überreden.

„Martin, David und Patrick waren absolut begeistert und werden auch im kommenden Jahr wieder mitmachen. Die Anmeldungen sind schon raus“, so Viehmann weiter.

Knapp 20 Kilometer querfeldein laufend zu bewältigen, stellt schon eine Herausforderung dar, doch den eigenen Rhythmus immer wieder an kräftezehrenden Hindernissen unterbrechen zu müssen, ist doch ungleich schwieriger. Und diese Hindernisse haben es durchaus in sich. So warten beispielsweise Prüfungen wie „Arctic Enema“, wo eiskaltes Wasser durchquert werden muss, „Pyramid Scheme“, eine glitschige Steilwand, die nur in Teamarbeit zu bezwingen ist, „King of the Swingers“, wobei eine Glocke in vier Metern Höhe an einem Pendel schwingend erreicht werden muss, oder auch „Berlin Walls“, eine vier Meter hohe Wand, die dann auf die Teilnehmer wartet, wenn die Kräfte schon langsam nachlassen. Als letztes Hindernis vor dem Ziel wartet dann „Electro-shock Therapy“, wo die Läufer von Stromdrähten mit 10.000 Volt gekitzelt werden.

Schafft man ein Hindernis nicht beim ersten Versuch, kann es direkt wiederholt werden. Ebenso können Hindernisse auch ausgelassen und umlaufen werden. „Es gibt keine Strafe und man wird auch nicht disqualifiziert. Aber es ist eben genau das Ziel, sich durchzubeißen und den inneren Schweinehund zu besiegen. Für mich war die Pyramide das anstrengendste Hindernis und das Eiswasser am unangenehmsten. Auch wenn man schon mal dabei war und viele Hindernisse bereits kennt, ist es trotzdem immer wieder schwer, sich zu überwinden“, beschreibt Viehmann, der nicht ohne Blessuren im Ziel ankam. „Das bleibt halt nicht aus, aber wirklich schlimmes ist nicht passiert“, gibt er Entwarnung. Am Ende brauchte die fünfköpfige Gruppe für die gut 20 Kilometer lange Strecke knapp 3,5 Stunden.

Und was war am Ende die Belohnung? Ein farbiges Stirnband. Es ist quasi das Statussymbol der „Tough Mudder“, denn mit jeder Teilnahme an so einem Event ändert sich auch die Farbe des Stirnbandes. Bei jeder Zielankunft gibt es ein orangenes Stirnband. Beim zweiten Start zusätzlich ein grünes, beim dritten ein blaues. Georg Schumann hat sich also bereits ein blaues „erkämpft“ und Thomas Viehmann konnte ein grünes in Empfang nehmen. Martin Stanke, David Ganzer und Patrick Rütz stehen erst bei orange, doch es sollen ja noch weitere Starts folgen. „Mein Ziel ist ein schwarzes Stirnband“, macht Viehmann ohne Umschweife deutlich. Dafür sind allerdings zehn Starts beim „Tough Mudder“ nötig. Zwei hat er schon, fehlen also nur noch acht.

Man muss schon ein bisschen - im positiven Sinne - verrückt sein, um diese Strapazen freiwillig auf sich zu nehmen, wobei dann im Ziel nicht einmal eine Urkunde oder eine Medaille wartet. Georg, Thomas, Martin, David und Patrick sind dies offenbar und zudem auf den Geschmack gekommen. Daher werden sie sich auch 2017 wieder auf den Weg machen, um sich als „Tough Mudder“ zu beweisen.

Von Tobias Weber

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare