LEICHTATHLETIK: Thomas Barthel bei der DM in Leipzig im Pech

Schürfwunden statt Medaille

Unglücklicher Auftakt: SCM-Sprinter Thomas Barthel hat bei der Deutschen Meisterschaft nur punktuell überzeugt. 
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Unglücklicher Auftakt: SCM-Sprinter Thomas Barthel hat bei der Deutschen Meisterschaft nur punktuell überzeugt.

Magdeburg – Der in den Farben des SC Magdeburg laufende altmärkische Top-Sprinter Thomas Barthel hat in den vergangenen Wochen seine ersten vier Wettkämpfe des Jahres absolviert.

Nach kleineren Meetings in Erfurt, Halle und Leipzig stand am Wochenende der erste echte Höhepunkt der Saison an: die deutsche Hallenmeisterschaft.

Auch wenn es für den 20-Jährigen zu einer neuen Saison-Bestzeit reichte, blieben die Ergebnisse unter dem Strich enttäuschend. Über die 60 Meter schied Barthel im Vorlauf aus. Mit der Staffel des SCM lag er auf Medaillenkurs, um dann in Führung liegend zu stürzen. Ein denkbar unglücklicher Start in ein Jahr, das im Hinblick auf das Fernziel Olympia 2020 in Tokio bereits entscheidend sein könnte.

„Für die Bundestrainer sieht das jetzt im Nachhinein natürlich erstmal schlecht aus, aber entscheidend wird der Sommer. Dann zählt es“, lässt sich Barthel den Mut noch längst nicht nehmen. Immerhin sei das schwache Abschneiden in Leipzig relativ leicht zu erklären und bei genauerer Betrachtung lassen sich sogar einige gute Ansätze erkennen, die durchaus Anlass zur Zuversicht geben.

Da wäre beispielsweise Barthels chronisches Problem am Start, das bei der jüngsten DM in der Messestadt kein Thema mehr war. „Die Schwächen beim Start haben wir wegbekommen“, analysiert Barthel. Das Problem: Die akribische Arbeit am Kernproblem der Vergangenheit hat andere Aspekte des komplexen Sprint-Ablaufs in den Hintergrund gedrängt. Statt wie sonst am Start die entscheidenden Sekundenbruchteile zu verlieren, schwächelte Barthel bei seinem DM-Lauf plötzlich im fliegenden Teil – seiner eigentlichen Stärke.

„Wir haben in der Vorbereitung den fliegenden Teil ausgeblendet und damit vielleicht die Schwerpunkte nicht korrekt gesetzt. Ich bin in meinem Lauf überhaupt nicht in die Schrittlänge gekommen“, gibt sich der ehemalige Stendaler selbstkritisch. Zur Saisonbestzeit von 6,78 Sekunden reichte es zwar noch, die persönliche Bestzeit von 6,74 blieb so allerdings ebenso außer Reichweite wie der Finaleinzug. Sieger Kevin Kranz lief mit 6,59 Sekunden ohnehin in ganz anderen Sphären. Am Ende stand für Thomas Barthel und sein Team die Enttäuschung: „Wir haben jetzt im zweiten Hallenjahr in Folge keine Steigerung. Das ist ein Problem.“

Doch die kleine Stagnation in Barthels bis dato so steiler Karriere mit DM- und EM-Titeln sowie einer WM-Medaille ist zu erklären. Im Vorjahr stand neben dem Sport vor allem das Abitur im Vordergrund. Nun hat der 20-Jährige eine Ausbildung begonnen und musste zudem einschneidende Veränderungen in seinem Trainerteam hinnehmen. Sein bisheriger Haus-Trainer Eik Ruddat hat den SCM verlassen und ist in die zweite Reihe gerutscht.

Zwar legt Ruddat noch immer die Trainingsinhalte seines Schützlings fest, doch angeleitet werden die Einheiten nun von Lukas Müller und Moritz Andrä. Barthel nennt es „das Trainerkompetenz-Team“. Vom Zeitpunkt her kommt diese Umstrukturierung in Barthels wichtigstem Karriere-Jahr allerdings nicht optimal. „Sobald ich für mich merke, dass sportlich irgendwas leidet, haben wir ein Problem. Aber das ist bis jetzt nicht der Fall. An einen Vereinswechsel oder Ähnliches denke ich überhaupt nicht“, so Barthel, „nach der Sommersaison werden wir feststellen, ob es funktioniert hat.“

Und funktioniert hat auch bei der DM in Leipzig schon das ein oder andere. Neben dem guten Start machte auch der Staffellauf Mut – bis Barthel bei einem Überholmanöver stürzte. „Plötzlich war das freie Laufen da. Ich habe mich selbst erschrocken, wie schnell ich auf einmal war. Dass es dann zum Sturz kam, war vielleicht ein bisschen Übermut von mir“. Barthel berührte seinen Gegner, kam aus dem Tritt und der vielversprechende Lauf endete abrupt und mit Schürfwunden statt Medaillen.

Trotz allem war es gerade der Staffellauf, der Thomas Barthel positiv auf die kommenden Monate schauen lässt. Sein Fazit: „Wir wissen, was gefehlt hat und müssen jetzt im Training die Waage finden zwischen Start und fliegendem Bereich. Ich denke, dass die Reise dieses Jahr im Sommer unter 10,30 Sekunden gehen kann.“ Aktuell liegt der Bestwert des Altmärkers bei 10,32.

Ehe es ernst wird, würde Thomas Barthel übrigens gern bei den heimischen Winckelmann-Games starten. „Ich bin es meinem Verein in Stendal schuldig, mal nicht nur als Helfer mit Jogginghose und Harke dabei zu sein, sondern auch mal mit Trikot und Spikes.“ Ob sich der Wettkampf in Barthels engen Terminplan eintakten lässt, ist allerdings offen.

VON TOBIAS HAACK

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