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Saxonia Tangermünde verblüfft als Aufsteiger

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Von: Tobias Haack

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Schmidt ärgert sich über eine vergebene Chance.
Für Maurice Schmidt (re.) und Saxonia sah es nach dem Spiel gegen Stendal noch schlecht aus. © Haack

Erst der Fehlstart, dann ein famoser Lauf - inklusive einer beeindruckenden Heimstärke. Das war die Hinrunde des FSV Saxonia Tangermünde. Ein Rückblick.

Der FSV Saxonia Tangermünde erlebt in dieser Saison, seiner ersten Spielzeit in der Fußball-Verbandsliga seit rund 20 Jahren, ein echtes Märchen. Aufgestiegen sind die Kaiserstädter als souveräner Meister der Landesliga Nord und doch war der Respekt vor der neuen Spielklasse groß, zumal mit Rosario Schulze und Florian Stark zwei Schlüsselspieler dem Verein den Rücken zugekehrt hatten. Angegangen wurde das Abenteuer trotzdem. Es begann mit einem Fehlstart und entwickelte sich dann doch zu einem gelebten Traum. Tabellenplatz fünf, 30 Punkte, 41 geschossene Tore, Rang drei in der Heimtabelle: Es sind Werte, die dem FSV niemand zugetraut hätte – auch nicht die Verantwortlichen selbst.

„Der Verein und ich sind megastolz auf die Truppe! Was wir erreicht haben, ist megagut und das hätten wir uns auch nicht erträumt“, sagt Michael Fraaß, der Sportliche Leiter der Saxonia. Fraaß selbst hatte erst im Sommer seinen Co-Trainer-Posten beim TuS Wahrburg geräumt und war auf die Kommandobrücke an der Elbe gewechselt. Seine Mission: Einen konkurrenzfähigen Kader für die Verbandsliga auf die Beine stellen.

Der Verein und ich sind megastolz auf die Truppe! Was wir erreicht haben, ist megagut und das hätten wir uns auch nicht erträumt.

Michael Fraaß (Sportlicher Leiter, Saxonia Tangermünde)

Es kamen acht Neuzugänge. Sie gaben den Roten Adlern einen neuen Anstrich, der Ansatz aber blieb der gleiche. „Wir wollten auch in der neuen Liga das umsetzen, was wir vorher in der Landesliga gespielt haben: erfrischenden Offensivfußball. Ich denke, das haben wir gut umgesetzt. Mit 41 Toren haben wir die viertmeisten der Liga geschossen. Wir beleben diese Liga“, freut sich Fraaß über den guten Start seiner Mannschaft, der auch sein eigener ist.

Nach nunmehr 17 gespielten Partien lässt sich dieses euphorische Zwischenfazit ziehen. Zum Start jedoch sah es noch ganz anders aus. Die Vorbereitung lief durchwachsen, der Pflichtspielauftakt ging gegen Lok Stendal (0:5) und den FSV Barleben (0:4) komplett daneben. Die Saxonen um Trainer Steffen Lenz blieben ruhig, analysierten die Situation und zogen die richtigen Schlüsse. Diverse taktische Experimente, wie etwa die Fünferkette, wurden beendet, es wurde einfacher gespielt.

Ein klassisches 4-2-3-1-System, Torjäger Alexander Klitzing kam künftig aus einer etwas tieferen Position, hatte mehr Ballkontakte und wurde zum heimlichen Spielmacher. Vorne wurde komplett auf die Geschwindigkeit von Pascal Lemke und Maurice Schmidt gesetzt und plötzlich ging alles. 5:0 in Farnstädt, 4:2 gegen Haldensleben, 5:1 gegen Dessau, 6:0 in Emseloh – die Gegner wurden reihenweise überrumpelt.

So eilten die Tangermünder bis zur Winterpause von Erfolg zu Erfolg, holten ihre Punkte, entfernten sich souverän vom Tabellenende. Mit dem Abstiegskampf haben sie nichts mehr zu tun. Nur einmal wurde es noch richtig schmerzhaft: beim 0:7 gegen die U23 des 1. FC Magdeburg. Freilich ließe sich trefflich darüber streiten, mit welcher Berechtigung die Reserve des FCM überhaupt in der Verbandsliga aktiv sein darf, ein 0:7, so Lenz damals, dürfe seinem Team aber trotzdem nicht passieren. Das Spiel fällt unter die Kategorie Lehrgeld, denn was bei all den Erfolgen nicht vergessen werden darf: Saxonia Tangermünde ist immer noch nur ein Aufsteiger.

Unsere große Tugend ist, dass wir eine Einheit sind. Das, was wir haben, wünschen sich andere Vereine. Das ist auch das größte Gut.

Michael Fraaß

Die Mannschaft selbst ist trotz ihrer tollen Siege stets bei sich geblieben, hat nie zu träumen begonnen. „Unsere große Tugend ist, dass wir eine Einheit sind. Das, was wir haben, wünschen sich andere Vereine. Das ist auch das größte Gut, was wir hier haben“, lobt Michael Fraaß den außergewöhnlichen Zusammenhalt des Teams, der sich auch durch die zahlreichen zu integrierenden Neuzugänge nicht geändert hat.

In der Rückrunde soll es an der Elbe nun einfach so weitergehen. Es wird schwierig, denn der eine oder andere Gegner wird sich besser auf die Lenz-Elf einstellen. „Wir wollen weiterhin das Bestmögliche herausholen“, versichert der Sportliche Leiter, „wir wollen uns weiterhin etablieren und über die nächsten Jahre in dieser Liga festigen.“ Mit dieser Hinserie im Rücken dürfte bei der Saxonia sicherlich weiter viel möglich sein. Der Neuling ist komplett angekommen.

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