FUSSBALL – TEIL 2 Die Stadien der letzten DDR-Oberligisten

Von Sanierung bis Neubau

Aktuelle Spielstätte des 1. FC Magdeburg: Die MDCC-Arena ersetzt das Ernst-Grube-Stadion und wurde 2006 fertiggestellt.
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Aktuelle Spielstätte des 1. FC Magdeburg: Die MDCC-Arena ersetzt das Ernst-Grube-Stadion und wurde 2006 fertiggestellt.

Leipzig – An einigen Orten sieht es aus wie vor 30 Jahren, an anderen ist es lauter, bunter und moderner als je zuvor. Wie die Clubs haben sich auch die Stadien der letzten Oberligisten unterschiedlich entwickelt.

Laufbahn, nur eine überdachte Tribüne und Flutlichtmasten wie wahre Ungetüme: Die Stadien der letzten DDR-Oberligisten hatten zwar ihren Charme, waren von den hochmodernen Arenen der heutigen Zeit aber weit entfernt. Mancherorts sind die Entwicklungen der Stadien in den 30 Jahren nach der Wende beachtlich, woanders scheint die Zeit stehen geblieben zu sein. Hier kommt Teil 2 der Stadion-Analyse.

STADION AM QUENZ (BSV Stahl Brandenburg): Die Namensgebung war so eine Sache. Zunächst war das Rund eigentlich namenlos, wurde von den Einwohnern nach der Adresse aber als Stadion der Aktivisten bezeichnet. Später setzte sich dann der Name Stahlstadion durch. Dort war 1986 der IFK Göteborg im UEFA-Cup zu Gast – und sorgte mit 18000 Zuschauern für einen Rekord. Seit 1993 heißt die Anlage Stadion am Quenz und wurde mehrfach baulich verändert. 1996 wurde ein neues Flutlicht in Betrieb genommen, aus der Aschebahn wurde ein Tartangeläuf. Die gut 20 Jahre alte Anzeigetafel war 2008 in so schlechtem Zustand, dass sie durch eine manuelle Tafel ersetzt werden musste. Vor drei Jahren fiel das Markenzeichen. Die Flutlichtmasten wurden abgebaut und verschrottet, da die Standsicherheit nicht mehr gegeben war und hohe Sanierungskosten anstanden. Heute verfügt das Stadion über 15500 Plätze.

SPORTANLAGE WALDSTRASSE (Eisenhüttenstädter FC Stahl): Offiziell trägt das Stadion der Hüttenwerker heute den Namen Sportanlage Waldstraße – und so beschaulich sieht es dort auch aus. Aus den einst 10000 Plätzen sind noch 2600 vorhanden, davon 250 auf der alten Tribüne. Das ist nach Angaben der Stadt der Stand seit 2007. In der Anlage stehen den Nutzern um den heutigen Sechstligisten FC Eisenhüttenstadt vier Rasen- und ein Hartplatz zur Verfügung.

MDCC-ARENA (1. FC Magdeburg): Neben Dresden und Rostock findet man in der Magdeburger MDCC-Arena das wohl lauteste Publikum des Ostens. Bis 2005 war es allerdings eine echte Herausforderung, den Geräuschpegel ausschlagen zu lassen. Denn da spielte der FCM im weitläufigen Ernst-Grube-Stadion, was 2005 abgerissen und durch die heutige Arena für 31 Millionen Euro ersetzt worden war. Die Kapazität liegt bei etwa 30000 Plätzen und die Arena hieß zwischen 2006 und 2009 bis zur Umbenennung nach einem Sponsor nur Stadion Magdeburg. In die Schlagzeilen war das Stadion zudem vor etwa fünf Jahren geraten, als in den Tribünen Risse entdeckt worden waren, hervorgerufen durch das Hüpfen der Fans. Mittlerweile sind die Schäden behoben und die Tribünen verstärkt worden.

FRIEDRICH-LUDWIG-JAHN-SPORTPARK (FC Berlin): Das Ende der früheren Heimat des BFC Dynamo ist nur noch eine Frage der Zeit. Wegen Bau- und Sicherheitsmängeln an Tribünen und Flutlichtanlagen soll das 1951 errichtete (und danach mehrfach modernisierte) Stadion abgerissen werden. Von 2021 an soll ein neues Stadion an selber Stelle für 22000 Zuschauer entstehen. Kostenpunkt: 120 Millionen Euro. Seit 2014 spielt der BFC Dynamo wieder in seinem Stadion, auch Regionalliga-Konkurrent VSG Altglienicke ist hier seit drei Jahren beheimatet. Auch von anderen Clubs wurde der Jahn-Sportpark immer mal wieder phasenweise als Heim-Stadion genutzt. Im Mai 2015 fand hier das Finale der Champions League im Frauenfußball zwischen dem 1. FFC Frankfurt und Paris Saint-Germain statt.

ALFRED-KUNZE-SPORTPARK (FC Sachsen Leipzig): Das genaue Datum weiß leider niemand. Doch irgendwann im Sommer 1920 wurde der heutige Alfred-Kunze-Sportpark am Leutzscher Holz eröffnet. Und so feiert man bei der BSG Chemie Leipzig eben den ganzen Sommer über den 100. Geburtstag. Prunkstück ist die alte Holztribüne, die einst an der Ruderstrecke ab- und in Leutzsch wieder aufgebaut worden war. Was übrigens nur möglich war, weil Walter Rose – Großvater des heutigen Gladbach-Trainers Marco Rose – fehlende Balken durch Kontakte zum Sägewerk besorgte. Bis 1992 trug das Stadion den Namen Georg-Schwarz-Sportpark und wurde dann nach dem Meistertrainer Kunze benannt. Aus Sicherheitsgründen dürfen derzeit nur 4999 Zuschauer ins Stadion. Zudem muss ein Flutlicht errichtet werden, um den Anforderungen der Regionalliga nachzukommen. Bis 2024 sollen Sozialgebäude und Toiletten erneuert werden.

STADION DER FREUNDSCHAFT (Energie Cottbus): Als „atmosphärisches Schmuckstück mit englischem Flair“ bezeichnet Energie Cottbus heute sein Stadion. Zur Entwicklung des Stadions trug selbstredend der sportliche Erfolg von Energie mit über 15 Jahren in einer der beiden Bundesligen bei. Bei maximaler Auslastung passen 22528 Fans in das Stadion, alle Tribünen haben ihr Gesicht in den vergangenen 30 Jahren verändert. Im Juli 2011 kaufte der Club das Stadion für gut zwei Millionen Euro von der Stadt.

STADION DER FREUNDSCHAFT (FC Victoria Frankfurt/Oder): Das knallrote Funktionsgebäude samt Haupttribüne ist heute der Stolz des Stadions der Freundschaft. Im September 2014 wurde die für 2,6 Millionen Euro zu einem Sport- und Freizeitpark sanierte Anlage mit einem Spiel zwischen dem 1. FC Frankfurt und Stahl Eisenhüttenstadt vor 1000 Fans eröffnet. Insgesamt hat das Stadion ein Fassungsvermögen von 12000 Zuschauern.  dpa

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