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Salzwedeler Thomas Ulbricht holt zwei WM-Medaillen

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Von: Renee Sensenschmidt

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zwei Radsportler mit Medaillen
Robert Förstermann (l.) und Thomas Ulbricht gewannen bei der Para-Weltmeisterschaft in Paris über die paralympischen 1000-Meter die Bronzemedaille. © IMAGO/BEAUTIFUL SPORTS/Oliver Kremer

Altmark – Zweimal hat Thomas Ulbricht bereits auf dem Podest bei den Paralympics gestanden. Der gebürtige Salzwedeler holte 2008 in Peking Silber im Fünfkampf und sprinte 2016 in Rio de Janeiro zu Bronze über 100-Meter. Jetzt hat der Altmärker ein neues Ziel vor Augen, eine Medaille bei den Paralympics in Paris 2024. Jedoch nicht mehr in der Leichtathletik, sondern im Radsport.

Nachdem Thomas Ulbricht vor einem Jahr aus Verletzungsgründen im Speerwerfen die Teilnahme an den Paralympics in Tokio verpasst hatte, schien die sportliche Laufbahn des inzwischen 37-Jährigen beendet. An der Seite des ehemaligen Olympia-Medaillengewinnes Robert Förstermann, den er im Kraftraum des Olympiastützpunktes in Berlin-Hohenschönhausen kennengelernt hatte und der auf der Suche nach einem neuen Partner war, hat der stark sehbehinderte Altmärker im Bahnradsport nun einen vielversprechenden Start hingelegt. Bei der Para-Weltmeisterschaft in Paris, wo auch die Medaillenentscheidungen bei den Paralympics in zwei Jahren fallen werden, gewann das neu formierte Tandem mit Thomas Ulbricht und Robert Förstemann als Pilot gleich zwei Medaillen.

Nach einem Wettkampf in Cottbus hatte das Duo mit zwei Medaillen geliebäugelt, doch bei der unmittelbaren Vorbereitung in Frankfurt lief es nicht so gut. „Da haben wir etwas an uns gezweifelt, ich musste das Training abbrechen“, berichtet der Jeetzestädter, dessen Lebensmittelpunkt seit vielen Jahren in Berlin und beim dortigen PSC liegt. Zudem hielt das neue (leichtere) Tandem dem Antritt von Förstermann/Ulbricht nicht stand. Immer wieder brach der Antrieb. Obwohl Joachim Heuer von der Firma Heuer-Radsport aus Aichwald mit seinen Ingenieuren alles versucht hat, ließ sich das Problem nicht beheben. Und als der Antrieb auch beim letzten Test in Paris brach, stieg das deutsche Duo wieder auf ihr bisheriges Rad um, bei dem dann in der Qualifikation zu den 1000-Metern die Hinterachse brach. Die deutschen Mechaniker um Udo Knepper hatten nur 40 Minuten Zeit, um den Schaden zu reparieren. Sie schafften es und so rasten Förstermann/Ulbricht in einer neuen persönlichen Bestzeit von 1:01,495 Sekunden als Vierte in das Finale der besten sechs Teams. Dort steigerten sich beide auf 1:01,474 Sekunden und gewannen hinter zwei starken britischen Tandems und vor den französischen Lokalmatadoren die Bronzemedaille. „Das Ergebnis ist ein bisschen Revanche für Tokio 2021“, freute sich Robert Förstemann, der bei den Paralympics vor einem Jahr mit seinem damaligen Partner Kai Kruse das Podium um nur acht Hundertstel hinter den Franzosen verpasste.

Am Abschlusstag lieferten sich im nicht-paralympischen Sprint Ulbricht und Förstermann packende Zweikämpfe mit der Weltspitze, schafften es sogar bis ins Finale und mussten sich erst dort den Briten geschlagen geben. Nach der drittbesten Zeit in der Qualifikation (9,9 Sekunden über 200 Meter), wurde ein Duo aus Japan im Viertelfinale sicher in zwei Läufen bezwungen. Anschließend konnte auch das zweite Tandem der Briten mit 2:0 besiegt werden. Dabei gelang den beiden Deutschen mit 10,279 Sekunden die schnellste Zeit in dieser Konkurrenz. „Da sieht man das Potenzial. Im Halbfinale haben wir alles rausgehauen und es tatsächlich ins Finale geschafft. Dort hat es dann knapp nicht gereicht, aber wir haben die Briten ordentlich geärgert. Wir sind sehr stolz und haben unser derzeitiges Maximum herausgeholt. Jetzt haben wir erst recht Lust auf mehr und mit Blick in die Zukunft definitiv noch Luft nach oben. Schlüssel zum Erfolg war das tolle Team, alle haben Hand in Hand gearbeitet“, jubelte der 36-jährige Robert Förstemann vom PSV Rostock.

Auch Partner Thomas Ulbricht war glücklich, verbleibt der Salzwedeler damit weiter im nationalen Fördersystem und darf weiter hart für seine Teilnahme in Paris 2024 trainieren. Mit der Unterstützung seines Arbeitgebers, der Bundesanstalt für Digitalfunk, die ihn für das Training freistellt. Das nächste Aufein-andertreffen der Weltelite in Glasgow 2023, bei der Förstermann/Ulbricht ihre Ergebnisse bestätigen wollen und müssen, ist dabei wegentscheidend.

Seit einem Jahr ist der Altmärker nun im Bahnradsport aktiv. Muskulär hat er bereits deutlich zugelegt, sein größeres Kraftpotenzial bringt Thomas Ulbricht aber noch nicht perfekt auf die Bahn. „Beim Anfahren fehlt mir noch das richtige Gefühl, um die Kraft im richtigen Moment auf die Pedale zu bringen. Der Start ist bei den 1000 Metern extrem wichtig, man muss schnell aus der Startmaschine kommen. Drei bis fünf Zehntelsekunden lassen wir in der ersten Runde noch liegen“, erklärt der Altmärker. Um den Abstand zu den führenden Briten verkürzen und den Kilometer unter einer Minute bewältigen zu können, ist es auch ein konkurrenzfähiges Tandem-Rad notwendig. Und so sind die WM-Dritten bereits auf der Suche nach Sponsoren, um ihren kostspieligen Leistungssport mit noch größerem Erfolg ausüben zu können.

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