Torgaranten in der Altmark

Stefan Huth und die perfekte Verbindung

Stefan Huth nimmt einen hohen Ball an.
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Seit seinem Wechsel im Sommer 2017 hat Stefan Huth 64 Treffer für Rossau erzielt.
  • Tobias Haack
    vonTobias Haack
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Stefan Huth nahm seine Anfänge in der Fußball-Landesklasse einst in Goldbeck. Richtig gezündet hat er allerdings beim Rossauer SV, wo er mit Trainer Christian Schulze auf seinen perfekten Förderer traf.

  • Erste Erfahrungen an der Seite seines Bruders
  • Bewusste Entscheidung für den Rossauer SV
  • Leistungsexplosion in neuer Rolle

Rossau – Der Fußball in Deutschland lebt seit jeher von Zweikämpfen, Robustheit, Physis und Mentalität. Viele Trainer sehen darin bis heute den Schlüssel zum Erfolg. Den entscheidenden Unterschied machen aber nicht selten die kleinen, quirligen Spieler. Spieler, wie Stefan Huth vom Landesklassisten Rossauer SV. Der 25-Jährige ist einer der Schlüsselspieler des kleinen Dorfklubs und hat mit seinen Treffern in den vergangenen Jahren maßgeblich zum Aufstieg des RSV beigetragen. Stefan Huth ist einer der „Torgaranten in der Altmark“. Mit seinem Wechsel zum Rossauer SV im Sommer 2017 haben Spieler und Verein etwas geschaffen, das sich als klassische Win-win-Situation beschreiben lässt, denn beide Seiten profitieren von ihrer Zusammenarbeit außerordentlich.

Stefan Huth erlernte das ABC des Fußballs zunächst in der Jugend des SV Blau-Gelb Goldbeck, ehe er im D-Jugend-Alter den Ausflug zum 1. FC Lok Stendal wagte. Dort dribbelte der Nordaltmärker unter anderem an der Seite des heutigen Zweitliga-Profis Paul Seguin, nahm einiges mit, kehrte aber recht zeitnah nach Goldbeck zurück. Seine ersten Schritte im Herrenbereich unternahm Huth bei der Eintracht aus Walsleben, wo er bereits mit 17 debütierte. Sein Talent blieb nicht unentdeckt. Es war schließlich Andreas Kahlow, der Huth zurück nach Goldbeck in die Landesklasse lotste. In seinen ersten vier Spielzeiten auf Landesniveau glückten dem Wolfsburg-Fan immerhin schon 20 Treffer. Mal agierte Stefan Huth in vorderster Linie an der Seite seines Bruders Patrick, mal im Mittelfeld, manchmal sogar als Linksverteidiger. Stefan Huth suchte seinen Platz, während seinem Bruder als damaligem Toptorjäger die große Bühne gehörte. „Es hat Spaß gemacht, mit ihm zusammen zu spielen. Ich sehe uns beide als gute Fußballer, aber er hat mir voraus, dass er links wie rechts gut abschließen kann“, blickt Stefan Huth auf die gemeinsame Zeit mit seinem Bruder in Goldbeck zurück.

Sein Talent und seine Vielseitigkeit waren schon in Goldbeck zu sehen. Auch als Linksverteidiger hat er dort immer wieder Akzente gesetzt.

Christian Schulze (Trainer des Rossauer SV)

Der Abstieg des Traditionsklubs aus der Landesklasse im Frühjahr 2017 ließ sich dennoch nicht abwenden. Stefan Huth suchte eine neue Herausforderung und entschied sich frühzeitig zu einem Wechsel zum Rossauer SV. „Der Schritt stand für mich schon vor dem Abstieg mit Goldbeck fest“, verrät Huth heute. „Ich habe die gute Jugendarbeit in Rossau immer verfolgt. Christian Schulze ist ein guter Trainer, der mich dann auch überzeugt hat und unter dem ich unbedingt spielen wollte.“ Der Wechsel wurde vollzogen und besagter Christian Schulze wusste, dass ihm damit ein Coup gelungen war: „Sein Talent und seine Vielseitigkeit waren schon in Goldbeck zu sehen. Auch als Linksverteidiger hat er dort immer wieder offensiv gute Akzente gesetzt.“

Die Zeiten in der hintersten Kette waren für Stefan Huth in Rossau allerdings vorüber. Schulze baute den Linksfuß offensiv ein und hatte damit durchschlagenden Erfolg. In seiner ersten Kreisoberliga-Saison markierte Huth 35 Treffer in 28 Spielen. In der anschließenden Aufstiegssaison waren es 18 Tore in 19 Partien. Mit Huth hatte sich der RSV einen Unterschiedspieler an Land gezogen und konnte beruhigt in das Abenteuer Landesklasse starten. „Stefan bringt eine sehr gute Geschwindigkeit mit. Außerdem hat er einen wahnsinnigen Zug zum Tor, sucht immer den direkten Weg. Trotzdem stellt er sich aber in den Dienst der Mannschaft“, kennt Schulze die Vorzüge seines Torjägers genau. Vor allem weiß Christian Schulze aber, wie er Talente wie Stefan Huth anpacken muss. Der ehemalige Goldbecker ist davon überzeugt, dass Schulze für ihn genau der richtige Trainer zur richtigen Zeit war: „Er bringt mich vor allem taktisch weiter. Im Training erklärt er unglaublich viel. Wir wissen alle, was wir spielen wollen und seine Ansprachen in der Kabine sind richtig motivierend.“

Er bringt mich vor allem taktisch weiter. Im Training erklärt er unglaublich viel. Wir wissen alle, was wir spielen wollen und seine Ansprachen in der Kabine sind richtig motivierend.

Stefan Huth über Trainer Christian Schulze

In der Landesklasse hat sich der Rossauer SV zwei Jahre nach seinem Aufstieg trotz aller Corona-Unwägbarkeiten längst etabliert. Dank Christian Schulze, dank Stefan Huth und dank zahlreicher junger Spieler, die hoch motiviert an einem Strang ziehen. Für sie will Stefan Huth in Zukunft noch mehr Vorbild sein. „Ich möchte eine Führungsrolle ausfüllen“, sagt Huth im Gespräch mit der AZ, „dafür muss ich aber noch mehr sprechen auf dem Platz, auch im Training.“ RSV-Coach Schulze sieht das ähnlich und wollte seine Nummer sieben von Beginn an als Säule des Rossauer Spiels aufbauen: „Er kam aus Goldbeck als junger Spieler nach Rossau und konnte sich hier nicht mehr hinter anderen Spielern verstecken. Er musste mehr Verantwortung übernehmen und das hat er getan. Er ist bei uns zum Führungsspieler geworden.“

Wir wollen noch lange in der Landesklasse bleiben. Das hat oberste Priorität. Man muss immer die Entwicklung sehen und wir gehen unseren Weg Schritt für Schritt.

Stefan Huth

Seine Ansprüche im Teamgefüge untermauert Stefan Huth seit vier Jahren mit Leistung. Er erzielt die Tore ebenso, wie er sie vorbereitet. Schulze hat dafür die perfekte Rolle für Huth gefunden. „Er kann im Sturmzentrum spielen, kommt bei uns aber auch häufig über das Mittelfeld und von außen. Er macht unser Spiel schwer ausrechenbar“, freut sich der Trainer, der seinem Torjäger in puncto Beidfüßigkeit und Zweikampfverhalten aber noch Luft nach oben bescheinigt.

Stefan Huth nimmt diese Kritik sehr gerne an, möchte er doch mit dem RSV noch den einen oder anderen Erfolg feiern. „Wir wollen noch lange in der Landesklasse bleiben. Das hat oberste Priorität. Man muss immer die Entwicklung sehen und wir gehen unseren Weg Schritt für Schritt“, sagt der Rossauer Torgarant.

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