Fußball: Lok Stendals Ersatz-Torwart schreibt in Haldensleben seine persönliche Heldengeschichte

Röhl lässt DFB-Pokal-Traum leben

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Große Gesten sind nicht die Art von Dennis Röhl. Obwohl er im Pokal-Viertelfinale gegen Haldensleben zum Elfmeter-Helden wurde, fiel sein Jubel bescheiden aus. 

Stendal. Im Fußball ist die Liga das Tagesgeschäft. Sie hat bei allen Vereinen die oberste Priorität. Die besten Heldengeschichten schreibt jedoch der Pokal mit seinem Alles-oder-nichts-Modus.

Hin und wieder rücken auch plötzlich Spieler aus der zweiten Reihe in den Vordergrund und schaffen es, ihr ganz eigenes Märchen zu schreiben. So wie beispielsweise Lok Stendals Ersatz-Torwart Dennis Röhl, der vor der Saison vom Landesklassisten Eintracht Salzwedel ans „Hölzchen“ gewechselt war, Aufstiegskeeper Bryan Giebichenstein aber erwartungsgemäß nicht verdrängen konnte. Der 28-Jährige rotierte bislang lediglich im Landespokal ins Stendaler Gehäuse, hatte dort aber am Wochenende im Viertelfinale gegen Haldensleben seinen großen Auftritt.

Nach 120 Minuten, in denen Oberligist Lok zwar überlegen agierte, aber nicht über ein 1:1-Remis hinaus kam, musste die Entscheidung im Elfmeterschießen fallen. Dort schien zunächst der Haldensleber SC im Vorteil zu sein. Die Gastgeber durften vorlegen und hatten mit Torhüter Florian Switala den bist dato besten Mann des Spiels auf ihrer Seite. Röhl hingegen sah beim Stendaler Gegentor nicht optimal aus und machte mit seiner eher kleinen Körpergröße auch nicht den furchterregendsten Eindruck auf die HSC-Schützen.

Diese trafen dann auch gleich dreimal in Folge, ohne dass Röhl eine Chance hatte, einen Ball zu parieren. Der 1. FC Lok traf ebenso sicher. HSC-Schütze Nummer vier, Willy Duda, zeigte dann jedoch Nerven. Stendals Pokal-Keeper ahnte die richtige Ecke und hielt. „Eine reine Glückssache“, wie er im Nachgang bescheiden zu Protokoll gab. Weniger Glück war anschließend im Spiel, als sich Röhl selbst den Ball schnappte und Gegenüber Switala alt aussehen ließ. Es war die Vorentscheidung auf Lok Stendals Weg ins Halbfinale. „Ich habe schon in Salzwedel oft die Elfmeter geschossen und früher als Stürmer sowieso. Von daher war die Situation für mich jetzt nicht so extrem“, erklärte Röhl seine Abgeklärtheit vom Punkt. Es war der Höhepunkt seiner bislang gut fünfmonatigen Zeit in Stendal. „Für mich als Neuzugang war es im Viertelfinale des Landespokals natürlich eine besondere Situation. Den Moment genieße ich“, gab der Salzwedeler nach der Partie einen kurzen Einblick in seine Gefühlswelt.

Dank seiner Nervenstärke hat Röhl seine Saison um mindestens ein Spiel verlängert. Auch im Halbfinale, im März kommenden Jahres, dürfte der Neuzugang Kontrahent Giebichenstein wieder auf die Bank verdrängen. Spätestens mit dem Einzug in die Vorschlussrunde beginnt am „Hölzchen“ nun das Träumen vom ganz großen Wurf. Pokalfinale, Pokalsieg, DFB-Pokal-Einzug – alles scheint plötzlich möglich. Doch der Weg dorthin ist noch lang und steinig. Die verbliebenen Gegner im Wettbewerb sind allesamt weit davon entfernt, Wunschgegner zu sein. „Nach Zorbau will ich auf keinen Fall. Halle-Ammendorf ist auch schwierig. Und gegen Magdeburg oder den Halleschen FC sind die Chancen natürlich gering. Am besten wäre ein Freilos“, merkte Lok-Trainer Sven Körner auf die Frage nach einem Traumlos süffisant an.

Der Halbfinalist Stendal will jetzt nicht mehr nur dabei sein und mal gegen einen „Großen“ spielen. Er möchte mindestens ins Finale kommen. „Die Chance ist in diesem Jahr so groß wie lange nicht mehr“, weiß auch Neuling Röhl. Spätestens im Endspiel würde dann der große Traum DFB-Pokal nicht mehr unrealistisch sein. Die Voraussetzungen: Lok müsste entweder den Landespokal gewinnen oder im Finale auf den FCM oder HFC treffen und hoffen, dass sich der Drittligist dann bereits über die Liga für den DFB-Pokal qualifiziert hätte. Der Finalgegner – sollte er Lok überhaupt schlagen – müsste also in der 3. Liga unter die ersten Vier kommen, was aktuell nur für den 1. FC Magdeburg realistisch scheint. Der DFB-Pokal ist in greifbarer Nähe, vielleicht sogar nur noch einen Sieg entfernt und doch ist er irgendwie noch weit weg, hängt an zu vielen Eventualitäten. Fakt ist, der 1. FC Lok hat die Möglichkeit, Historisches zu schaffen. Der letzte Pokalsieg liegt 21 Jahre zurück, die letzte Finalteilnahme 14 Jahre (2003: 0:2 gegen den 1. FC Magdeburg).

Ausgelost wird das Halbfinale erst auf dem Neujahrsempfang des Fußball-Landesverbands im kommenden Jahr. Das offene Viertelfinale zwischen Magdeburg und Halle ist noch nicht einmal terminiert. Die Stendaler sind daher gut beraten, das Thema Pokal trotz aller Euphorie erst einmal zu vertagen. „Wir müssen jetzt in der Liga wieder in die Spur finden“, sagt Röhl, der sich fortan wieder hinter Bryan Giebichenstein einordnen muss.

Von Tobias Haack

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