FUSSBALL – 3. LIGA: Positionsverschiebungen bringen den Erfolg

Der FCM und die Rochaden

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Leon Bell Bell macht sich gut in der Abwehr.

Magdeburg – Die Zahl der Chancen stieg von Spiel zu Spiel, die Leistung stimmt seit Wochen. Doch die Ergebnisse nicht. Durch den 1:0-Erfolg über den Halleschen FC könnte beim 1. FC Magdeburg der Knoten geplatzt sein.

Garanten für den vierten Saisonsieg waren eine aufopferungsvoll kämpfende Mannschaft. Aber auch ein eiskalter Vollstrecker, ein Neuling im Sturm und ein junger Offensivspieler als Linksverteidiger.

Tarek Chahed spielte erstmals in der Spitze und brachte die HFC-Abwehr des Öfteren ins Schwitzen.

„Die Position war neu für mich. Aber der Trainer hat mir das Vertrauen geschenkt.“ Tarek Chahed konnte nach dem Derbysieg zu Recht stolz sein. Er machte genau das, was der Trainer von ihm in der Doppelspitze an der Seite von Kapitän Christian Beck sehen wollte: Die gegnerische Abwehr beschäftigen und „um Beckus herumschwirren und Bälle einsammeln.“ Seine Laufstärke war es, die Stefan Krämer auf die Idee brachte, den gelernten Mittelfeldspieler als Angreifer aufzubieten. „Es war keine so schwere Aufgabe, aber ich habe Vollgas gegeben“, meinte Chahed. Das ist auch seine Maxime auf dem Trainingsplatz. Dass er sich kontinuierlich verbessere, liege am harten Training. „Sonst kann man auf dem Spielfeld auch nicht performen.“

Die Positionsrochade mit Chahed war nicht die Einzige. Den gelernten Stürmer Leon Bell Bell versetzte Krämer schon bei Viktoria Köln in die Abwehr. Als Linksverteidiger gab der schnelle Deutsch-Kameruner dort sein Debüt im FCM-Trikot. Eine Lösung, die aus der Not heraus geboren wurde, da Stamm-Linksverteidiger Timo Perthel seit Wochen durch muskuläre Probleme ausfällt. Gegen den HFC lief der 23-Jährige erneut in der Viererkette auf. Und machte seinen Job noch besser. Zumal er durch die Raute mehr Raum hatte, um sich in die Offensive einzuschalten. „Man merkt in den Aktionen, dass Leon gelernter Offensivspieler ist. Irgendwann haben wir die Idee entwickelt, dass es auch links hinten eine gute Position für ihn sein könnte, haben das wochenlang trainiert.“ In Köln hat der Trainer ihn dann ins kalte Wasser geworfen. Es habe dort schon gut funktioniert, reflektierte Krämer. Am Sonnabend noch etwas besser. „Weil er noch mehr Offensivaktionen hatte und trotzdem seine Seite zugemacht hat. Das tut unserem Spiel gut.“ Weil nun auch über beide Flügel Flanken in der Spitze ankommen.

Bell Bell leitete mit seinem schnellen Lauf und dem Pass auf Tarek Chahed das einzige Tor des Sachsen-Anhalt-Derbys ein. Und Chahed hatte den Blick für Sören Bertram.

Sören Bertram macht die wichtigen Tore.

Der Blondschopf hämmerte den Ball in die Maschen. „Tarek hat mir genau auf den richtigen Fuß gespielt. Er hat allgemein auch ein sehr gutes Spiel gemacht, auch in der ungewohnten Rolle“, lobte der Torschütze. Für ihn war es keine einfache Partie. Als einstiger HFC-Profi von den Gästefans ausgebuht, blendete Bertram diese Atmosphäre aus. „Ich kann das nicht so erklären. Besondere Spiele liegen mir immer sehr gut. Da kann ich komplett runterfahren.“ Sein Treffer kam zum richtigen Zeitpunkt, kurz vor dem Pausenpfiff. Und der Schütze kostete den Jubel-Moment aus. Erst mit seinen Teamkollegen, dann mit Krämer. „Er hat mir vorher gesagt, dass er mich braucht und dass ich es mit einem Tor zurückzahlen soll.“ Bertram bewahrte im wichtigen Moment den kühlen Kopf. Er hatte gesehen, dass der HFC-Rückraum blank war und zog ab.

Als sein Akku Mitte der zweiten Halbzeit leer war und er sich auswechseln ließ, musste er allerdings bange Minuten durchstehen. „Ich hab immer wieder auf die Uhr geguckt, die Zeit ist nicht wirklich runtergelaufen.“ Als der letzte Hallenser Schuss des Nachmittags weit über den FCM-Kasten flog, sei die Erlösung riesig gewesen.

Der Dreier gegen den Spitzenreiter könnte den berühmten Knoten zum Platzen gebracht haben. Die Sieges-Euphorie wollen Bertram & Co. durch die Trainingswoche nehmen. Und beim FC Bayern München II nachlegen. „Das war ein Zeichen, dass wir noch leben“, warnt der Torschütze aber vor einem Selbstverständnis. Weiterhin im Training Vollgas zu geben, müsse der Maßstab sein. „Dann werden wir noch viel Freude haben“, ist der Stürmer überzeugt.

VON SABINE LINDENAU

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