Fußball: Chris Heiser von Saxonia Tangermünde verarbeitet Vergangenheit in Worten

Rap-Album als Frust-Ventil

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Auf dem Platz (l.) und am Mikrofon ist Chris Heiser immer mit Leidenschaft und Herzblut dabei.

Tangermünde. Beats statt Ball, Rhymes statt Rennen: Chris Heiser, Defensivallrounder des FSV Saxonia Tangermünde II, hat die Schuhe beim Fußball-Kreisligisten derzeit an den Nagel gehangen.

Der Grund: Eine schwierige Phase in seinem Leben, die er in einem Rap-Album verarbeitet hat. Die erste Videoauskopplung „Memories“ aus dem gleichnamigen Album hat schon für viel positives Feedback gesorgt.

Eine schmerzhafte Trennung und das darauffolgende Vakuum im Leben des 25-Jährigen ließen ihn zu Stift und Textblock greifen. „Wie aus einem Vulkan“ sprudelten die Lieder aus ihm heraus. 15 Stück sind es am Ende geworden. Ab heute steht Heiser im Studio und nimmt die Tracks nach und nach auf. Ein genaues Erscheinungsdatum gibt es noch nicht. „Erst wenn alles sitzt, bin ich zufrieden“, so Heiser, der sehr viel Herzblut und Leidenschaft in sein zweites Album gesteckt hat. „Es ist qualitativ das Beste, was ich bisher rausgebracht habe.“

Das bestätigt auch die große Resonanz, die die Videoauskopplung „Memories“ auf der Plattform Youtube erfährt. Vor zwei Wochen erschien der Song im Netz; schon jetzt haben es über 1200 Menschen angesehen. In dem Song verarbeitet Chriz, wie sein Künstlername lautet, das schmerzhafte Ende einer „sehr intensiven Beziehung“. Wie es im Rap-Genre üblich ist, fallen auch etwas härtere Worte. Heiser betont aber: „Ich wünsche ihr nichts Schlechtes, dafür war mir die Zeit zu heilig und wertvoll.“ Doch er wollte kein Blatt vor den Mund nehmen und auch andere Situationen der Vergangenheit werden von ihm in seinen Liedern aufgearbeitet. Daher sei der Albumname auch sehr passend. Heiser ist sich sicher: „Das wird für viel Gesprächsstoff sorgen.“

2009 fing der Abwehrspieler, der im Oktober zuletzt für die Saxonen auflief, an zu rappen. Auslöser war ein Schulkamerad, der sich auf dem Pausenhof mit dem Sprechgesang einen Namen machte. Anfangs noch unerfahren, wagte Heiser die ersten Schritte und fiel damit erstmal gehörig auf die Nase. Er habe gleich damit angefangen, „andere zu dissen“. Zur Erklärung: Ein Diss ist ein Schmählied über einen anderen Künstler. Das kam in der Szene gar nicht gut an und eigentlich wollte er die Musik danach wieder aufgeben. Bis er 2010 Chris Bünger alias Balasta kennenlernte.

Bünger ist zusammen mit Nick Menzel (Akila) Gründer des Labels Unsigniert Records, bei dem Heiser seine Songs veröffentlicht. Gemeinsam feilten sie an Heisers Technik, werteten die Texte auf und schafften einen deutlichen Qualtitätssprung. „Auf dem Level von heute wäre ich nie ohne ihn angekommen“, dankt Heiser, der falls es irgendwann ein kommerzielles Angebot eines anderen Labels geben sollte, „niemals ohne ihn irgendwo hingeht“.

Ob er demnächst wieder auf dem Fußballplatz stehen wird, kann Heiser nicht beantworten. Erstmal liegt sein Fokus voll und ganz auf dem Album. Aber: „Die Jungs fehlen mir natürlich sehr. Es war eine wirklich schöne Zeit bei Tangermünde.“

Von Michael Theuerkauf

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