Fußball: KFV Altmark-Ost geht schweren Vorwürfen gegen Germania Klietz II auf den Grund

Pokalsieg auf dem Prüfstand

Klietz-Routinier Peter Mencel (links) ließ sich am Sonnabend für seine beiden Treffer im Pokalfinale feiern, obwohl er eigentlich hätte gesperrt sein müssen. Foto: Haack

Klietz. Der vergangene Sonnabend war ein Feiertag für den SV Germania Klietz.

Die zweite Mannschaft des Vereins, die in der Kreisklasse Süd zu den Kellerkindern gehört und im Punktspielbetrieb kaum Akzente setzen konnte, gewann den Fußball-Kreispokal im Finale gegen den Schönberger SV (3:2). Die Freude, den wesentlich stärker einzuschätzenden Konkurrenten im Endspiel niedergerungen zu haben, war groß und könnte sich dieser Tage als verfrüht herausstellen. Den Klietzern wird in gleich zwei Fällen nicht unerheblicher Betrug vorgeworfen, weshalb der Kreisfachverband Fußball Altmark-Ost bereits am Sonntag tätig geworden ist. Aktuell prüft der KFV die Vorwürfe gegen den Verein und schließt sportrechtliche Konsequenzen nicht aus. Sogar eine Wiederholung des Kreispokal-Endspiels scheint möglich.

Zum einen hat Germania Klietz II mit Peter Mencel (doppelter Final-Torschütze) einen Spieler eingesetzt, der noch eine Woche zuvor im Punktspiel bei Staffelde II eine Rote Karte gesehen haben soll und folglich für das Finale gesperrt gewesen wäre. Die Crux: Schiedsrichter Simon Lutschke hatte im Spielformular nur eine Gelbe Karte vermerkt, weshalb Mencel formell im Finale spielberechtigt war. „Es kann nicht sein, dass hier ein Spieler zwei Tore schießt, der letzte Woche rot gesehen hat“, echauffierte sich Schönbergs Vorsitzender Jan Reinecke auf der Pressekonferenz nach dem Endspiel, „ich hoffe, das hat Konsequenzen, egal in welcher Form!“

Der Klietzer Trainer David Rateitschak reagierte auf die gegen seinen Verein erhobenen Vorwürfe schmallippig: „Wir hätten den Spieler nicht eingesetzt, wenn wir nicht die Möglichkeit dazu gehabt hätten. Die Rote Karte wurde nicht so gewertet, wie sie im Spiel passiert ist. Der Schiedsrichter hat zu uns nach dem Spiel gesagt, dass es eine Fehlentscheidung war.“ Auf Grundlage dieser Version läge die Schuld also beim Unparteiischen, was der KFV als Verband so aber nicht akzeptieren möchte. „Er ist sicherlich nicht der Alleinschuldige. Die Vereine haben die Pflicht, die Spielformulare zu prüfen, bevor sie diese absegnen“, erklärt der Vorsitzende des Schiedsrichter-Ausschusses Michael Müller. Demnach wäre auch die Rolle von Grün-Weiß Staffelde II zu prüfen. All das hat der KFV bereits in die Wege geleitet, denn Stand jetzt ist er noch handlungsunfähig. „Wir sind von den vorliegenden Dokumenten abhängig. Für uns ist das Spielformular ausschlaggebend und darin steht nur eine Gelbe Karte für den Spieler. Auch ein Protest von Staffelde liegt nicht vor“, erläutert Pokal-Staffelleiter Tobias Petzke den Status Quo.

Doch diesen ist der Verband nun bestrebt zu ändern. „Wir haben das Schiedsrichtergespann und die Vereine um eine schriftliche Stellungnahme gebeten, die innerhalb von drei Werktagen bei uns eintreffen muss. Wenn es dort eine Rote Karte gegeben hat, werden wir dem sportrechtlich nachgehen“, sagte Müller gestern auf AZ-Nachfrage. Konkrete Folgen für die Wertung des Kreispokalfinals nannte er nicht. „Da halte ich mich bedeckt.“ Bis hin zu einer Spielwiederholung scheint jedoch alles möglich. Eine klassische Wertung am Grünen Tisch lehnt der Schönberger SV übrigens ab. „So möchten wir keinen Pokal gewinnen“, versicherte Reinecke am Sonnabend.

Als wäre dies alles noch nicht genug, steht auch noch ein zweiter Vorwurf gegen die Klietzer Germanen im Raum. Demnach hätte der Verein das Spiel seiner ersten Mannschaft (Kreisoberliga) am 2. Juni gegen den Rossauer SV bewusst abgesagt, um die übliche Zehn-Tage-Sperre seiner im Kreispokal-Finale eingesetzten Leistungsträger zu umgehen. Mit Florian Hochheim hat sich auch hier einer der besagten Akteure im Endspiel als Torschütze hervorgetan. „Das Urteil bezüglich der Spielabsage wurde bereits getroffen (Anm. d. Red.: 0:3-Wertung und eine Geldstrafe). Wir prüfen jetzt aber, ob der Umstand, dass die Zweite von Klietz gespielt hat und die Erste nicht in dem Urteil ausreichend gewürdigt wurde. Je nach dem wie das ausgeht, können wir noch in Berufung gehen“, erklärt der KFV-Spielausschussvorsitzende Christoph Blasig, „was wir auf jeden Fall nicht tun werden, ist nichts zu tun.“

Nach dem Eintreffen der jeweiligen Stellungnahmen der Vereine und Schiedsrichter, entscheidet der KFV über sein weiteres Vorgehen. „Dann haben wir eine Arbeitsgrundlage“, so Blasig. Bis dahin muss Klietz II um seinen Pokalerfolg zittern.

Von Tobias Haack

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