Leichtathletik – Deutsche Meisterschaft: Barthel scheitert im Halbfinale und verpasst die EM

Plötzlich in einem „Loch“

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Die Startnummer Thomas Barthels bei der Deutschen Meisterschaft in Nürnberg taugte eigentlich als Glücksbringer, steht der deutsche 100 Meter-Rekord doch bei 10,01 Sekunden. Letztlich verfehlte der Altmärker aber seine Ziele. 

Nürnberg/Neuermark-Lübars. Der altmärkische Profi-Sprinter Thomas Barthel hat bei den Deutschen Meisterschaften der Leichtathleten am vergangenen Wochenende in Nürnberg sein selbst gestecktes Ziel, die Qualifikation für die Europameisterschaft in Berlin, verpasst.

Der 19-Jährige aus Neuermark-Lübars erreichte über die 100 Meter das Halbfinale, schied dort jedoch aus. Die EM-Norm verfehlte er somit deutlich. Es war der erste kleine Rückschlag in der noch jungen Karriere des Altmärkers, nachdem seine Entwicklung in den vergangenen Jahren stetig bergauf gegangen war.

Thomas Barthel

Erst bei der U23-DM vor drei Wochen in Heilbronn hatte Barthel mit einer neuen persönlichen Bestzeit von 10,32 Sekunden sein jüngstes Highlight gesetzt. In Nürnberg wollte er diese Zeit erneut angreifen, doch beim Blick auf die Rahmenbedingungen war ziemlich schnell klar, dass dieses Ziel Utopie bleiben würde. „Es war etwas frischer mit Nieselregen, kein Sprinterwetter. Wir brauchen es heiß“, erklärt der Leichtathlet des SC Magdeburg. So hatten ziemlich alle Teilnehmer der Sprintwettbewerbe zu kämpfen. „Man hat es gleich in den Vorläufen gesehen, wo eigentlich alle nicht so richtig gut waren“, schildert Barthel.

Für ihn selbst lief dabei zu Beginn noch alles nach Plan. Mit einer Zeit von soliden 10,50 Sekunden belegte der Altmärker Rang zwei in seinem Vorlauf und war insgesamt überzeugender Siebenter. Das Finale schien möglich und auch eine gute Zeit war in Reichweite. Im Halbfinallauf an der Seite von Superstar und Topfavorit Julian Reus (Erfurt) ging dann aber plötzlich gar nichts mehr. Von einem „Loch“ sprach Barthel im Anschluss. „Der Start ging eigentlich noch ganz gut, aber dann habe ich recht schnell gesehen, dass mir die anderen weglaufen. Ich habe dann bewusst rausgenommen, um nichts mehr zu riskieren“, berichtet der ehemalige Sprinter des Stendaler LV. In die Statistik ging eine enttäuschende Zeit von 10,75 Sekunden ein. Das DM-Finale war somit ebenso klar verpasst wie die Heim-EM im Berliner Olympiastadion.

Doch wie im Erfolg reagierte Barthel auch in der Stunde des Misserfolgs gewohnt sachlich. „Natürlich ist eine gewisse Enttäuschung da, aber sie wäre sicherlich viel größer gewesen, wenn ich erst im Finale gescheitert wäre“, sagt der 19-Jährige nach seinen ersten nationalen Titelkämpfen im Seniorenbereich.

Der Sieg ging letztlich an Kevin Kranz (Wetzlar), der die deutsche Sprinterikone Reus im Finallauf überraschend auf Rang zwei verwies. „Da war es plötzlich ruhig im Stadion. Damit hatte niemand gerechnet“, berichtet Barthel, der selbst weiß, wie es ist, gegen Kranz zu verlieren. In Heilbronn war es der Hesse, der als einziger schneller sprintete als der Altmärker. Für Barthel sind die Erfolge des gleichaltrigen Kranz nun Ansporn, selbst den nächsten Schritt zu machen. „Er hat sich wirklich stark entwickelt.“

In die genaue Analyse der beiden DM-Läufe von Nürnberg geht Thomas Barthel mit seinem Trainer Eik Ruddat erst in den kommenden Tagen. Die großen Saison-Höhepunkte 2018 sind jetzt ohnehin erstmal Geschichte. Als nächstes großes Ziel hat Barthel die U23-EM im kommenden Jahr in Finnland im Auge. Die kontinentalen Titelkämpfe in Berlin wird er als Zuschauer verfolgen müssen.

Von Tobias Haack

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