ANALYSE: Zwei Matchwinner beim 2:1 gegen Strausberg

In perfekter Harmonie

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Starkes Comeback: Martin Gödecke (rechts) konnte verletzungsbedingt knapp vier Monate nicht im heimischen Hölzchen aufdribbeln und war am Sonntag bei seiner Rückkehr einer von zwei Matchwinnern. 

Stendal – Geschenkt wird dem 1. FC Lok Stendal im Abstiegskampf der Oberliga Nord wahrlich nichts. Auch am vergangenen Wochenende hat die Konkurrenz wieder gepunktet, doch dieses Mal haben die Altmärker mitgehalten.

Beim 2:1-Heimsieg gegen den FC Strausberg stimmte neben dem nackten Ergebnis vor allem die Moral der Mannschaft, die sich ganz nebenbei auch noch spielerisch verbessert zeigte. Großen Anteil daran hatte ein neues Traumduo. Die Analyse in fünf Punkten.

Gödecke und Buschke: Das passt!

Sie rannten, sie mühten sich, kamen zu Chancen, schienen aber nicht sonderlich vom Glück verfolgt. Angreifer Martin Gödecke und Linksaußen Niclas Buschke machten gegen Strausberg lange Zeit nicht den Eindruck, der Gäste-Defensive entscheidend wehtun zu können, drehten dann aber im richtigen Moment auf und teilten sich den Status des Matchwinners. Buschke für Gödecke: 1:1. Gödecke für Buschke: 2:1. So einfach kann Fußball sein. „Nicki und ich verstehen uns auf und neben dem Platz super. Heute legen wir uns gegenseitig die Tore auf. So kann es gerne weitergehen“, erklärte Gödecke nach der Partie.

Trash Talk mit Folgen

Es war Mitte des zweiten Durchgangs, da schien der spätere Torschütze Niclas Buschke bereit zur Auswechslung. Nichts wollte ihm gelingen, seine Körpersprache bettelte regelrecht um Erlösung. Doch Trainer Jörn Schulz dachte nicht daran, seinen besten Torschützen beim Stand von 0:1 vom Platz zu nehmen: „Er ist einer, der ein Spiel entscheiden kann. Deshalb haben wir an ihm festgehalten. Man muss solchen Spielern auch ein bisschen mehr zugestehen als anderen.“

Wie sich später herausstellte, erhielt Stendals Linksaußen den entscheidenden Motivationsschub übrigens in der Schlussphase von seinem direkten Gegenspieler. „Du bist heute nicht einmal an mir vorbeigekommen“, soll dieser ihm zugeflüstert haben. Wenig später ließ sich Buschke nicht zweimal bitten und traf zum 2:1. Der Bann war gebrochen, die Erleichterung groß, der Jubel grenzenlos. Und Strausbergs Rechtsverteidiger dürfte seine Provokation bereut haben.

Es geht auch mit dem Ball

Nach zwei destruktiven Auftritten in Greifswald (0:1) und bei TeBe Berlin (0:4) war Lok gegen Strausberg nicht nur in der Pflicht zu punkten, sondern auch spielerisch mehr anzubieten. Wer diesbezüglich im Vorfeld skeptisch war, wurde in den 90 Minuten – abgesehen von einer schwachen Phase nach dem 0:1 – eines Besseren belehrt. Die Mannschaft von Trainer Jörn Schulz trat mutig auf und setzte sich vor allem auf den Außenbahnen immer wieder gut in Szene. „Dafür, dass wir im Abstiegskampf stecken, haben wir sehr gut Fußball gespielt“, fand nicht nur Martin Gödecke. Zur Belohnung riss dann in der 67. Minute auch noch die unsägliche Stendaler Serie von vier Spielen ohne einen eigenen Treffer aus dem Spiel heraus.

Gäste ohne Glück und Istvanic

Klare Fortschritte im Spiel mit dem Ball, Stürmer, die treffen und der zweite Heimsieg in Folge. Die Welt des 1. FC Lok war am Sonntag trotz Dauerregens rosig. „Eine riesen Erleichterung“, befand Lok-Trainer Schulz. Doch alles hätte auch ganz anders kommen können – aus Strausberger Sicht sogar müssen. In der 34. Minute traf Martin Kemter das leere Tor nicht. Mathias Reischert scheiterte später freistehend an der Querlatte (74.). „Wir haben es nicht geschafft, uns in den entscheidenden Momenten abzusetzen“, haderte Gäste-Coach Christof Reimann neben dem fehlenden Spielglück heimlich wohl auch mit der verletzungsbedingten Abwesenheit seines Top-Torjägers Tino Istvanic (neun Treffer).

Bereit, wenn es darauf ankommt

Abstiegskampf ist nichts für schwache Nerven. Gegen Strausberg stand Lok mit dem Rücken zur Wand und lieferte. Gleiches gelang im Saisonverlauf schon gegen Brandenburg, Wismar und Staaken. Wenn es darauf ankommt, haben die Altmärker ihre Nerven im Griff. Das sollte so bleiben, denn Jörn Schulz prophezeit: „Wir werden jetzt Woche für Woche vor solchen Spielen stehen.“

VON TOBIAS HAACK

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