Torgaranten in der Altmark

Marius Melms: Erfolgreich umgeschult

Marius Melms wartet auf einen Ball.
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Schlüsselspieler in der Offensive des OFC: Marius Melms.
  • Tobias Haack
    vonTobias Haack
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Die große AZ-Serie „Torgaranten in der Altmark“ beschäftigt sich in dieser Ausgabe mit einem Torjäger aus Osterburg, dessen Laufbahn in der Defensive begann: Marius Melms.

  • Start als Innenverteidiger in der Aufstiegssaison
  • Entwicklung zum ehrgeizigen Top-Torjäger des Osterburger FC
  • Alles begann an der Hand eines Weltmeisters

Osterburg ‒ Die einen sind schnell, wendig und schwer zu halten. Die anderen leben von ihrer Körperlichkeit und Wucht. Die eiskalten unter ihnen haben einfach nur den berühmten Riecher, der sich nicht trainieren lässt. Die Rede ist von waschechten Torjägern, die sich vom Typ vielleicht unterscheiden, im Kern aber eines gemeinsam haben: Sie machen den Unterschied aus. Einer von ihnen ist Marius Melms vom Osterburger FC, der sich erst in den vergangenen Jahren zu einem „Torgaranten in der Altmark“ entwickelt hat.

Es war im Sommer 2006, als die hoch dekorierte Generation des französischen Fußballs um Zinedine Zidane, Patrick Viera und Lilian Thuram sich noch einmal anschickte, nach den Sternen zu greifen. Völlig überraschend spielten die großen alten Herren des europäischen Fußballs noch einmal eine große WM. Im Achtelfinale trafen sie in Hannover auf Spanien. Mit dabei war auch Marius Melms aus Osterburg, der als Auflaufkind Torjäger-Legende Thierry Henry aufs Feld geleiten durfte. „Danach habe ich mich mal damit beschäftigt, wen ich da überhaupt an der Hand hatte“, sagt Melms heute. Henry wurde schließlich sein großes Vorbild, der FC Arsenal sein Herzensverein.

Er ist technisch stark, hat eine sehr gute individuelle Qualität und hat eine Schnelligkeit, mit der nicht viele Verteidiger in der Landesklasse mithalten können.

Ronald Göthe (Ex-Trainer, Osterburger FC)

Gut 15 Jahre später lassen sich im Spiel des Marius Melms durchaus Parallelen zu Henry ziehen. „Er ist technisch stark, hat eine sehr gute individuelle Qualität und hat eine Schnelligkeit, mit der nicht viele Verteidiger in der Landesklasse mithalten können“, sagt Ronald Göthe, der Melms’ erster Trainer im Herrenbereich war.

Anders als Henry begann der heute 23-jährige Melms seine fußballerische Laufbahn aber in der Abwehr. In der Osterburger Aufstiegssaison 2014/15 war er in der Innenverteidigung gesetzt. „Die Mannschaft gab damals nicht viele Verteidiger her. Und Marius hat aufgrund seiner Größe und Körperlichkeit da sehr gut gepasst“, blickt Göthe zurück. Mit der Zeit zog es den 1,97 Meter-Mann dann aber immer weiter nach vorne. Über die Außenverteidigerposition ging es ins Mittelfeld und unter den Trainern Uwe Schmidt und David Rose letztlich ins Sturmzentrum.

Da wäre noch mehr möglich, wenn Marius hin und wieder mal sein Sturmzentrum verlassen und ein bisschen mehr Laufarbeit verrichten würde.

David Rose (Trainer, Osterburger FC)

„Am Anfang haben das viele kritisch gesehen und wollten gerne, dass ich hinten bleibe“, erinnert sich Melms. „Inzwischen haben wir aber genug andere Leute, die das hinten gut machen und ich möchte vorne auch nicht mehr weg.“ Seine defensive Grundausbildung, zu der unter anderem auch ein Jahr in der Jugend des 1. FC Lok Stendal gehörte, macht Melms für den Osterburger Angriff noch wertvoller. „Ich habe dadurch ein gutes Auge bekommen und kann meine Mitspieler einsetzen“, sagt er.

Am liebsten netzt er allerdings persönlich ein und kann auch schon mal ungemütlich werden, wenn ihm das Abschlussglück nicht so hold ist. „Er ist gerne mal auf sich selbst sauer“, bestätigt Göthe. Ein klassischer Torjäger eben. Einer der alten Schule, der auch mal seine Mitspieler für sich arbeiten lässt. „Ich bin nicht der Fleißigste. Aber das weiß meine Mannschaft und solange ich treffe, ist das auch für alle in Ordnung“, schätzt der Lehramtsstudent sich selbst realistisch ein. Glücklicherweise trifft Melms in der jüngeren Vergangenheit nach Belieben. Ganze 48 Landesklasse-Treffer gelangen Marius Melms seit der Saison 2018/2019.

Tangermünde und Gardelegen sind perfekte Vorbilder. Wir sind eine sehr junge Mannschaft. Wenn wir alle in unsere besten Jahre kommen, ist viel möglich.

Marius Melms

„Da wäre sogar noch mehr möglich, wenn Marius hin und wieder mal sein Sturmzentrum verlassen und ein bisschen mehr Laufarbeit verrichten würde“, sagt sein aktueller Trainer David Rose. Doch Melms’ Trumpf ist der gleiche, wie der der gesamten Osterburger Mannschaft: Die Jugend. „Mit gerade einmal 23 hat er noch viele gute Jahre vor sich“, ist sich Rose sicher, dass Melms noch nicht am Ende seiner Entwicklung ist.

Über kurz oder lang dürfte die Landesliga das nächste Ziel für Osterburgs Nummer 24 sein. Erreichen möchte er es am liebsten mit seinem OFC. Melms: „Tangermünde und Gardelegen sind da die perfekten Vorbilder. Wir sind noch eine sehr junge Mannschaft. Aber wenn wir alle in unsere besten Jahre kommen, ist auf jeden Fall viel möglich.“

Melms selbst reizt auch das Fernduell mit den anderen Torjägern seiner Spielklasse. „Natürlich guckt man darauf, was die anderen machen. Ein Marcel Brinkmann hat enorm viel Qualität. Und auch ein Felix Pitzner macht jede Woche seine Tore. Ich möchte in der Torjägerliste Schritt für Schritt klettern, aber am Ende ist Platz eins in der Tabelle das Wichtigste“, macht sich der Torjäger Hoffnungen, mit dem OFC noch einmal ins Titelrennen eingreifen zu können. Aktuell beträgt der Rückstand auf Wahrburg fünf Punkte. „Aber wir spielen ja noch gegen sie“, so Melms, der auf einen baldigen Restart des Spielbetriebs hofft. „Es fehlen die Abwechslung und vor allem die sozialen Kontakte.“

In knapp anderthalb Jahren wird Marius Melms sein Studium in Magdeburg abgeschlossen haben. Die gute Nachricht für den OFC: Er möchte anschließend in der Region bleiben. Der Osterburger FC ist dabei sein Herzensverein, mit dem er noch große Ziele verfolgt. Den Schritt zu einem größeren Klub wie Lok Stendal schließt Melms grundsätzlich nicht aus. „Wenn alles passt, kann man vielleicht mal darüber nachdenken“, meint er. Ein Wandervogel wird aus dem Torgaranten allerdings nicht werden. Ganz nach dem Vorbild Thierry Henry, der seinem FC Arsenal ebenfalls lange treu geblieben war.

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