DHB-Team auf dem Weg zu einem kuriosen Handball-Märchen / Heute wartet Gastgeber Katar

WM ohne Quali und TV-Zuschauer

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Die deutschen Handballer um den treffsicheren Rechtsaußen Patrick Groetzki sind auf dubiose Art und Weise nachgerückt und trumpfen jetzt bei der WM ganz groß auf. Von allen noch verbliebenen Mannschaften macht das Team von Trainer Dagur Sigurdsson den stabilsten Eindruck. Aktueller Status: Geheimfavorit.

Doha/Seehausen. Diese Weltmeisterschaft läuft etwas anders. „Kurios: Sie qualifizieren sich nicht und stehen im Viertelfinale“, ist Marco Podas verblüfft. Anders, kurios aber klar: Am Ende wird es einen geben, der sich Weltmeister nennen darf.

Ob das sie, also Deutschland sein werden, wie zuletzt 2007, ist gar nicht mehr so unwahrscheinlich. Immerhin: Die Deutschen sind dabei. Das war eigentlich nicht geplant, denn qualifiziert hat sich die Mannschaft von Bundestrainer Dagur Sigurdsson nicht für die internationalen Titelkämpfe in Katar. Bei dem Austragungsort denkt man auch nicht im ersten Moment an Handball, sondern vielmehr an Wüstensand. Ausgerechnet auf die Kataris trifft Deutschland heute um 16. 30 Uhr, wenn es um den Halbfinaleinzug geht.

Dass die Auswahl des Deutschen Handball-Bundes (DHB) überhaupt dabei ist, hat sie einer sogenannten Wildcard zu verdanken – der fünfte Platz bei WM 2013 galt als Ticket und nicht die Ozeanien-Meisterschaft von Australien. Der 18-köpfige Kader um den Magdeburger Matthias Musche steht aus 24 Teams nach Montagabend unter den besten Acht. Durch den 23:16-Sieg gegen Ägypten hat die DHB-Mannschaft das Viertelfinale erreicht. Laut DHB-Vizepräsident Bob Hanning war das Achtelfinale das Ziel. Nunmehr sei das Team „wieder Weltspitze“. Die Spiele des einstigen Weltmeisters gibt es für den Free-TV-Nutzer nicht im Fernsehen zu betrachten: Nur der Bezahlsender Sky zeigt die Partien live. Podas, Co-Trainer des Verbandsligisten HSG Osterburg, kann kein Spiel sehen. Er verfolgt die Begegnungen über die Medien: Internet und Videotext helfen. „Das Halbfinale ist machbar“, schätzt Podas ein.

Nichts sehen konnten auch die Handball-Profis des HSV Hamburg in der vergangenen Woche, als Deutschland am Donnerstagabend Argentinien mit 28:23 bezwang. Die Hanseaten waren zum Zeitpunkt des Spiels zunächst auf dem Trainingsplatz und saßen wenig später im Bus nach Seehausen, um gegen den dort ansässigen altmärkischen Sachsen-Anhalt-Ligisten zu testen. Verfolgen konnten die Profis die Partie nur phasenweise über Live-Ticker auf dem Handy. Ex-Weltmeister Pascal Hens, der dabei war, als Deutschland 2007 zuletzt den Titel holte, zeigte sich gegenüber der Altmark-Zeitung beeindruckt vom deutschen Auftreten. „Ich hoffe, dass sie die Form halten können. So wie sie sich im Moment präsentieren ist das wirklich sehr, sehr gut. Mal gucken, wie weit es geht“, traut Hens seinen Bundesliga-Kollegen noch eine Menge zu.

Nach Katar würde auf die DHB-Auswahl im Halbfinale Polen oder Kroatien warten. Das Endspiel steigt am Sonntag. Ein Weltmeister, der nicht mal qualifiziert war? Deutschland könnte es werden.

Von Benjamin Post und Tobias Haack

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