Verdiente Meisterschaft für Grieben / Sportliche Entwicklung bereitet Sorgen

Niveau bleibt das Thema

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Individuell starke Spieler wie Aaron Kaul und Torben Konau machten den Unterschied: Nach einer furiosen Rückrunde belohnte sich der SV Grieben mit der Meisterschaft. Kapitän Thomas Eckstedt war bei der Siegerehrung entsprechend glücklich.

Altmark. Wirklich schade: Die beeindruckende Aufholjagd des SV Grieben in der abgelaufenen Kreisoberliga-Saison, an deren Ende der Kreismeistertitel und der Aufstieg in die Landesklasse standen, fand in den letzten Wochen irgendwie nicht die richtige Würdigung.

Dabei nötigt die Leistung des SVG, der zu Beginn der Rückrunde kaum noch Chancen auf die Meisterschaft hatte, allergrößten Respekt ab. Stattdessen diskutierten die Vereinsverantwortlichen, aber auch die Fans, über das weiter sinkende Niveau, die zahlreichen Spielausfälle oder die gescheiterten Spielgemeinschaften. Fest steht: Es braucht neue Ideen, um im Kreisoberhaus einen geregelten Spielbetrieb gewährleisten zu können.

Die Aufreger

Nico Wiegel (links, BSC Stendal/Möringen II) und Riccardo Sprössel (Schernebeck) verabschieden sich aus der Kreisoberliga.

Werner Meinschien, Präsident des Kreisfachverbandes Fußball (KFV) Altmark Ost und Staffelleiter der Kreisoberliga in einer Person, weiß um die Probleme in seiner Liga. Das Niveau nehme bereits seit Jahren ab, berichtet Meinschien, der die Gründe dafür vor allem im demografischen Wandel sieht. Auch die Zahl der Spielausfälle und Verlegungen nahm in der Spielzeit 2016/17 weiter zu, da bei vielen Vereinen Nachwuchs und Personal fehlen. Tiefpunkt: Mitten in der heißen Phase der Meisterschaft brachte sich die SpG Bismark/Dobberkau selbst um die noch mögliche Titelchance, weil keine spielfähige Mannschaft zusammenkam. Dass einige da von Wettbewerbsverzerrung sprachen, verwundert kaum. „Wir können noch so viele Strafen gegen die Vereine aussprechen, wenn keine Spieler da sind, kann ein Spiel eben nicht stattfinden“, sagt Meinschien. Dem scheidenden Staffelleiter – er übergibt das Amt an Klaus-Erich Müller – ist der Ernst der Lage vollkommen bewusst. Sein Vorschlag: „Über kurz oder lang müssen wir mit dem KFV Altmark West eine gemeinsame Kreisoberliga bilden.“

Bis vor Kurzem hielt Meinschien noch die Gründung von Spielgemeinschaften für ein wirksames Mittel, um den Spielbetrieb im Kreis am Leben zu halten. Der öffentlich ausgetragene Zwist zwischen dem BSC Stendal und dem Möringer SV hätten ihn aber eines besseren belehrt, so Meinschien. Und die Meinung des KFV-Chefs scheint sich zu bestätigen, denn auch die zweite Spielgemeinschaft – die zwischen dem TuS Bismark II und Preußen Dobberkau – wurde mit dem Ende der Saison aufgelöst.

Der Meister

Der Kampf um die Meisterschaft in der Fußball-Kreisoberliga war in der abgelaufenen Saison so spannend wie lange nicht mehr. Das lag vor allem am SV Grieben und Eintracht Schinne, die sich bis zum letzten Spieltag ein heißes Duell lieferten. Dabei schien der Meisterschaftszug für Grieben zu Beginn der Rückrunde schon abgefahren. Schließlich verlor die Witte-Elf gegen den damaligen Tabellenführer Schinne mit 1:3 und lag dadurch satte sieben Punkte hinter der Eintracht. „Wir haben dann aus Gaudi gesagt, dass wir eben die restlichen Spiele gewinnen müssen“, erinnert sich SVG-Coach Andreas Witte, der mit einem Lächeln anfügt: „Aus Gaudi wurde schließlich Ernst.“ Denn mit 14 Siegen in Serie sicherten sich die Griebener im dritten Anlauf hintereinander doch noch den Titel, während Schinne mit lediglich zwei Saisonniederlagen und über 100 erzielten Toren knapp das Nachsehen hatte.

Eigentlich sollten und wollten auch die Bismarker/Dobberkauer bis zum Schluss ein Wörtchen bei der Vergabe des Titels mitreden, schenkten diese Chance aber wie eingangs erwähnt, leichtfertig her. Dennoch war SpG-Trainer Jens Knoblich mit dem Saisonverlauf nicht unzufrieden: „Wir haben junge Spieler integriert und tolle Spiele gemacht. Aber wir haben uns am Ende selbst geschlagen.“

Das Mittelfeld

Das Tabellenmittelfeld führt der überraschend starke VfB Elbe Uetz an, der am Ende sogar den Landesklasse-Absteiger und Lokalrivalen Germania Tangerhütte hinter sich ließ. „Die Jungs hatten wieder Spaß am Fußball, die Trainingsbeteiligung war durchweg gut und die Einstellung stimmte“, freute sich Tangerhüttes Co-Trainer Tobias Haack dennoch. All diese Attribute treffen auch auf den Rossauer SV zu, der mit seinen jungen Talenten konsequent und erfolgreich mit einer Viererkette spielte. „Vor allem in der Rückrunde war die Leistungssteigerung der Jungs deutlich zu erkennen“, wie auch RSV-Trainer Christian Schulze feststellte. „Die Saison hat Spaß gemacht, die Mannschaft hat sich toll entwickelt.“ Mit Germania Klietz und Preußen Schönhausen finden sich auf den weiteren Plätzen zwei Teams von der Elbe wieder, die sich etwas mehr ausgerechnet hatten.

Die Problemkinder

Mit Vorschusslorbeeren in die Saison gestartet, am Ende die Rückrunde nach großem Kampf und vorbildlichem Einsatz als Neunter überstanden. Für den BSC Stendal und den Möringer SV II war es eine Saison zum Vergessen. Die Spielgemeinschaft löst sich auf, ihr Startrecht übernimmt die Reserve des 1. FC Lok Stendal. Auf Platz zehn kam die KSG Berkau ein, die mit Andreas Duhm zum dritten Mal den Top-Torjäger stellte, die abgelaufene Rückrunde aber schnellstmöglich vergessen will. Sowohl Aufsteiger Kamern als auch Kickers Seehausen dahinter kämpften die ganze Saison um den Klassenerhalt. Am Ende mit Erfolg.

Die Absteiger

Ob die Reserve von Medizin Uchtspringe II nun als Pflichtabsteiger zählt oder nicht, spielt keine Rolle mehr. Die Mannschaft, die den drittletzten Platz belegt, geht freiwillig in die Kreisliga. Durch den Rückzug von Uchtspringe II hat Eintracht Lüderitz als Vorletzter erneut den Klassenerhalt geschafft. Zum Tabellenletzten und definitiven Absteiger SG Freundschaft Schernebeck muss man dagegen nicht mehr viel Worte verlieren. Mit nur einem Saisonerfolg (2:1 gegen die KSG Berkau) und über 100 Gegentoren blieben die Schernebecker ihre Kreisoberligatauglichkeit komplett schuldig.

Von Christian Buchholz

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