Fußball: Ex-Medizin-Coach Jörn Schulz trainiert neben Barleben auch die U16 des Landes

„Neue Türen öffnen sich“

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Sieht viel Arbeit auf sich zukommen: Jörn Schulz, der neben dem FSV Barleben jetzt auch die U16 Sachsen-Anhalts als einer von drei Trainern betreut. 

Stendal/Barleben. Ehrlichkeit, Vertrauen, Respekt. Diese Werte sind für Jörn Schulz elementar in seiner Arbeit als Trainer. Auf den ersten Blick fällt beim 41-Jährigen seit jeher seine Nähe zu den Spielern auf.

Doch ihn als reinen Kumpeltypen an der Seitenlinie zu charakterisieren, würde zu kurz greifen. Der enge Draht zu seinen Mannschaften ist lediglich die Basis. Für Erfolge wie den Landesliga-Aufstieg mit dem SV Medizin Uchtspringe vor zwei Jahren benötigt es jedoch mehr. Und genau das scheint nun auch der Fußball-Landesverband FSA beim aktuellen Trainer des FSV Barleben entdeckt zu haben, denn seit kurzem zählt Schulz zum dreiköpfigen Trainerteam der U16-Auswahl Sachsen-Anhalts.

Aufstieg ins Trainerteam des FSA

Erst im Frühjahr hatte der ehemalige Regionalliga-Spieler in Osterburg erfolgreich seinen B-Lizenz-Lehrgang absolviert – mit besten Noten. Der Anruf des FSA mit dem Angebot des U16-Postens ließ nicht lange auf sich warten. „Mir war klar, dass ich das machen möchte. Neue Türen öffnen sich und man sammelt neue Erkenntnisse. Das finde ich sehr spannend“, erklärt Schulz, warum er nicht lange überlegen musste, dem FSA seine Zusage zu geben. Vor sechs Wochen folgte der erste Trainer-Lehrgang im Rahmen der neuen Aufgabe. Neben Schulz waren auch Ex-Profi Kevin Schlitte (u.a. SC Freiburg, Hansa Rostock) und einige NLZ-Trainer des 1. FC Magdeburg sowie des Halleschen FC mit von der Partie. Sehr lehrreich sei diese Fortbildung gewesen.

Inzwischen hat Schulz an der Seite seiner Trainerkollegen Erik Burow und Holger Mittelstädt auch die ersten Trainingseinheiten mit den U16-Talenten des Landes absolviert. Im Wettkampfbetrieb steht die Auswahl freilich nicht. Es gilt sie lediglich vorzubereiten auf die großen Sichtungsturniere, nach denen der DFB seine Nationalmannschaft zusammenstellen wird. Auf dem Weg dorthin testet Schulz’ U16 immerhin gegen etablierte A-Jugend-Mannschaften wie Germania Halberstadt oder den 1. FC Lok Stendal.

In der Wahl ihrer Spielsysteme und Trainingsinhalte agieren die Auswahltrainer derzeit noch relativ autark. Die Auswirkungen der desaströsen deutschen WM in Russland werden sie allerdings bald zu spüren bekommen. „Im Moment gucken wir, was der FCM oder der HFC machen, weil 90 Prozent unserer Spieler von dort kommen. Aber der DFB hat die WM analysiert und ich denke, dass sich dann auch bei uns etwas ändern wird“, prophezeit Schulz. Schließlich wurde nach dem Vorrunden-Aus der Löw-Elf auch die deutsche Nachwuchsarbeit ins Zentrum der Kritik gerückt.

Neuanfang in Barleben

Die Arbeit mit Talenten liegt Jörn Schulz am Herzen. Auch beim Verbandsligisten FSV Barleben, wo er in seine zweite Saison als Cheftrainer gestartet ist. Einer Niederlage zum Auftakt ließ seine Mannschaft zuletzt zwei Kantersiege folgen. In seiner Debüt-Saison am Barleber Anger war Schulz mit dem FSV abgestiegen. Sportlich wäre der Abstieg wohl zu vermeiden gewesen, doch der Verein zog aus finanziellen Gründen freiwillig aus der 5. Liga zurück. In diesem Jahr geht es für den gebürtigen Schweriner und den FSV um einen geordneten Neuanfang. „Wir haben daher bewusst junge Spieler geholt“, sagt Schulz, „es wird Rückschläge geben, aber ich denke, dass wir eine gute Rolle spielen werden.“ Eine konkrete Zielsetzung hat der Stendaler bei den Rand-Magdeburgern in dieser Spielzeit nicht zu erfüllen. „Nach drei – vor allem finanziell – sehr anstrengenden Jahren in der Oberliga muss sich der Verein erstmal neu ordnen“, erklärt er. Für sich selbst hegt Jörn Schulz allerdings den Anspruch, den Verantwortlichen des Klubs etwas für ihr Vertrauen und ihre Rückendeckung zurückzugeben. „Obwohl es ein schwieriges Jahr war, hat der Verein immer komplett hinter uns gestanden“, hebt Schulz hervor.

Umbruch mit altmärkischer Note

Um den FSV Barleben weiterzuentwickeln, setzt der ehemalige Uchtspringer Erfolgstrainer bewusst auch auf eine altmärkische Note. „Ich habe in der Region natürlich ein gewachsenes Netzwerk, das ich nutzen möchte“, sagt er. Konkret hat der 41-Jährige sein Verbandsliga-Team in diesem Sommer mit Hardy Wolff aus der A-Jugend des 1. FC Lok Stendal und mit Hendrik Romahn vom Osterburger FC verstärkt. „Beide sind talentiert und gut ausgebildet, weil sowohl in Stendal als auch in Osterburg eine sehr gute Nachwuchsarbeit betrieben wird“, erläutert Schulz die Beweggründe der Transfers. Weitere junge, altmärkische Spieler sollten folgen, trauten sich den Sprung in die Verbandsliga aber nicht zu. „Hardy und Hendrik werden bei mir viel Spielzeiten bekommen, damit sie sich entwickeln können. Mögliche Rückschläge haben wir einkalkuliert“, unterstreicht Schulz sein Vertrauen in die Youngster.

Selbst war Jörn Schulz in der abgelaufenen Saison noch unregelmäßig in der Landesklasse aktiv – natürlich beim Herzensverein SV Medizin Uchtspringe. Damit soll in diesem Jahr allerdings endgültig Schluss sein. Einzig in der Kreisliga, bei der Uchtspringer Reserve, möchte der Tausendsassa noch hin und wieder aushelfen. Dies aber eher selten, denn neben diversen Trainertätigkeiten und seinem eigentlichen Beruf in der Verwaltung soll auch noch ausreichend Zeit für die Familie übrig bleiben.

Von Tobias Haack

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