Fußball: Landesverband droht Vereinen mit Punktabzügen bei zu geringer Schiedsrichterzahl

Die nächste Eskalationsstufe

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Schiedsrichter (Norbert Möllmann) werden gesucht. Der FSA hat nun den Druck auf die Vereine weiter verschärft.

Stendal. Der Kampf gegen den Schiedsrichter-Mangel ist bei Vereinen und Verbänden ein Dauerthema. Um dem Problem Herr zu werden, hat der Fußball-Landesverband FSA nun nochmals sein Regelwerk verschärft.

Seit dieser Saison gilt: Hat ein Verein seit mindestens drei Jahren nicht die laut Spielordnung geforderte Anzahl an Unparteiischen gestellt, kann er sogar mit Punktabzügen bestraft werden. Bislang gingen die Sanktionierungs-Möglichkeiten nicht über Geldstrafen hinaus. Der FSA erhöht also weiter den Druck auf die Vereine, die darauf nur wenig begeistert reagieren.

Ein Beispiel: Der Kreveser SV hat eine Herrenmannschaft in der Landesklasse, eine Reserve in der Kreisklasse sowie zwei Jugendmannschaften auf Großfeld gemeldet und muss folglich fünf Schiedsrichter aufbieten. Eine Anforderung, die die Möglichkeiten des kleinen Dorfvereins überschreitet. In der vergangenen Spielzeit brachte der KSV immerhin drei Unparteiische an den Start. „Wir sind ein Verein, der viel in die Jugendarbeit investiert und als kleiner Dorfklub verhältnismäßig viele Mannschaften stellen kann. Fünf Schiedsrichter zu finden, ist für uns eine riesen Herausforderung. Wenn wir eines Tages wegen dieses geplanten Punktabzugs absteigen müssten, können wir den Laden hier zumachen“, meint KSV-Trainer Holm Hansens. Vereine wie Krevese bauen daher auf den vorhandenen Ermessensspielraum, der dem Verband zur Verfügung steht. „Ich hoffe, man sieht unser Bemühen und dass wir nicht die Möglichkeiten haben wie andere. Vielleicht zielen die Punktabzüge ja eher auf die Vereine, die bislang lieber die Strafen gezahlt haben, anstatt sich um Schiedsrichter zu kümmern“, so Hansens.

Michael Müller, Schiedsrichterausschuss-Vorsitzender des KFV Altmark-Ost, ist von der Wirksamkeit der drohenden Punktabzüge auch nicht vollends überzeugt. „Ob das etwas bringt, ist hypothetisch.“ Dass die Klubs aktiver werden müssen, ist aber auch für ihn unumgänglich. „Es gibt Vereine, bei denen das Thema Schiedsrichter auf der Agenda erst auf Platz fünf oder sechs steht und die müssen halt mehr in die Pflicht genommen werden“, erklärt Müller.

Ob die nächste vom FSA gezündete Eskalationsstufe zielführend ist, bleibt vorerst offen. Gut möglich, dass die Vereine nun vermehrt Energie und Finanzen darin investieren, Schiedsrichter von anderen Klubs abzuwerben, anstatt selbst welche zu den Anwärterlehrgängen zu entsenden. Bereits jetzt gibt es einen „Markt“ auf dem die Unparteiischen umkämpft sind. Der KFV Altmark-Ost hat erst in diesem Sommer einen gestandenen Schiedsrichter nach Brandenburg verloren. Gezahlt wurde eine hohe dreistellige Summe.

Um die Vereine vor solchen Gebaren wenigstens ein bisschen zu schützen, hat der FSA einen Paragrafen zur Regelung von Schiedsrichter-Transfers in seine Spielordnung aufgenommen. Künftig gibt es auch diesbezüglich Wechselfristen (31. Dezember) und festgeschriebene Ablösesummen. Auch von den Punktabzügen bleiben die Vereine mittelfristig noch verschont. Alle Klubs starten bei Null und können frühestens in drei Jahren belangt werden. Genügend Zeit also, um neue Schiedsrichter zu akquirieren.

Von Tobias Haack

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