Fußball – 2. Bundesliga: Der rasante Aufstieg von FCM-Neuzugang Tobias Müller

„Muss mich manchmal kneifen“

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Pflichtspiel-Debüt im FCM-Trikot: Tobias Müller lieferte als Innenverteidiger eine solide Leistung ab.

Magdeburg. Es ist noch keine eineinhalb Jahre her, da kickte er noch fünftklassig. Am Sonntag lief Tobias Müller mit dem 1. FC Magdeburg in Liga zwei auf. Eine steile Karriere. Wir haben mit dem 24-Jährigen über seinen Weg und den ersten Spieltag im FCM-Trikot gesprochen.

„Manchmal muss ich mich selbst ein bisschen kneifen.“ Tobias Müller lächelt.

Der sympathische Innenverteidiger war am Sonntag vor seinem Debüt „sehr aufgeregt.“ Dabei ist ihm die Kulisse in der MDCC-Arena nicht fremd. Doch es sei schon etwas anderes, die Zuschauer hinter statt gegen sich zu wissen, erzählte

er gestern Vormittag nach der ersten Trainingseinheit des Tages. Die Niederlage gegen den FC St. Pauli wurme ihn immer noch ein wenig. „Wir haben das Spiel analysiert und blicken jetzt nach vorn aufs Nächste.“ Am kommenden Sonntag werden er und seine Teamkollegen alles daran setzen, die Punkte zurückzuholen. Mit einer soliden Leistung zum Saisonauftakt empfahl er sich dem Trainer, auch in Aue in der Startelf zu stehen. „Ich kann auf meine Leistung aufbauen, Verbesserungspotenzial gibt es immer“, gab er sich bescheiden. Auch wenn Tobias Müller im Großen und Ganzen mit sich zufrieden war: „Wenn man am Ende mit leeren Händen dasteht, dann hätte ich lieber schlecht gespielt und wir hätten gewonnen.“

Der Misserfolg am ersten Spieltag ändert aber nichts daran, dass der Neuzugang vom Halleschen FC „extrem glücklich“ war, „als ich gehört habe, dass der Trainer mir die Chance gibt.“ Und die wollte er natürlich nutzen. „Ich bin ganz gut durch die Vorbereitung gekommen und habe mir schon Hoffnungen gemacht. Umso schöner ist es, dass es beim ersten Spiel mit der Startelf geklappt hat.“

Mit seinem rasanten Aufstieg hätte der „Spätstarter“, wie er selbst sagt, nicht immer gerechnet. Gehört er doch zu den wenigen Fußballern, die nicht über ein Nachwuchsleistungszentrum in einer Profimannschaft gelandet sind. Zwar habe er das Angebot früher gehabt, sich dennoch dagegen entschieden. Er spielte in der Jugend in seiner baden-württembergischen Heimat in Brötzingen, später beim FC Nöttingen. Von dort wechselte Müller 2015 zur Reserve des SC Freiburg, bevor er das Angebot erhielt, als Probespieler nach Halle zu gehen. „Ich wollte mich eigentlich erst einmal in der Dritten Liga durchsetzen“, resümierte er gestern. Doch dann sei die Anfrage aus Magdeburg gekommen. „Da habe ich keine Sekunde gezögert.“ Die Gespräche mit dem FCM seien so positiv verlaufen, dass er dem HFC, der mit ihm verlängern wollte, eine Absage erteilte. Jetzt schon im Fußball-Unterhaus spielen zu können, davon hätte er vor ein paar Monaten vielleicht geträumt, aber niemals damit gerechnet.

Als es am Sonntag nach sechseinhalbwöchiger Vorbereitung so weit war, konnte es Müller dann auch realisieren. Er ist angekommen. „Es war eine Wahnsinnsstimmung. Es ist so schön, wenn man die Fans im Rücken hat, das pusht unheimlich. Auch wenn es ein negatives Ergebnis gab, war es trotzdem ein Erlebnis, vor so einer Kulisse zu spielen.“

Der Spätstarter hat immer an sich geglaubt. Auch, weil sein Berater schon in den Zeiten, als er noch unterklassig kickte, zu ihm gesagt hat, in ihm schlummere ein großes Talent. Das möchte er nun weiter für den FCM unter Beweis stellen. Am liebsten direkt am Sonntag in Aue.

Von Sabine Lindenau

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