Ostaltmärker kämpfen für Fußball-Spielgemeinschaften bei Herren auf Landesebene

„Da muss etwas passieren“

Uwe Müller (l.) kämpft als Trainer des BSC Stendal/Lok II um das Startrecht von Spielgemeinschaften auf Landesebene. Bisher stellt sich der Landesverband allerdings quer. Foto: Haack

Stendal/Tangermünde/Magdeburg. Der Wille des Einzelnen zählt auch in diesem Fall nicht. Eine demokratische Entscheidung muss her. Abstimmung, Ergebnis, Umsetzung. Wenn es nach Uwe Müller geht, wäre das alles schon passiert.

Seit 2012 hängt er sich rein beim Thema Spielgemeinschaften. Als Trainer des BSC Stendal/1. FC Lok Stendal II betreut er schon eine, in der Kreisoberliga. Höherklassig dürfte sie Stand jetzt auch nicht spielen.

Und genau das ist der Punkt: Spielgemeinschaften auf Landesebene. Stand jetzt „nicht möglich“, wie es in einem Schreiben des Fußballverbandes Sachsen-Anhalt (FSA) heißt. „Da muss etwas passieren“, findet Müller. Im regen Schriftwechsel, angefangen mit dem Adressaten Deutscher Fußball-Bund (DFB), dem FSA und nicht zuletzt dem hiesigen Kreisfachverband (KFV) Fußball-Altmark Ost, geht es dem Coach um die Zulassung von Spielgemeinschaften oberhalb der Kreisoberliga.

Nicht nur, da der BSC/Lok II, derzeit Tabellendritter, dann aufsteigen könnte. Im Kreis sind Spielgemeinschaften zulässig, oberhalb dessen entscheiden die Landesverbände. Oder unterhalb. Denn laut DFB sind Spielgemeinschaften ab der 3. Liga „vom jeweils zuständigen Landesverband festzulegen“. Der FSA müsste also tätig werden. Nach Antrag, versteht sich. Werner Meinschien, wie Müller pro Spielgemeinschaften, stellt den Antrag. Als Vorsitzender des KFV tut er dies. Über den Ausschuss für Satzung und Ordnung, wenn dieser zustimmt, würde der Antrag in die Vorstandssitzung am 28. Februar gelangen.

„Anders geht es nicht“, weiß auch Meinschien. Was passiert: fraglich. „Noch ist es nicht in den Köpfen drin“, macht FSA-Spielausschussvorsitzender Klaus-Peter Fischer aus. Andere Verbände sind da schon weiter. Spielgemeinschaften sind etwa in Baden-Württemberg möglich. Der Württembergische Fußballverband (WFV) hat nach Antrag schon Spielgemeinschaften oberhalb der Kreisliga genehmigt. Auch in der Bezirksliga (vergleichbar mit der hiesigen Landesklasse) spielen Spiel- oder Fußballgemeinschaften. Denn die Probleme dortzulande sind die gleichen wie hierzulande. Baden-Württemberg ist ein Flächenbundesland, ähnlich wie Sachsen-Anhalt. „Wir haben hier Bezirke, da haben wir Spielermangel“, erklärt Heiner Baumeister, Abteilungleiter Öffentlichkeitsarbeit im WFV.

Das Thema befindet sich schon in den Köpfen. „Die Vereine sind sensibilisiert“, erläutert Baumeister. Der demografisch Wandel mit der immer älter werdenden Bevölkerung macht weder vor Sachsen-Anhalt mit seiner großflächigen Altmark, noch in Württemberg Halt. Mit Blick auf die Probleme vielerorts sagt Baumeister zu Spielgemeinschaften: „Das wird kommen müssen.“ In seinem Masterplan hat sich der DFB der Flexibilisierung des Spielbetriebs angenommen. Der Masterplan „ein vom DFB und den 21 Landesverbänden gemeinsam erarbeitetes Maßnahmenpaket, das den Fußball an der Basis bundesweit stärken soll“, heißt es seitens des Verbandes.

In dem Strategiepapier des Oberorgans der deutschen Fußballer von 2013 bis zum nächsten Bundestag (Werbekampagne: „Unsere Amateure. Echte Profis.“) stehen bei der Zukunftssicherung des Amateurfußballs auch Spielgemeinschaften im Fokus. Eine andere Möglichkeit: verringerte Mannschaftsstärken sind denkbar. „Dann wird es anders“, stellt FSA-Mann Fischer fest. Das sogenannte „Norwegermodell“ könnte eine Alternative sein. Nicht mehr elf gegen elf stehen sich gegenüber, sondern neun gegen neun. „Wenn ich keine elf Spieler habe, dann habe ich auch keine neun“, ist Kreisfußballchef Meinschien skeptisch. Fußballtrainer Müller will jetzt schon mehr – elf gegen elf aus zwei Vereinen, egal in welcher Liga. „Es geht hierbei keineswegs zum Zwecke der Leistungssteigerung, sondern Aufrechterhaltung des Spielbetriebs und Beibehaltung der Identität von Vereinen.“ Was woanders geht, soll auch hier gehen.

Von Benjamin Post

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