FUSSBALL – 3. LIGA FCM-Kapitän gibt Fans recht und hofft auf Kehrtwende

„Müssen Köpfe freikriegen“

Verbaler Angriff auf die Führungsetage: Nach dem 0:2-Rückstand hissten die Fans in Block U das Banner und riefen zudem lautstark „Kallnik raus“.
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Verbaler Angriff auf die Führungsetage: Nach dem 0:2-Rückstand hissten die Fans in Block U das Banner und riefen zudem lautstark „Kallnik raus“.

Magdeburg – Nur ein Punkt aus drei Partien im Jahr 2020. Nur noch drei Punkte von Platz 17, dem ersten Abstiegsplatz, entfernt. Unter dem neuen Trainer Claus-Dieter Wollitz ist der 1. FC Magdeburg immer tiefer in den Keller der 3. Liga abgerutscht.

Das Ziel, schnellstmöglich den Wiederaufstieg in die 2. Bundesliga zu erreichen, ist längst in viel zu weite Ferne gerückt. Nach dem enttäuschenden 0:2 gegen den SV Meppen am Sonnabend ist der Kampf um den Klassenerhalt zur knallharten Realität geworden.

Kaum Zugriff: Christian Beck (l.) und der 1. FC Magdeburg lieferten gegen Markus Ballmert und den den SV Meppen eines ihrer schlechtesten Saisonspiele.

Als der zweite Gegentreffer fiel, verließen die ersten enttäuschten Zuschauer die Tribünen. Von den Anhängern in Block U mussten sich die Spieler nach Abpfiff eine Standpauke gefallen lassen. Tenor: Es brauche Männer und keine Mädchen. Denn auch die FCM-Fans wissen: Es geht nur noch darum, irgendwie die Klasse zu halten.

„Die Fans haben es noch einmal gesagt. Es ist einfach die Realität, dass wir im Abstiegskampf angekommen sind“, ist auch Christian Beck bewusst. Auch dem Kapitän mag dieser Tage nicht viel gelingen. Eine Großchance per Kopfball vergab er. In guten Zeiten hätte er sich solche Gelegenheiten nicht entgehen lassen. Doch wenn es einmal nicht läuft, fehlt die Überzeugung. Das Selbstvertrauen ist mehr als nur angeknackst.

Die Mannschaft müsse schnellstmöglich einen Weg aus der Krise finden. „Wir müssen die Köpfe freikriegen, uns sammeln und gegen Chemnitz eine andere Leistung anbieten“, hofft Beck auf das Quäntchen Glück. Doch mit den Sachsen reist eine Mannschaft an die Elbe, die am Sonntag den Halleschen FC mit 3:0 bezwingen konnte und in der Tabelle auf einen Zähler an den FCM herangerückt ist.

Der Trainer wollte das Wort „Abstiegskampf“ nach Abpfiff noch nicht in den Mund nehmen. Sagt aber auch: „Wenn wir keine Spiele gewinnen, heißt das, dass sich die Situation von Spiel zu Spiel verschärft.“ Aber: Sorgen könnten etwas bewegen. Darin sieht Wollitz auch eine große Chance. Wenn man solche Situationen annehme, könne man gestärkt daraus hervorgehen. Angst sei allerdings der schlimmste Begleiter. Und genau diese, gepaart mit fehlender Überzeugung und enormer Passivität, hat der Coach am Sonnabend bei der Pleite gegen Meppen gesehen.

„Das war zu wenig, wir haben keinen richtigen Zugriff bekommen“, gestand auch Jürgen Gjasula ein. Für ihn steht fest, dass es ab sofort nur noch darum geht, schnellstmöglich die notwendigen Punkte für den Klassenerhalt zu holen, „bevor es ein bitteres Erwachen gibt.“ Sich aus dem Tal der Enttäuschung herauszukatapultieren, könne zunächst nur auf dem Trainingsplatz gelingen. „Da müssen wir probieren, uns Selbstvertrauen und Überzeugung zu erarbeiten“, sagt der Mittelfeldmann. Und: Jeder müsse sich nun selbst hinterfragen.

Bis Sonnabend bleibt der Mannschaft Zeit. Gegen den Chemnitzer FC muss der FCM ein anderes Gesicht zeigen.

VON SABINE LINDENAU

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