Fußball – Landesklasse: Tangermünde, Liesten, Osterburg und Gardelegen noch mit Titelchancen

Wer macht es denn nun?

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Mudar Haddaja (links) und der FSV Saxonia Tangermünde haben im Titelrennen die wohl besten Karten. Daniel Leberecht und der SSV Gardelegen müssen indes hoffen.

Altmark. „Erst nach Pfingsten werden wir ein klares Tabellenbild haben“, hatte Norbert Scheinert, Trainer des SSV Gardelegen, kurz nach dem Beginn der Rückrunde gemeint, als es an der Tabellenspitze der Fußball-Landesklasse noch einen Siebenkampf gab.

Und so ist es schließlich auch gekommen. Bei noch zwei ausstehenden Spieltagen ist an der Spitze noch immer alles offen, wobei aktuell noch vier Mannschaften realistische Chancen auf den Titelgewinn und den Aufstieg in die Landesliga haben.

Im Laufe der Rückrunde mussten Eintracht Salzwedel, der Möringer SV und Rot-Weiß Arneburg Federn lassen und verabschiedeten sich aus dem Titelrennen. Zwei Spieltage vor dem Abschluss der Saison haben noch vier Teams die Chance auf die Meisterschaft. Wenn man es ganz genau nimmt, eigentlich sogar fünf. Denn mit einer aktuell starken Rückrunde hat sich auch der TuS Wahrburg wieder in das Gespräch gebracht, wobei die Chancen der TuS-Kicker auf den Meistertitel lediglich theoretischer Natur sind.

Bei den anderen vier Teams sieht es da zum Teil deutlich besser aus. Und es ist sogar gut möglich, dass Saxonia Tangermünde, der SV Liesten, der Osterburger FC und der in seinen zahlreichen Nachholspielen gebeutelte SSV Gardelegen mit jeweils 53 Zählern auf dem Konto den abschließenden Spieltag bestreiten. Das wäre dann der absolute Showdown und an Spannung nicht mehr zu überbieten.

„Das hättet ihr von der Presse gerne. Ich muss das eigentlich nicht haben“, meinte Liesten Trainer Michael Piotrowski, der nach dem Oster-Wochenende mit den beiden 1:2-Heimpleiten gegen Tangermünde und Uchtspringe für seinen SVL bereits einen Haken hinter die Meisterschaft gesetzt hatte. „Der Drops war für uns gelutscht, doch die Liga ist unglaublich. Plötzlich sind wir wieder im Titelrennen. Wir haben es zwar nicht in eigener Hand, doch mit zwei Siegen könnte es noch klappen. Wir wollen das Optimum herausholen und unsere beiden Spiele gewinnen. Dann wird man sehen“, meinte Liestens Trainer vor den beiden Begegnungen beim Osterburger FC und daheim gegen den SSV Gardelegen. „Das werden zwei ganz schwere Spiele, denn auch diese beiden Teams werden für den Titeltraum alles geben“, ist sich Piotrowski, dessen Elf aber auch noch einen Ausrutscher von Saxonia Tangermünde gegen die erstarkten Wahrburger oder beim abstiegsgefährdeten FSV Havelberg benötigt, sicher. „Mal sehen, wer am Ende den längsten Atem hat“, so Piotrowski, der, ob er will oder nicht, ein nervenaufreibendes Saisonfinale erleben wird.

Die laut Tabelle aktuell besten Chancen auf den Titel hat der FSV Saxonia Tangermünde, der das Klassement mit einem Zähler anführt. „Wir wollen so lange wie möglich oben stehen und die selbst ernannten Favoriten weiter ärgern. Das ist uns bislang ganz gut gelungen“, so Saxonen-Trainer Steffen Lenz, der allerdings auch dem noch aus der Hand gegebenen Sieg zuletzt in Beetzendorf hinterher trauert. „Wir sind zwar wieder vorn, hätten mit zwei Punkten mehr aber noch mehr Druck auf die Konkurrenz ausüben können“, so Lenz. In der Tat wäre ein voller Erfolg der Tangermünder beim MTV und drei Punkten Vorsprung wohl einer kleinen Vorentscheidung gleichgekommen, obwohl auch für die Saxonen noch zwei schwere Spiele auf dem Programm stehen.

In Osterburg gehen die Beteiligten ganz entspannt mit der aufregenden Situation um. Vor dem Top-Spiel am Sonnabend gegen Verfolger Liesten hält sich OFC-Trainer Ronald Göthe mit Kampfansagen zurück und liefert eine einfache Rechnung für den Endspurt: „Gewinnen wir nicht gegen Liesten, dann sind wir raus. Sollten wir allerdings siegen, dann beschäftigen wir uns erst mit dem Thema.“ Die drittplatzierten Osterburger spielen eine super Rückrunde und verloren nur eine Partie in der zweiten Saisonhälfte. Göthe wird seiner Linie treu bleiben und setzt weiter auf „dieselben Abläufe im Training. Alles wird genau so sein wie vor jedem Spiel.“ Zudem sieht er Tangermünde und den SVL aufgrund der Erfahrung leicht im Vorteil.

Lange Zeit galt der SSV Gardelegen als vermeintlicher Topfavorit auf den Titel, denn trotz zahlreicher Nachholspiele blieben die Rolandstädter stets in der Spitzengruppe und gefühlt nur einen Wimpernschlag hinter der Konkurrenz. Allerdings war der Druck dann anscheinend doch zu groß, denn in den vielen Nachholspielen konnten die SSV-Kicker nicht wie gewünscht punkten. Spielerisch zwar den meisten Gegnern überlegen, haperte es in erster Linie im Torabschluss, denn die Gardelegener legten eine fast schon klägliche Chancenverwertung an den Tag. Wenige bis keine Treffer und demzufolge auch kaum Punkte. Der vermutliche Punktevorteil schmolz dahin und ist nun bei begradigter Tabelle praktisch aufgebraucht. Fakt ist, die Gardelegener haben ihre nahezu perfekte Ausgangslage leichtfertig verspielt und haben es nun nicht mehr selbst in der Hand. „Wir gucken jetzt nur noch von Spiel zu Spiel und schauen, was am Ende herauskommt. Jetzt müssen wir gegen Uchtspringe und danach gegen Liesten spielen. Das wird alles andere als einfach“, weiß auch SSV-Coach Norbert Scheinert, dass seine Mannschaft wohl nur noch geringe Chancen hat, am Ende ganz oben zu stehen.

Doch der bisherige Saisonverlauf hat schon mehrfach gezeigt, dass in dieser Landesklasse alles möglich ist. Es warten zwei an Spannung kaum zu überbietende Spieltage, wobei am Ende sicher auch die glücklichere Mannschaft ganz oben stehen wird.

Von Tobias Weber und Renee Sensenschmidt

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