LOK STENDALS TRAINER ÜBER KRITIK, VERTRAUEN UND OPTIMISMUS

Jörn Schulz: „Das berührt mich nicht“

Lok Stendals Trainer Jörn Schulz während eines Spiels an der Seitenlinie
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Fokus aufs Sportliche: Lok Stendals Trainer Jörn Schulz nimmt die Fan-Kritik wahr, blendet sie aber aus.
  • Patrick Nowak
    VonPatrick Nowak
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Jörn Schulz nimmt die Unruhe und Kritik im Umfeld wahr. Er selbst bleibt gelassen. Der Trainer des Fußball-Oberligisten 1. FC Lok Stendal spricht mit der Altmark-Zeitung über den Druck im Abstiegskampf, kritische Äußerungen und Zweifel der Fans und kommentiert die öffentliche Rückendeckung des Vorstands.

Stendal - Schulz zeigt sich locker. Gut gelaunt. Und befreit. Seiner Mannschaft geht es derzeit ähnlich. Die Eisenbahner sind an diesem Wochenende spielfrei. Demnächst geht es im Liga-Alltag am 20. November weiter. Dann trifft die Schulz-Elf, die 16. ist, auf den BSV Eintracht Mahlsdorf (11.). Aktuell können die Stendaler abschalten, das moralisch starke 3:2 nach 0:2-Rückstand beim SFC Stern 1900 genießen. Ab Montag richtet Trainer Schulz mit seinen Spieler dann den Fokus auf die nächste spannende Oberliga-Hürde. „Die Belastung und der Druck, die waren schon da vor dem Spiel“, blickt der 44-Jährige auf das jüngste Aufeinandertreffen mit dem Schlusslicht SFC Stern 1900 zurück.

Lok Stendal kommt nach Sieg erstmal runter

Als Belohnung dafür wurde das Training in dieser Woche angepasst. Unter anderem standen Schwimmen und Sauna auf dem Programm. „Damit die Mannschaft mal ein bisschen runterkommen kann“, dosiert Schulz den Trainingsumfang bewusst. Auch Testspiele an diesem pflichtspielfreien Wochenende wären für den 1. FC Lok möglich gewesen. Es habe interessante Anfragen gegeben, bestätigt Schulz.

Gegen den SFC Stern 1900 haben die Eisenbahner bewiesen, dass noch ein Funke Moral in der Mannschaft steckt. Das sei ein tolles Zeichen gewesen, lobt der 44-Jährige. Stendal habe das Spielglück auf seiner Seite gehabt, dass der Anschlusstreffer noch vor der Halbzeit gefallen sei. „Da hat man in der Pause gemerkt: Wir können das“, so der gebürtige Schweriner, der sich an diesem Wochenende kurz zurücklehnen kann. Seine eigene Mannschaft ist nicht im Einsatz. Dafür spielen die Kontrahenten SV Victoria Seelow (17./ gegen den FC Hertha 03 Zehlendorf) am morgigen Sonntag und der MSV Pampow (15.), der am heutigen Sonnabend den Ludwigsfelder FC (13.) erwartet.

Jörn Schulz schaut auf Seelow

Auch sie befinden sich wie der 1. FC Lok Stendal im Kampf um die weitere Oberliga-Zugehörigkeit. Abschalten kann Schulz dennoch nicht. Er wird ein Auge auf die beiden Partien haben. „Man schaut schon drauf und hat die Tabelle im Blick. Gerade als Trainer, weil wir noch Ludwigsfelde (5. Dezember) und Seelow (12. Dezember) vor uns haben. Das sind interessante Begegnungen, wo wir noch etwas machen können.“

Zufrieden zeigt sich Schulz, der Ende November 2018 den Trainerposten bei den Eisenbahnern übernommen hatte, dass er wieder auf ein Trio bauen kann. Nils und Lukas Breda sind ebenso zurück in der Mannschaft wie Maurice Pascale Schmidt. Gerade Letzterer wurde anhand seiner Tempoläufe und Dribblings im Stendaler Offensivspiel vermisst. Nils Breda, der lange verletzt fehlte, sei quasi wie ein Neuzugang, erklärt Schulz. Das Vertrauen zahlte der Spieler zuletzt mit dem 3:2-Siegtreffer gegen den SFC Stern 1900 zurück.

Wenn beide da sind, haben wir Schnelligkeit. Wir hoffen, dass Schmidt zu alter Stärke zurückfindet.

Lok Stendals Trainer Jörn Schulz über Maurice Pascale Schmidt, der Niclas Buschke in der Offensive entlasten soll.

Auch Lukas Breda wird vom Trainer mit offenen Armen empfangen. Auf ihn setzt Schulz „im Zentrum aufgrund seiner Laufstärke und Balleroberungen, die er hat“, stellt der ehemalige Lok-Spieler heraus. Auch Maurice Pascale Schmidt stellt eine offensive Bereicherung dar, wenn er sein Können abruft. Im Training habe man gemerkt, dass er wieder so weit sei, beobachtete Schulz. Schmidt kann Niclas Buschke entlasten. „Wenn beide da sind, haben wir Schnelligkeit. Wir hoffen, dass Schmidt zu alter Stärke zurückfindet.“

Drei harte Umbrüche bei Lok Stendal

Finden mussten sich die Stendaler auch nach dem erneuten harten personellen Umbruch im Sommer. Es ist der insgesamt Dritte unter Jörn Schulz’ Kommando, wo etablierte Leistungsträger das altmärkische Fußball-Aushängeschild verlassen haben. „Wir haben in den letzten Jahren Persönlichkeiten verloren“, bringt es Jörn Schulz auf den Punkt. Diese Positionen musste man nach und nach ersetzen. Oder man hat sich zumindest darum bemüht.

Und Lok macht derzeit das Beste aus den Mitteln, die man im Kader hat – weil keine Alternative bleibt. „Wir sind am zwölften Spieltag immer noch in der Situation, die Liga halten zu können“, verdeutlicht Schulz, der die Wünsche der Stendaler Fans nach attraktivem Fußball nachvollziehen kann. „Die Leute haben Emotionen. Sie wollen eine erfolgreiche Mannschaft und Siege sehen. Und wir haben mit dieser Mannschaft elf Punkte geholt. Wir haben mit Spielern aus der Jugend und aus der Region festgestellt: An guten Tagen sind wir auf Augenhöhe. Es ist ein langer Weg.“

Das berührt mich nicht und prallt an mir ab, weil ich die tägliche Arbeit mit der Mannschaft erlebe und sehe, wie sehr die Jungs es wollen.

Lok Stendals Trainer Jörn Schulz über die Kritik der Fans.

Der Kampf gegen 18 Oberliga-Kontrahenten wird kraftraubend sein und alles abverlangen. Eine Durststrecke, wie Lok sie vor dem Stern-Sieg mit vier Pleiten am Stück hatte, empfindet Schulz als „normal“. Auch die Kritik der Fans nimmt der Coach wahr. Die Vorstandsebene hat sich öffentlich vor die Mannschaft und den Trainer gestellt.

Auch Lok-Vizepräsident Guido Klautzsch hatte dies im AZ-Gespräch bekräftigt. „Natürlich ist das schön, wenn der Vorstand sagt: Das ist unser Trainer. Wir stehen dazu“, so Schulz, der gegenüber der Altmark-Zeitung zugibt: „Ich kann das selber ganz gut einschätzen. Wenn ich merke, ich komme nicht weiter, dann würde ich auch alleine das Gespräch mit dem Vorstand suchen und nicht an irgendeiner Sache festkleben.“

Schulz fühlt sich gut. Vor allem nach dem jüngsten Erfolg. Und ist fest entschlossen, diesen Weg als Einheit zu gehen. Mit dem Vorstand, der ihm vertraut. Und mit der jungen Elf, die er Woche für Woche weiterentwickeln will. Kritik blendet Schulz aus. „Das berührt mich nicht und prallt an mir ab, weil ich die tägliche Arbeit mit der Mannschaft erlebe und sehe, wie sehr die Jungs es wollen.“

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