Würdiger Abschied

Martin Gödecke: „Ich habe hier nicht alles falsch gemacht.“

Die Lok-Verantwortlichen übergeben ein Abschiedsgeschenk an Martin Gödecke.
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Zum Abschied gab es für Martin Gödecke (2. v. l.) ein Bild im Lok-Trikot.
  • Tobias Haack
    VonTobias Haack
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Der langjährige Führungsspieler Martin Gödecke hat sich am vergangenen Wochenende vom 1. FC Lok Stendal verabschiedet. Nach Abpfiff seines Abschiedsspiels wurde es emotional.

Stendal – Offiziell waren es am vergangenen Sonnabend nur noch wenige Minuten auf der Uhr. Der 1. FC Lok Stendal führte mit 8:0, das Spiel plätscherte nur noch so dahin. Die Zuschauer im Stendaler „Hölzchen“ erwarteten auch gar keine weiteren Treffer mehr. Sie wollten nur noch ihren langjährigen Leader auf dem Platz, Martin Gödecke, verabschieden. So pfiff Schiedsrichter Michael Damke dann auch vorzeitig ab und Hölzchen-Sprecher Sven Jaluschka schritt zielsicher auf Gödecke zu, das Mikrofon im Anschlag. Doch „Gödi“ winkte zunächst einmal ab. Ehe es emotional werden würde, wollte er sich erst einmal von der deutliche Niederlage seiner neuen Mannschaft, dem Oscherslebener SC, erholen.

Eine Szene, die typisch ist für den 30-Jährigen, der insgesamt 21 Jahre das Trikot der Eisenbahner trug. „Nach einem 8:0 ist es nicht so leicht, die richtigen Worte zu finden“, sagte er später. „Wer mich kennt, der weiß, verlieren kann ich gar nicht.“ An der Niederlage seines neuen Landesklasse-Teams konnte der filigrane Linksfuß an diesem Nachmittag trotz aller Bemühungen im Mittelfeldzentrum des OSC nur sehr wenig ändern. Und wenn Gödecke gegen eine Mannschaft verlieren kann, dann sicherlich gegen seinen 1. FC Lok Stendal.

So war die Pleite dann auch recht schnell vergessen, als es an den offiziellen Teil des Abschieds ging. Zunächst ließ der Hölzchen-Sprecher Gödeckes Zeit in rot-schwarz detailgetreu Revue passieren, ehe der einstige Vize-Kapitän selbst das Wort ergriff: „Ich bin sehr glücklich, hier heute Lok zu sehen und Oschersleben zu sehen. Das bedeutet mir sehr viel und zeigt, dass ich hier im Verein nicht alles falsch gemacht habe. Ich bin sehr stolz, hier ein Teil der jüngsten Geschichte zu sein. Wir haben in den letzten Jahren viel zusammen gerissen. Den Aufstieg, die DFB Pokal-Teilnahme, das Landespokalfinale und dreimal hintereinander den Klassenerhalt in der Oberliga. Darauf kann nicht nur ich, darauf kann der gesamte Verein stolz sein.“

Er war mein Bindeglied zwischen Trainer und Mannschaft. Einfach eine wichtige Persönlichkeit, die jetzt nicht mehr das ist und uns fehlen wird.

Jörn Schulz (Trainer, 1. FC Lok Stendal)

Mit Martin Gödecke, das wurde am Sonnabend auch dem Letzten klar, verlässt in der Tat ein Teil der jüngeren Vereins- und Erfolgsgeschichte den Klub. Entsprechend schwer fiel allen Beteiligten der Abschied. Dennoch gestalteten sie ihn denkbar würdevoll. Lok-Präsident Thomas Weise und Vorstandsmitglied Klaus Höppner überreichten ihrer langjährigen Nummer drei ein Abschiedsbild. Von Mannschaftskapitän Steven Schubert gab es im Namen des Teams einen großen Präsentkorb. Warme Worte, Umarmungen und Herzlichkeiten inklusive.

Auch Trainer Jörn Schulz wirkte angefasst. „Das war schon emotional. Gödi und ich haben ja vor vielen Jahren auch noch kurzzeitig zusammen gespielt. Insgesamt haben wir eine intensive Zeit hinter uns. Er war mein Bindeglied zwischen Trainer und Mannschaft. Einfach eine wichtige Persönlichkeit, die jetzt nicht mehr das ist und uns fehlen wird“, konstatierte er. Ganz fehlen, das versprach Gödecke zum Abschluss, wird er nicht. So möchte er sich bei Heimspielen noch hin und wieder auf der Tribüne blicken lassen. Dort fanden sich zum Abschiedsspiel übrigens auch eine Reihe ehemaliger Weggefährten Gödeckes ein. Tim Schaarschmidt war ebenso im Stadion wie beispielsweise Philipp Groß.

Auch sie waren wichtiger ein Teil der Stendaler Mannschaft, die in den vergangenen Jahren so viele Erfolgsgeschichten geschrieben hat. Am „Hölzchen“ wird nun eine neue Generation heranwachsen und in große Fußstapfen treten müssen. Martin Gödecke kickt derweil in Oschersleben und möchte dort alles – bloß nicht nochmal 0:8 verlieren.

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