INTERVIEW

Lok-Präsident Thomas Weise im AZ-Gespräch

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Der neue starke Mann: Thomas Weise hat sich bereit erklärt, Verantwortung zu übernehmen, und verfolgt mit dem 1. FC Lok Stendal klare Ziele.

Vor drei Wochen ließ sich Thomas Weise zum neuen starken Mann des 1. FC Lok Stendal wählen. Welche Ziele er verfolgt, hat der 50-Jährige im Interview mit AZ-Redakteur Tobias Haack verraten.

Herr Weise, Sie wurden vor knapp zwei Wochen zum neuen Präsidenten des 1. FC Lok Stendal gewählt und hatten jetzt ein wenig Zeit, sich einzuarbeiten. Wie schätzen Sie die Ausgangslage für Ihre Arbeit ein?

Herr Professor Nellessen war hier elf Jahre Präsident und hat den Verein in einer wesentlich auswegloseren Situation übernommen. Er hat es geschafft, den Verein wieder auf solide Füße zu stellen, und das ist die Basis, mit der wir jetzt arbeiten können. Aber nicht nur ich allein, sondern mit einem erweiterten Vorstand an meiner Seite. Die Basis ist sehr gut. Wir haben viele Mannschaften im Kinder- und Jugendbereich. Es ist gelungen, wieder eine zweite Mannschaft zu etablieren, und die erste Mannschaft spielt bekanntermaßen in der Oberliga.

Sie haben es erwähnt, das Präsidium soll künftig breiter aufgestellt werden als in der Vergangenheit. Sie möchten den 1. FC Lok mit Teamwork führen, doch das will gelernt sein. Sehen Sie die Gefahr, dass zu viele Köche den Brei auch verderben könnten?

Das muss man sehen. Wir haben gestandene Personen dabei, die auch schon im Vorstand waren. Es waren aber zu wenige Kräfte, auf deren Schultern die viele Arbeit lag. Es ist jetzt wichtig, diese zu entlasten. Das funktioniert aber nur, wenn sie die Aufgaben klar verteilen. Wir stehen da wirklich erst am Anfang und hatten bisher auch erst eine Vorstandssitzung. Wichtig wird aber auch sein, dass Leute bereit sind, Aufgaben abzugeben. Dann wird es uns gelingen, die Arbeit gut zu verteilen und am Ende besser zu machen.

Haben Sie sich einen konkreten Zeitplan gesetzt, wann der erweiterte Vorstand komplett sein soll?

Laut unserer Satzung soll eine Mitgliederversammlung immer im März oder April stattfinden. Wir haben es uns jetzt zur Aufgabe gemacht, bis dahin die Arbeiten klar zu verteilen.

Sie sehen sich selbst als klassischen Funktionär und bringen Erfahrungen aus der Wirtschaft und Politik mit ein. Liegt darin vielleicht sogar ein Vorteil, um das gewünschte, breitere Vorstandsteam zu führen?

Es hat sicherlich einen Grund, warum ich gefragt wurde, diese Position auszufüllen. Es gibt offensichtlich Personen, die da fest an mich glauben. Ich denke, ich habe es in anderen Positionen auch schon bewiesen. Aber genau wissen wir das erst in frühestens einem halben Jahr.

Wie konkret sieht Ihre Aufgabe als Präsident des 1. FC Lok Stendal aus?

Meine Arbeit besteht darin, die Mitgliederversammlungen zu führen und zu schauen, dass die Arbeit gerecht auf alle Schultern verteilt wird. Und dann sehe ich mich vor allem als Verbindungsperson zu unseren Sponsoren, zur Wirtschaft, zur Politik und zur Verwaltung.

Sie sind jetzt für zwei Jahre gewählt. Sehen Sie sich eher als zweijährige Interimslösung oder möchten sie eine ähnliche Ära begründen wie Ihr Vorgänger?

Das kann ich Ihnen auch frühestens in einem halben Jahr beantworten.

Professor Nellessen war elf Jahre im Amt. Das ist eine lange Zeit, in der sich auch Sachen einschleifen können. Sehen Sie jetzt schon Dinge, die der 1. FC Lok vielleicht grundsätzlich neu denken muss?

Das wird es bestimmt geben. Aber ich denke, da ist die Zeit noch zu früh, um das öffentlich auszuführen.

Es war für den alten Vorstand ein langer Weg, jemanden zu überzeugen, die Verantwortung als Präsident zu übernehmen. Was denken Sie, hat diese Aufgabe so abschreckend gemacht?

Abschreckend ist das falsche Wort. Ich denke, Interesse hätten schon mehrere gehabt. Aber die Verantwortung ist natürlich groß. Sie können hier auch gnadenlos scheitern. Das möchte niemand und ich auch nicht.

Sie haben als sportliches Ziel das obere Drittel der Oberliga ausgegeben. Das ist in Anbetracht der aktuellen Situation durchaus mutig. Wie kann der 1. FC Lok das erreichen?

Niemand will unnötig Druck aufbauen. Ich bin aber felsenfest der Meinung, dass wir motivierte, junge Spieler haben. Wir haben eine top Mannschaft und einen top Trainer. Natürlich geht es jetzt erstmal um was anderes, aber ich traue Mannschaft und Trainer das zu.

Die Vereine im oberen Drittel verfügen wirtschaftlich über andere Mittel als Lok. Professor Nellessen sah die Altmark im Vergleich zur Konkurrenz aus Berlin stets als Standortnachteil. Wie kann der 1. FC Lok aufholen?

Wenn wir das als gegeben akzeptieren würden, bekommen wir Probleme, langfristig Bestandteil der Oberliga zu bleiben. Wir werden uns breiter aufstellen. Dann werden wir ausschwärmen und mit potenziellen Sponsoren sprechen. Vielleicht sogar über die Region hinaus. Wir müssen auch Sponsoren für uns gewinnen, die sich bis jetzt vielleicht noch nicht bei Lok engagiert haben.

Der 1. FC Lok Stendal ist auch auf eine gute Jugendarbeit angewiesen. In der Vergangenheit lief im Nachwuchsbereich nicht alles rund. Haben Sie konkrete Pläne, wie sich der Verein auch dort wieder besser aufstellen lässt?

Ich war jetzt schon bei einem Jugendtrainer-Treffen dabei. Wir haben in einem ersten Schritt vereinbart, dass wir künftig zeitnah die Protokolle dieser Sitzungen vorliegen haben möchten, um Probleme frühzeitig zu erkennen. Es muss uns hier gelingen, noch mehr Trainer zu gewinnen und eine engere Verzahnung zwischen den Herrenmannschaften und dem Nachwuchs herzustellen.

Wo möchten Sie den 1. FC Lok Stendal sehen, wenn Ihre erste Amtszeit in zwei Jahren endet?

Ich möchte, dass hier ein attraktiver Fußball gespielt wird, dass die Mannschaft sich engagiert. Da ist es eigentlich zweitrangig, in welcher Liga das geschieht. Ich möchte, dass wir attraktiv sind für Zuschauer und Sponsoren und dass es uns daraus gelingt, junge Menschen zu gewinnen, die hier Fußball lernen möchten und an die Herrenmannschaften herangeführt werden. Dann wird sich alles andere ergeben.

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