FUSSBALL – OBERLIGA Finanzprobleme am „Hölzchen“ / Fünf Abgänge

1. FC Lok in Not

Hinter den Toren des 1. FC Lok Stendal brodelt es: Die finanziellen Probleme sind groß. Doch von einer Pleite könne keine Rede sein, dementiert Präsident Thomas Weise Gerüchte.
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Hinter den Toren des 1. FC Lok Stendal brodelt es: Die finanziellen Probleme sind groß. Doch von einer Pleite könne keine Rede sein, dementiert Präsident Thomas Weise Gerüchte.

Stendal – Der 1. FC Lok Stendal hat aktuell mit massiven finanziellen Problemen zu kämpfen. Deren Ursachen liegen nicht primär in der Corona-Krise, sondern in einer Misswirtschaft während der jüngeren Vergangenheit.

Diese Information wurde der Sportredaktion der Altmark Zeitung in den vergangenen Tagen von drei, voneinander unabhängigen, Quellen zugetragen. Eine dieser Quellen bezieht sich in ihren Ausführungen sogar auf Präsidiumskreise.

Demnach habe der altmärkische Traditionsverein allein im Jahr 2019 einen Verlust in fünfstelliger Höhe eingefahren. Das erst im vergangenen November gewählte Präsidium um den neuen Vereinsvorsitzenden Thomas Weise hat die Probleme von seinen Vorgängern um Ex-Präsident Ulrich Nellessen „geerbt“ und sucht aktuell nach Lösungen, um einen finanziellen Kollaps des Klubs abzuwenden. Diese Aufgabe fällt unter anderem in die Zuständigkeit von Schatzmeister Torsten Pfeiffer, der als einziges aktuelles Vorstandsmitglied bereits unter Nellessen in der Führungsetage des Vereins vertreten war.

Ein Lösungs-Ansatz liegt dabei auf erheblichen Einsparungen im Kader der Oberliga-Mannschaft. Die bisherigen Gehälter einiger Spieler sind für den 1. FC Lok nicht mehr zu stemmen, weshalb der Verlust zahlreicher Leistungsträger nach AZ-Informationen unmittelbar bevorsteht. Demnach gilt als wahrscheinlich, dass Tim Schaarschmidt, Martin Krüger, Felix Behling, Vincent Kühn, Steffen Westphal und Patrick Baudis den Verein im Sommer verlassen werden.

Weitere Spieler könnten folgen, sollten die finanziellen Einschnitte für das kickende Personal besonders drastisch ausfallen. Auch die aus der Finanznot resultierende fehlende sportliche Perspektive könnte ausschlaggebend für weitere Abgänge sein. Ob der Verein in der kommenden Saison einen wettbewerbsfähigen Oberliga-Kader stellen kann, ist derzeit alles andere als gesichert.

Die Vertragsverlängerung mit Trainer Jörn Schulz ist zwar noch nicht vollzogen, gilt aber trotz aller Probleme weiterhin als sicher. Anders verhält es sich bei Co-Trainer Phillip Görtz, der die Rolandstädter verlassen wird.

Ursächlich für die roten Zahlen des 1. FC Lok Stendal soll vor allem dessen Zugehörigkeit in der Oberliga sein, mit der sich der Verein seit dem Aufstieg 2017 finanziell übernommen habe. Dass die Probleme erst jetzt ans Tageslicht treten, obwohl Lok bereits vor drei Jahren den Schritt in die fünfte Liga gewagt hat, liegt an den Erlösen aus der Teilnahme am DFB-Pokal 2018, mit denen sich die Stendaler zumindest für einen gewissen Zeitraum über Wasser halten konnten.

Präsident Thomas Weise weiß um die prekäre Situation, dementiert allerdings Pleite-Gerüchte. „Lok Stendal hat nicht einen Cent Verbindlichkeiten.“ Und: „Wir müssen keinen Kredit aufnehmen, um unsere Verpflichtungen zu erfüllen.“ Natürlich sei die Lage aufgrund der Corona-Krise angespannter denn je. Denn: „Wir haben aktuell keine Einnahmen.“ Zwar hätten die Jugendtrainer auf ihre Vergütung verzichtet und für die Geschäftsstelle sei Kurzarbeit beantragt worden. Trainer Jörn Schulz habe auf Einnahmen verzichtet. „Auch von den Spielern der Oberliga-Mannschaft haben wir Solidarität eingefordert.“ Die fehlenden Einnahmen seien dennoch nur sehr schwer zu kompensieren.

Umso glücklicher war der Präsident gestern nach einem Gespräch mit dem Hauptsponsor. Die Sparkasse werde dem Verein weiter zu Seite stehen. Der Vertrag werde in Kürze unterschrieben. Ein Signal, das dem 1. FC Lok ermöglicht, auch in der nächsten Saison mit der 1. Herrenmannschaft in der Oberliga auflaufen zu können. Dann aber mit einem kleineren Kader. Fünf der sechs Spieler, deren Vertrag regulär ausläuft, werden den Verein verlassen, bestätigt Weise. Mit dem Sechsten laufen die Gespräche noch. Im Kader seien dann noch 18 Spieler mit laufenden Verträgen. Bei den meisten gelten diese nur für die Ober- und nicht für die Verbandsliga.

Ein Grund dafür, warum Lok nicht freiwillig die Rolle rückwärts wagt. „Es kann passieren, dass wir dann nur auf die Nase kriegen“, ist sich Weise bewusst. Doch Vorstand, Trainer und Spieler sind sich einig. Denn auch in der Verbandsliga sei keineswegs klar, dass Lok im oberen Drittel mitspielen würde. Klar ist allerdings, dass sich die Eisenbahner nicht mit „Legionären von sonst wo“ verstärken. Eigener Nachwuchs, Spieler aus der 2. Männermannschaft sowie aus der Region sollen integriert werden. Mit Trainer Schulz sei ein langfristiger Vertrag in Vorbereitung. „Wenn er junge Leute einbaut, braucht er seine Zeit.“ Diese solle er bekommen.

„Wir haben noch viele Hausaufgaben. Aber wir können die Saison ganz normal, wenn sie denn losgeht, starten“, bleibt Weise optimistisch. Zumal er große Firmen der Region als Sponsoren gewinnen möchte.

VON TOBIAS HAACK UND SABINE LINDENAU

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