Die Randsportart Judo fristet ein Schattendasein, verweist aber auf Vorteile

Für das Leben lernen

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Bei der Siegerehrung müssen die Judoka warten. Wer überhaupt zum Judo geht, lernt nicht nur einen komplexen Sport, sondern auch viel fürs Leben.

Stendal. Die Rolle vorwärts, den Handstand, oder einfach dem Gegenüber respektvoll begegnen. Alles Dinge, die im späteren (sportlichen) Leben nützlich sein können. All das können Kinder und Jugendliche erlernen. Im Judo.

Im „besten Randsport, den es gibt“, findet Tobias Heim. Er ist Vorsitzender des Stendaler Judovereins, einer von 48 Klubs in Sachsen-Anhalt. Der japanische Kampf-Sport fristet wie viele Sportarten ein Schattendasein vom König Fußball. Millionen Kinder strömen zum Fußball, im Judo sind es längst nicht so viele.

Mike Kopp hat dennoch viele Judoka im Blick. Der Landestrainer des Judo-Verbandes Sachsen-Anhalt sichtet bei Turnieren oder Trainings die Talente in allen Altersklassen, die in den Vereinen auf sich aufmerksam gemacht haben. Die besten gelangen ins Landesleistungszentrum in Halle, wie etwa der Stendaler Marius Elfert, der für den SV Halle in der 2. Bundesliga kämpft. Wie beim Fußball soll auch beim Judo kein Talent nicht gesehen werden.

Kopp geht es aber nicht nur um den reinen sportlichen Aspekt bei den jungen Judoka. „Es geht auch um die Werte, die Judo vermittelt“, merkt der Landescoach zu den Vorteilen des Sports an. Dem Nachwuchs wird zum Beispiel Respekt oder Höflichkeit gelehrt, das kann im heutigen Alltag in einer Gesellschaft voller Egoismus freilich nicht schaden. „Das ist wichtig fürs spätere Leben“, erklärt Kopp. Andreas Stolberg, Jugendtrainer beim TSV Tangermünde, sieht auch im Training nicht nur die sportliche Entwicklung hin zur Wettkampfreife, sondern auch den Menschen hinter dem Kind. „Die Kinder werden selbstbewusster“, beschreibt Stolberg eine positive Wirkung.

Klar, ein Olympiasieger oder sonstige ehrenhafte Titelträger zu formen, ist ein Anreiz. „Es ist schön, wenn man die Talente hat“, bemerkt Stollberg, doch „die zu finden und zu fördern“, ist die eigentliche Aufgabe in den Vereinen. Landestrainer Kopp würde sie sich anschauen, auch in der Altmark. Es gibt Trainings in der Landessportschule Osterburg oder, wie im November, ein Talentetraining in Havelberg. Das sei „sehr interessant“. Auch den Norden Sachsen-Anhalts lässt der Verband nicht aus.

Für die Kinder, die zum Judo kommen, ist der direkte Kontakt mit dem Kontrahenten auf der Matte kein Problem. „Die Kinder wollen sich messen“, befindet Stendals Vereinschef Heim. Der Sport sei „vielfältig“, stellt Klaus Liebsch, Vorsitzender des Kreisfachverbandes Stendal-Altmark heraus.

In der Altmark setzen sich die Vereine und Funktionäre, auch untereinander, für ihre Sportart ein. Aber sie wissen alle: „Judo ist und bleibt eine Randsportart.“ Das unterstreicht Herbert Luksch, Vorsitzender des Wassersportverein Havelberg, der neben Kanu noch Judo anbietet.

Von Benjamin Post

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