Fußball-WM 2018: Altmärkische Trainer gehen mit der deutschen Nationalelf hart ins Gericht

„Laufen ist nicht verboten“

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Mats Hummels (l.) und Mario Gomez können es nicht fassen. Die deutsche National-Mannschaft enttäuschte bei der Fußball-WM in Russland und schied in der Vorrunde aus.

Altmark. Brasilien 1966, Frankreich 2002, Italien 2010, Spanien 2014 und jetzt auch Deutschland – der amtierende Fußball-Weltmeister scheitert bei seinem nächsten WM-Turnier bereits in der Vorrunde.

Dass es nun auch die deutsche Mannschaft erwischt hat, sorgt für Fassungslosigkeit bei den Fußballfans des Landes. Die Altmark-Zeitung hat sich bei den altmärkischen Experten, den Fußballtrainern, umgehört, die sich bei ihrer Ursachensuche einig waren. Dem deutschen Spiel fehlte es an Tempo und Überraschungen, ein Führungsspieler war nicht zu erkennen.

„Laufen ist nicht verboten“, meinte Ronny Müller, Ex-Trainer des SV Langenapel, zu den offensichtlichen körperlichen Defiziten. „Unsere Mannschaft ist nicht mehr Weltklasse. Einige Spieler, wie Sami Khedira, haben ihren Zenit überschritten, das Thema Özil/Gündogan hat für Verunsicherung gesorgt. Zudem fehlten ein, zwei Führungsspieler. Selbst Toni Kroos, bei Real Madrid nur von Weltklasseakteuren umgeben, fehlten die Antworten.“

Auch der langjährige Trainer von Eintracht Salzwedel, Burghardt Schulze, vermisste Führungsspieler vom Kaliber Philipp Lahm, Per Mertesacker und vor allem Bastian Schweinsteiger, die 2014 die Mannschaft regelrecht mitgerissen und angetrieben haben. „Ich konnte keine Hierarchie auf dem Platz erkennen. Ich hatte auch den Eindruck, dass die Weltmeister satt waren, der Wille zum Sieg, den man einfach haben muss, hat gefehlt. Es war kein Tempo in unserem Spiel, das war Altherren-Fußball.“

Jens Knoblich, Trainer der SpG Bismark/Dobberkau, schlug in die gleiche Kerbe wie seine Vorredner. „Ich habe bei den Spielern keine Ausstrahlung, keinen Willen und kein Tempo im Spiel gesehen. Hinzu kommt das schwache Flügelspiel, das uns eigentlich so ausgezeichnet hat. Nach dem Last-Minute-Sieg gegen Schweden hatte man erwartet, dass ein Ruck durch die Mannschaft geht. Es war aber keiner da, der die anderen mitreißt.“ Knoblich ist sich sicher, dass „von einigen Spielern die Zeit auch einfach abgelaufen ist“ und brachte es anschließend auf den Punkt: „Das Ausscheiden in der Vorrunde ist natürlich total blamabel.“

Norbert Scheinert: „Das war Schlafwaagen-Fußball.“

Das fehlende Tempo bemängelte auch Norbert Scheinert, Coach von Landesliga-Aufsteiger SSV Gardelegen. „Das war Schlafwagen-Fußball. So darf man keine WM spielen. Das war schläfrig, behäbig, Sprints von unseren Spielern habe ich nicht gesehen. Die Bereitschaft, alles zu geben, hat mir gefehlt. Özil und Khedira waren Totalausfälle. Wir sind zurecht ausgeschieden.“ Für Norbert Scheinert ist ein „schnelles Passspiel der Schlüssel zum Erfolg“, zu sehen war davon mit der Ausnahme der zweiten Halbzeit gegen Schweden im deutschen Spiel nichts.

Nur eine gute Halbzeit reicht nicht zum Weiterkommen. Auch Marko Trostmann, Trainer der Talenteliga-Mannschaft des SV Eintracht Salzwedel war von den Leistungen der Deutschen enttäuscht. „Kein schnelles Umschaltspiel, stattdessen haben wir das Spiel langsam gemacht. Unsere Spieler haben auch kaum die 1:1-Situationen gesucht. Für eine WM war das viel zu wenig.“

Dirk Grempler: „Verdient ausgeschieden.“.

Dirk Grempler vom Landesligisten TuS Schwarz-Weiß Bismark pflichtet seinen Kollegen in allen Punkten bei und gab seine Beobachtungen vor dem Turnier preis. „Es hatte sich in den letzten Monaten schon angedeutet. Die Mannschaft hat einfach nicht mehr fußballerisch begeistert und die Leichtigkeit vermissen lassen.“ Außerdem mahnte Grempler die Sturheit des Bundestrainers im Hinblick auf das Spielsystem an. „Ich hätte mir einfach gewünscht, dass Löw taktisch früher reagiert und die Mannschaft umfunktioniert hätte. Im Endeffekt ist die Mannschaft auf jeden Fall verdient ausgeschieden.“

Von Patrick Nowak und Renee Sensenschmidt

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