Fußball: Sven Körner nach 15 Jahren beim 1. FC Lok Stendal im großen AZ-Abschiedsinterview

„Langweilig wurde es hier nie“

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Als Spieler lief Körner zehn Jahre für Lok Stendal auf.

Stendal. Er war abgesehen von einem kurzen Intermezzo bei Preußen Magdeburg 15 Jahre im Verein. Exakt 1. 900 Tage davon hatte er als Trainer des 1. FC Lok Stendal das Sagen.

Landesmeister 2017: Auf dem Höhepunkt seiner Trainerzeit in Stendal war sich Sven Körner nicht zu schade, vor den Fans mit dem Megafon für Stimmung zu sorgen. 

Keine Frage: Sven Körner hat sich in den vergangenen anderthalb Jahrzehnten zum Gesicht des altmärkischen Traditionsklubs entwickelt. Vor knapp zwei Wochen wurde er wegen Erfolglosigkeit als Trainer freigestellt. Kurz darauf kündigte er seine Mitgliedschaft. Körner und der 1. FC Lok, das ist nun offiziell Vergangenheit. Im Gespräch mit Sportredakteur Tobias Haack blickt der gebürtige Hallenser auf seine bewegte Zeit am „Hölzchen“ zurück und erklärt, warum es kein Fehler war, die Altmark einer Profi-Karriere als Spieler vorzuziehen.

Sven Körner, im Sommer 2003 fing alles an. Was hatten Sie für Erwartungen an Lok Stendal, als sie als 21-jähriger Spieler vom Halleschen FC in die Altmark gewechselt sind?

Mit diesem Wechsel war mir klar, dass ich kein Fußballprofi mehr werde. Es ging mir um einen guten Einstieg in das Berufsleben. Nebenbei wollte ich so hochklassig wie möglich Fußball spielen. Diese Möglichkeit hatte ich in Stendal. Ich hätte damals auch zu VV Maastricht in die 2. holländische Liga wechseln können, aber ich habe mich schweren Herzens für die vernünftigere Variante entschieden.

Im Nachhinein kein falscher Schritt. Sie sind in Stendal sportlich und privat heimisch geworden. Umso trauriger dürfte der Moment gewesen sein, als sie in der vergangenen Woche Ihre Sachen aus dem „Hölzchen“ geholt haben und alles vorbei war.

Es war auf jeden Fall eine ungewohnte Situation, dort mein Zimmer zu räumen. Trainer bei Lok zu sein, ist eine sehr zeitintensive Aufgabe. Dass Gefühl, als es vorbei war, war von Enttäuschung geprägt.

Das klingt, als ob Sie die Entscheidung des Vorstands, Sie zu beurlauben, nicht nachvollziehen können.

Meiner Meinung nach muss man die Situation anders bewerten. Wir haben fast nur gegen Mannschaften aus der oberen Tabellenhälfte gespielt. In der Vergangenheit haben wir es auch immer gut hinbekommen, den eigenen Nachwuchs heranzuführen und erfolgreich zu sein. Aber das ist ein schwieriger Spagat. In diesem Jahr haben wir im Sommer Leistungsträger verloren und nur Spieler dazu geholt, die noch in der Entwicklung sind. Aus verschiedenen Gründen konnten wir auch nicht so oft und intensiv trainieren, wie es für die Oberliga nötig gewesen wäre. Es war alles ein schleichender Prozess.

Der 1. FC Lok macht nicht nur auf dem Platz einen angeschlagenen Eindruck. Wie ist die Situation heute, wenn Sie es mit Ihrer Anfangszeit in Stendal vergleichen?

Damals gab es einfach viel mehr Leute, die Verantwortung übernommen haben. Das hat rapide abgenommen. Es sind zu wenig Leute im Verein für zu viele Aufgaben. Die Arbeit nimmt dadurch überhand, was dazu führt, dass Trainer und Verantwortliche mitunter überfordert sind. Sportlich konnten wir uns durch Ruhe und Kontinuität entwickeln.

Wie haben Sie Ihre Zeit als Spieler bei Lok erlebt?

Es war definitiv kein Fehler, sich für Stendal entschieden zu haben. Ich hatte hier mit Frank Lieberam, Wolfgang Sandhowe und Volkan Uluc sehr gute Trainer. Es gab Zeiten, da stand ich mit Spielern auf dem Platz, die das hauptberuflich gemacht haben. Dann aber auch Jahre, wo wir mit elf Mann zu den Spielen gefahren sind. Es war eine schöne, intensive Zeit, in der es nie langweilig geworden ist.

Zu Ihrem Glück als Trainer wurden Sie dann fast gezwungen. Zunächst mit 28 Jahren als Interimstrainer nach Guido Schmidt. Später, mit 31, als Nachfolger von Thomas Schulze. Warum haben Sie sich damals so jung dazu entschlossen, die Spielerkarriere zu beenden und Trainer zu werden?

Also als ich das erste Mal Interimstrainer war, war es zu früh. Ich hatte keinen eigenen Weg und habe viele Dinge von Wolfgang Sandhowe weitergeführt. Als mich Professor Nellessen dann im Juli 2013 gefragt hat, habe ich lange überlegt. Ich hatte dann aber eine klare Idee von Fußball und habe bewusst auf das Trainerdasein gesetzt. Ich wollte schon immer Trainer werden und habe deshalb die Chance bei einem Traditionsverein wie Lok bewusst ergriffen.

Haben Sie damals diese Erfolgsgeschichte mit Oberliga-Aufstieg, Landespokalfinale und DFB-Pokal-Teilnahme für möglich gehalten?

Ja, das habe ich. Es war für uns Ansporn genug, erfolgreich zu sein. Der Erfolg beruhte auf der Arbeit von vielen im Verein.

War es rückblickend betrachtet ein Fehler, nicht im Sommer auf dem Höhepunkt zurückgetreten zu sein?

Ich habe wirklich lange überlegt, ob ich meinen Vertrag nochmal verlängern sollte. Die Herausforderung DFB-Pokal und auch die stärkere Oberliga-Staffel als Unbekannte waren sehr reizvoll.

Was haben Sie bei Ihrer Entscheidung zur Vertragsverlängerung übersehen?

Ich denke nicht, dass ich etwas übersehen habe, aber mit der Zeit entstehen halt Abnutzungserscheinungen. Lok Stendal ist und bleibt aufgrund fehlender finanzieller Mittel ein Ausbildungsverein mit Höhen und Tiefen, dem muss man sich bewusst sein.

Was waren in 15 Jahren Lok Stendal die Höhepunkte und was bleibt negativ in Erinnerung – abgesehen von den sportlichen Erfolgen und dem unschönen Ende.

Positiv waren auf jeden Fall die guten Trainer, von denen ich sehr viel für die Zukunft mitnehmen konnte. Negativ waren immer die Verletzungen. Sowohl die eigenen, als auch die von Spielern wie zuletzt Moritz Instenberg. Als Trainer ging es für mich hier fast nur nach oben. Das wird auch definitiv hängen bleiben.

Haben Sie Sorge, dass das Erreichte der vergangenen Jahre aufgrund der bisher chaotischen Saison in naher Zukunft zerstört werden könnte?

Nein, das glaube ich nicht. Die Mannschaft hat das Potenzial, die aktuelle Situation zu überstehen und wieder positive Schlagzeilen zu schreiben.

Wo steht der Trainer Sven Körner in fünf Jahren und wo der 1. FC Lok Stendal?

Für Lok hoffe ich, dass es dann noch auf der Oberliga-Landkarte zu finden ist. Ich möchte dann ein Trainer sein, der jungen Spieler so viel vermittelt, dass sie sagen können: „Der Körner war vielleicht nicht einfach, aber ich habe viel mitgenommen.“ Außerdem möchte ich meine Fußballlehrer-Lizenz machen. Das ist mein Traum.

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