Fußball, Landesklasse: Außenseiter kommt mit einfachen Mitteln zum Erfolg

Krüdens Darmstädter Weg

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Ronny Laubstein (links) eilt mit dem SV Krüden/Groß Garz von Erfolg zu Erfolg. In der Landesklasse hat der Außenseiter jetzt schon neun Punkte gegen den Abstieg gesammelt.

Krüden/Groß Garz. Der SV Darmstadt 98 gilt spätestens seit der vergangenen Bundesliga-Saison als Inbegriff für einen Underdog, der entgegen aller Vorurteile seine Erfolge feiert.

Als „größten Außenseiter der Geschichte“ bezeichneten sich die Lilien vor gut einem Jahr, ehe sie sensationell zum Klassenerhalt stürmten. Einen ähnlichen Weg schlägt derzeit der SV Krüden/Groß Garz in der Fußball-Landesklasse ein. Als Abstiegskandidat Nummer eins – laut eigener Einschätzung – in die Saison gegangen, sind die Krüdener/Groß Garzer aktuell neben dem SSV Havelwinkel Warnau das einzige Team ohne jeglichen Punktverlust. Sie gehen den Darmstädter Weg.

„Es sieht nicht immer schön aus, was wir machen, aber wir spielen, was wir können“, beschreibt Trainer Axel Prycia den (Erfolgs-)Stil seiner Mannschaft. Hinten stehen die Nordaltmärker erstaunlich kompakt, offensiv sitzt nahezu jeder Torschuss. „Es passt alles, aber es ist nur eine Momentaufnahme“, so Prycia, der noch vor wenigen Wochen mit allem gerechnet hätte, aber sicherlich nicht mit einem Neun-Punkte-Start nach drei Spielen. Die Vorbereitung des SV Krüden/Groß Garz verlief in den Augen des erfahrenen Trainers nämlich alles andere als optimal. Die Trainingsbeteiligung war gering, Grundlagen konnten kaum gelegt werden. Die Mannschaft ging nahezu kalt in ihre dritte Saison in der 8. Liga.

Umso erstaunlicher war der Start. Einem 3:2-Heimsieg gegen den FSV Havelberg folgte ein 2:1-Erfolg beim TuS Wahrburg. „Das waren enge Spiele, in denen wir das Glück hatten, dass uns in den letzten zwei Jahren gefehlt hat“, zieht Prycia nüchtern Bilanz. Den zwei Arbeitssiegen folgte am Wochenende die 4:0-Gala gegen Top-Favorit Möringer SV. „An dem Tag hat alles geklappt“, so der Trainer. Und wieder war es die starke Defensive, die den Grundstein legte und auch in den kommenden Wochen die Gegner mit ihrem kompromisslosen Spiel entnerven will. „Die müssen gar nicht viel reden. Die verstehen sich da blind“, adelt Prycia seine Viererkette.

Inzwischen haben die jüngsten Erfolge des Außenseiters auch innerhalb der Mannschaft zu einem Umdenken geführt. Die Trainingsbeteiligung ist angestiegen und auch die Einstellung hat sich gebessert. „Endlich haben die Jungs kapiert, dass man privat auch mal kürzer treten muss bei unserem dünnen Kader“, freut es den Trainer. Zudem profitiert der SV Krüden/Groß Garz von der Auflösung des Kreisklassisten Schönberger SV. „Einige Jungs trainieren jetzt bei uns mit und umso mehr Leute beim Training sind, desto mehr Spaß macht es“, schildert Prycia.

Dass den derzeitigen Tabellendritten in den kommenden Wochen die ersten Rückschläge ereilen werden, ist allen Krüdenern bewusst. Den ganz großen Druck im Abstiegskampf haben aktuell aber erst einmal andere, während die Prycia-Elf mit der Unbekümmertheit eines SV Darmstadt 98 in die kommenden Spiele gehen kann.

Von Tobias Haack

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