TENNIS: Amy Marscheider wird bei der Hallen-LM sensationell Zweite

„Konnte es nicht glauben“

Der Blick geht zum Ball: Amy Marscheider. Die 16-Jährige feierte mit dem Final-Einzug bei den Tennis-Hallenlandesmeisterschaften ihren größten Erfolg. 
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Der Blick geht zum Ball: Amy Marscheider. Die 16-Jährige feierte mit dem Final-Einzug bei den Tennis-Hallenlandesmeisterschaften ihren größten Erfolg. 

Stendal – „Das Match wird zwischen den Ohren gewonnen. “ Was die deutsche Tennislegende Boris Becker schon vor einem Vierteljahrhundert wusste, ist auch heute noch brandaktuell. Tennis ist ein mentaler Sport, wird zu 95 Prozent im Kopf gewonnen.

Spätestens seit den Hallenlandesmeisterschaften der Damen und Herren am zurückliegenden Wochenende in Halle würde Amy Marscheider dies auch unterschreiben. Die Stendalerin lag im Halbfinale gegen die topgesetzte Leni Hirschmann aussichtslos zurück. Und konnte dennoch gewinnen. Der größte Erfolg in der Karriere der 16-Jährigen.

„Ich konnte es erst gar nicht richtig glauben. Das war so ein Schockmoment.“ Amy Marscheider erinnert sich noch genau an den Augenblick, als ihre Kontrahentin im Semifinale einen Doppelfehler fabrizierte. Dieser war gleichbedeutend mit dem Sieg und dem Finaleinzug der Altmärkerin. Lange hatte es aber so ausgesehen, als würde sie als Verliererin vom Court gehen. Im ersten Satz gegen die Hallenserin bekam sie gar nichts auf die Reihe. Ihre Nervosität machte sich in leichten Fehlern bemerkbar. Die Folge: Der erste Satz ging deutlich mit 6:1 an die Favoritin. War Amy noch mit dem unbedingten Siegeswillen und dementsprechend zu verkrampft in die Partie gestartet, so wurde sie nun lockerer. „Ich habe mir gedacht, das wird heute nichts mehr.“ Die Statistik sprach ohnehin für Hirschmann, die die letzten vier Matches für sich entscheiden konnte.

Doch urplötzlich spielte Marscheider befreit auf, wollte einfach Spaß haben gegen die Spielerin der Leistungsklasse 1. Die Grundschläge, die im ersten Satz noch im Netz oder Aus landeten, saßen nun. „Jeder Ball war drin“, blickt das Stendaler Tennistalent auf den zweiten Satz zurück. Da sie sich nach Winnern nun immer anfeuerte, gelang es ihr, die Hallenserin mental zu knacken. So ging dieser Durchgang mit 6:3 gewonnen.

Der Dritte musste die Entscheidung bringen. „Der war noch enger als der zweite.“ Zumal langsam auch die Kräfte nachließen. Lange Grundlinienduelle zehrten an der Kondition. „Ich habe so mit mir gekämpft.“ Der Siegeswille war zurück, die spielerische Leichtigkeit des zweiten Satzes verflogen. Als Marscheider beim Stand von 5:3 und 40:0 drei Matchbälle hatte, sah sie sich schon im Endspiel. „Dann habe ich zwei leichte Fehler gemacht und Leni einen guten Ball.“ Einstand. Durchatmen. Es gelang. Vorteil Amy Marscheider bei Aufschlag Hirschmann. Und da kam er, der Doppelfehler. Ein geschenkter Punkt, aber kein geschenktes Match. Die Altmärkerin hat sich diesen Erfolg hart erkämpft. War einfach erleichtert. Es dauerte Stunden, bis sie es wirklich realisiert hatte.

Im Finale am Sonntag fehlte dann die Kraft. Und Gegnerin Amina Kuc spielte einfach zu schnelle Bälle. Dass sie in den Winterferien im Trainingslager in Serbien war, während Amy Marscheider eine Erkältung auskurieren musste, machte sich bemerkbar. Am Ende unterlag sie 1:6, 3:6. Doch sie war darüber nicht allzu enttäuscht. Der Sieg am Vortag war bedeutender. War es doch das erste Mal, dass sie eine LK1-Spielerin schlagen konnte.

In den kommenden Wochen stehen noch ein paar Hallenturniere an, bevor es in die Vorbereitung der Freiluftsaison geht. Punktspiele bestreitet Marscheider in diesem Sommer als Gastspielerin für den 1. TC Magdeburg in der Landesoberliga. Hier kann sie Punkte sammeln, um die LK1 zu erreichen. Läuft die Saison weiter so gut, kann die Stendalerin in der deutschen Rangliste in die Top500 aufsteigen. Bis dahin muss sie weiter trainieren. Auf dem Court und mental ...

VON SABINE LINDENAU

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