FUSSBALL IN CORONA-ZEITEN Michael Fichte zwischen Frust und Laufeinheiten

Konditionell am Ball

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Frische Luft, Sonnenschein, Waldidylle: In den zurückliegenden Wochen drehte TuS-Fußballer Michael Fichte viele einsame Runden durch die Natur. Nun ist er froh, dass es zumindest zurück auf den Trainingsplatz geht.

Bismark – Die wärmende Frühlingssonne blinzelt zwischen den Bäumen hindurch. Keine Menschenseele in Sichtweite. Ruhe pur. Doch die Idylle auf den Waldwegen hinter dem Stadion nimmt Michael Fichte nicht mehr wirklich wahr.

Die Laufeinheiten sind für den Landesligafußballer des TuS Schwarz-Weiß Bismark längst zur Routine geworden. Wenn auch zu keiner geliebten. Wir haben den Defensivspieler auf einer Runde begleitet, die er für uns etwas lockerer angehen lässt.

Corona hat alles verändert. Auch für den 22-Jährigen. Nach dem monatelangen Regenerationsprozess aufgrund seines Syndesmosebandrisses war Michael Fichte gerade wieder in Form, gehörte nach der Winterpause auch schon wieder zur Startformation beim Landesligisten. Die Pandemie und die damit einhergehenden Beschränkungen haben ihn unerwartet ausgebremst. Dabei wollte er endlich durchstarten. Seit März absolviert der Polizeimeisteranwärter sein Praktikum in Gardelegen, muss sechs Monate lang nicht die Schulbank in Aschersleben drücken. Und hätte so bei jedem Training dabei sein können. Anders als noch im Februar, als der Punktspielbetrieb normal lief. „Ich weiß nicht, ob es Schicksal ist. Aber jedes Mal, wenn ich die Zeit habe, zum Training zu kommen, kommt irgendwas dazwischen.“. Dieses Mal ist es keine komplizierte Verletzung, die ihn stoppt, während er den ersten Lauf-Kilometer hinter sich gelassen hat.

Um die mühsam wieder aufgebaute Fitness nicht zu verlieren, begibt sich Fichte viermal wöchentlich zum Laufen in den Wald. Stemmt zusätzlich Gewichte. Konditionell ist er fast so gut drauf wie in Zeiten vor der Verletzung. Doch wegen der Corona-Krise war wochenlang an ein Training mit dem Ball nicht zu denken. „Das ist schon frustrierend“, sagt er, während er Sand unter den Laufschuhen fühlt. Rasen unter den Stollen wäre dem passionierten Kicker weitaus lieber. Seit einigen Tagen ist Training zumindest in kleinen Gruppen erlaubt. Einmal hat er daran auch schon teilgenommen. Doch die Einheit verlief natürlich fernab des Fußballgeschehens, wie er es gewohnt ist.

Nun zu wissen, dass die aktuelle Saison gelaufen ist, „ist schon ein komisches Gefühl.“ Aus der gesundheitlichen Perspektive hat der 22-Jährige Verständnis dafür. Doch sein Fußballerherz blutet. „Wenn ich am Wochenende nach Hause gefahren bin, habe ich mich immer auf Fußball gefreut. Jetzt wartet kein Punktspiel auf mich.“ In seiner Stimme klingt Wehmut mit. Die Geisterspiele in der Bundesliga, die am Sonnabend angelaufen sind, mag er sich nicht anschauen. „Es ist einfach nicht so, wie ich Fußball kenne und liebe.“ Selbst vor einer Geisterkulisse zu spielen, ist für Fichte nicht vorstellbar. „Da würde ich auch keinen Spaß dran haben.“

Am Laufen hat er auch nicht unbedingt Freude. Zumindest dann nicht, wenn er keinen Ball am Fuß spürt. Doch er will zumindest physisch nicht nachlassen, um zum Start der neuen Saison topfit zu sein. Wann auch immer das sein wird. Der Bismarker hofft, dass sich die Lage bis zum Herbst stabilisiert hat, sodass ein einigermaßen normaler Punktspielbetrieb möglich ist. Für ihn steht fest: Er wird auch dann wieder für den TuS auflaufen.

Auch wenn er von drei Landesligisten Anfragen erhalten habe, bleibt er hier. „Mein Lebensmittelpunkt ist in Bismark. Ich habe es versucht in Schönebeck, das hat dann nicht so geklappt, wie ich es mir vorgestellt habe.“ Auch wenn er fußballerisch durchaus Qualitäten für höhere Ligen hat, so ist er doch zu sehr in der Kleinstadt verwurzelt. „Wenn nicht gerade der 1. FC Magdeburg anklopft, werde ich meinem Heimatverein treu bleiben“, meint er augenzwinkernd. So sind seine Ziele inzwischen bescheidener geworden. „Ich spiele Fußball in erster Linie zum Spaß und um Zeit mit meinen Freunden zu verbringen.“ Dennoch bremse ihn Corona aus. „Maschine“, wie er einst von seinem ehemaligen Coach Dirk Grempler getauft wurde, wollte während seiner Praktikumszeit im Training Gas geben, um auch wieder eine Führungsrolle in der Mannschaft übernehmen zu können. Doch das muss nun warten.

Die Laufeinheiten reduziert Fichte etwas, darf ja nun öfter mit dem Ball auf den Rasen. Ganz ohne die Runden durch den Wald wird es dennoch nicht gehen, um die Form nicht zu verlieren.

VON SABINE LINDENAU

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