FUSSBALL Spieler des 1. FC Lok spricht über seinen negativen Corona-Test

Kolzenburg: „Teilweise surreal“

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Zwischen Corona-Verdacht und Quarantäne: Tim Kolzenburg vom 1. FC Lok Stendal hat ein aufwühlendes Wochenende hinter sich.

Stendal – Wenn aus einem Skilager mit der Studiengruppe Quarantäne wird: Tim Kolzenburg hat es erlebt. Der Spieler des 1. FC Lok Stendal stand unter Corona-Verdacht. Sein Test fiel negativ aus.

Mit der AZ sprach er über die Zeit zwischen unzähligen Nachrichten, beauftragten Einkäufen und der Angst, andere angesteckt zu haben.

Während des Gesprächs ist dem 24-Jährigen nichts mehr anzumerken. Der Schock des Verdachts sei verarbeitet. Zwischen dem vergangenen Freitag und Sonntag ging es für Kolzenburg gefühlstechnisch in mehrere Richtungen. Er hatte am Freitag von seiner Universität erfahren, dass jemand aus seiner Studiengruppe während des Aufenthalts in Südtirol positiv getestet wurde.

Schnell stellte sich der Oberliga-Fußballer die Frage, ob er auch infiziert sei. Und vor allem: Mit wem hatte er zuletzt zu tun? „Die Angst war da, dass man das weitergeleitet hat“, gesteht Kolzenburg. Schließlich hatte er seit seiner Rückkehr aus Südtirol Kontakt zu seinen Eltern, Großeltern sowie zu den Lok-Mannschaftskollegen. Dazu zählt auch Martin Gödecke, mit dem Kolzenburg zusammenwohnt.

Konkrete Anzeichen bei sich selbst oder anderen Teilnehmern waren nicht zu erkennen. Im Nachhinein erfuhr Kolzenburg, dass sich eine positiv getestete Person eine Woche vor dem Skilager im Italien-Urlaub befand. Panisch wurde die Studiengruppe nicht. „Da haben wir uns keine Gedanken gemacht, weil das zu der Zeit noch kein Risikogebiet war“, so Kolzenburg rückblickend über seinen Aufenthalt in Südtirol.

Ab Freitag wurde es zunehmend hektisch. Das Handy hat nicht mehr stillgehalten. Die rund 40 Ski-Teilnehmer machten sich gleichermaßen Sorgen. Zig Nachrichten wurden in der WhatsApp-Gruppe versendet. Ab da realisierte der Mittelfeldspieler, womit er es zu tun habe. Neben der Familie stand Kolzenburg auch mit Trainer Jörn Schulz im Austausch. Das Mannschaftstraining wurde abgesagt. Es ginge darum, schnell einen Termin zu bekommen, um sich testen zu lassen.

Nach einigen Telefonaten wurde für Sonnabendmorgen ein Termin ausgemacht. In einer sporadisch eingerichteten Sporthalle, erzählt Kolzenburg, wurde er von Ärzten empfangen, die in Quarantäne-Anzüge gehüllt waren. Es sei „ein mulmiges Gefühl“. Kurz darauf erhielt er seinen Mundschutz und wurde getestet. Nach fünf Minuten war es vorbei. Von da an hieß es: warten. Und die Zeit irgendwie überstehen.

In der verordneten Hausquarantäne wurde Kolzenburg und Gödecke nicht langweilig. Beide Lok-Akteure gaben im Freundeskreis Einkaufsaufträge weiter oder griffen auf den Fernseher oder die Playstation zurück. Wurde das zu eintönig, widmeten sie sich zur Abwechslung Dingen für die Uni. „Das waren die Aufgaben, die wir erledigt haben“, kann Kolzenburg nun darüber lachen. Dass Gödecke dabei war, habe einiges erleichtert.

Ein Tag war bereits seit dem Test vergangen. Angespannt wartete Kolzenburg am Sonntag auf einen Rückruf. Doch es tat sich nichts. In der Regel wird das Ergebnis nach 24 bis 48 Stunden bekanntgegeben. Gegen 16 Uhr habe der ehemalige Barleber nicht mehr an eine Antwort gedacht. Zwischendurch erreichte ihn eine beunruhigende Information: „In dieser Zeit kam noch die Nachricht, dass ein Zweiter aus unserer Gruppe positiv getestet wurde, wo man sich denkt: Es ist schon wahrscheinlich, dass man positiv getestet wird.“

Unmittelbar danach gab es Entwarnung: Kolzenburg wurde negativ auf das Coronavirus getestet. Erneut lief sein Handy auf Hochbetrieb. Diesmal aber ohne besorgniserregende Nachrichten, sondern mit der frohen Botschaft. Der erste Anruf galt den Eltern. Danach wurde Mannschaftskollege Gödecke informiert, der sich ebenfalls einem Test hätte unterziehen müssen, wäre Kolzenburgs positiv gewesen.

Von da an hatte „Kolze“ alles überstanden. Eine Erfahrung sei es dennoch gewesen. Selbst Spaziergänge waren nicht mehr drin. Stattdessen saß er in den eigenen vier Wänden fest. „Man merkt, dass einem in der Zeit etwas fehlt“, sagt er über seine Quarantäne. „Das war teilweise auch surreal. So etwas kennt man ja eigentlich nur aus dem Fernsehen. Und auf einmal war man direkt davon betroffen. Das war schon eine Ausnahmesituation.“

VON PATRICK NOWAK

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