Fußball: Lok-Präsident Nellessen erklärt sich / Wunschkandidat Schulz sagt ab

„Körner war ein Volltreffer“

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Martin Gödecke (links) übernahm Verantwortung und leitete am Dienstag das Training beim 1. FC Lok Stendal.

Stendal. Am Dienstagabend um 18.30 Uhr war der Alltag zurück beim 1. FC Lok Stendal. Zwei Tage nach der Trennung von Trainer Sven Körner hat die Oberliga-Mannschaft die Vorbereitung für das kommende Auswärtsspiel in Torgelow aufgenommen.

In Abwesenheit von Co-Trainer Daniel Fest, der nun eigentlich für Körner übernehmen soll, leitete mit Martin Gödecke ein Spieler die erste Einheit nach fünf Jahren Körner.

Immerhin ist Gödecke seit dem Frühjahr stolzer Besitzer eine Trainer-B-Lizenz und wusste daher, was er zu tun hatte. Sein Mittel gegen die niedergeschlagene Stimmung im Kader: Spaß. Einer lockeren Erwärmung folgte ein Fußballtennis-Turnier. Die anwesenden 20 Spieler hatten sichtlich Freude und wirkten mit zunehmender Trainingsdauer gelöst. Dennoch ist klar, dass die derzeitige Konstellation keine Dauerlösung darstellen kann. Erst recht nicht nach dem Fehlstart mit fünf Pleiten in Serie.

Der Verein ist dieser Tage bemüht, eine schnelle Lösung auf dem Trainerposten zu präsentieren, musste aber gestern die erste Absage hinnehmen. Wunschkandidat Jörn Schulz hat sich nach kurzer Bedenkzeit für einen Verbleib beim Verbandsligisten FSV Barleben entschieden. Noch am Sonntag hatte ein Verantwortlicher des 1. FC Lok bei ihm angerufen. Am Montag folgte ein Gespräch, gestern dann die Absage. „Der Zeitpunkt hat leider nicht gepasst. Ich habe im Sommer dafür gekämpft, dass ich in Barleben diese Mannschaft habe, die ich jetzt habe. Ich hätte nicht mehr in den Spiegel schauen können, wenn ich nach fünf Spieltagen gegangen wäre“, erklärt Schulz seine Entscheidung, die er „schweren Herzens“ getroffen habe. „Ich bin einer, der selbst immer Ehrlichkeit predigt, dann hätte ich das jetzt nicht mit mir vereinbaren können.“

Was die Verantwortlichen des FSV Barleben freuen dürfte, macht die Situation am „Hölzchen“ nicht leichter. Schulz wäre in vielerlei Hinsicht eine passende Lösung gewesen. Ein junger Trainer mit Wurzeln in der Region, der sich bereits als Spieler einen gewissen Status beim 1. FC Lok Stendal erarbeitet hat. „Ich bin ein Stendaler Junge und wohne fünf Minuten vom Stadion entfernt. Trotzdem hat es leider im Moment nicht gepasst. Ich glaube aber, dass die Mannschaft charakterstark genug ist, sich aus dieser Situation zu befreien, egal mit welchem Trainer“, so Schulz’ mutmachende Einschätzung.

Die Zuversicht hat auch Lok-Präsident Ulrich Nellessen noch nicht verloren, der sich gestern erstmals nach der von ihm vollzogenen Freistellung Körners gegenüber der Altmark Zeitung geäußert hat. „Auch wenn mir das viele nicht glauben wollen, aber diese Entscheidung am Sonntag ist mir selbst sehr schwergefallen. Sven Körner ist mir auch als Mensch ans Herz gewachsen und als Trainer war er ein Volltreffer! Das Ende ist leider für alle schlecht. Ich bin da selbst nicht glücklich mit“, so Nellessen. Warum der langjährige Erfolgstrainer dennoch seine Sachen packen musste, liegt für den Lok-Präsidenten allein in der sportlichen Situation begründet. „Wir stehen mit fünf Niederlagen da und wenn man ehrlich ist, hatten wir auch in der Rückrunde der vergangenen Saison Probleme. Sven Körner war über fünf Jahre bei uns Trainer. Das ist im Fußball eine verdammt lange Zeit. Ich hatte einfach das Gefühl, dass sich gewisse Dinge mit der Zeit abgeschliffen haben. Ich wollte der Mannschaft einen neuen Impuls geben“, so Nellessens Erklärung. Seine Hoffnungen ruhen nun erstmal auf der Professionalität der Mannschaft und auf Co-Trainer Daniel Fest. „Dass ein Co nach der Entlassung des Trainers übernimmt, ist im Fußball ein normaler Vorgang“, so Nellessen, der einen Schnellschuss unbedingt vermeiden möchte.

Heute soll es laut AZ-Informationen ein weiteres Gespräch mit einem Trainer aus dem Berliner Raum geben. Der Ausgang dieses Treffens ist ebenso offen wie der der gesamten Saison. „Ob uns das jetzt alles mehr Schaden als Nutzen bringt, werden wir am Ende sehen. Unser oberstes Ziel bleibt weiterhin der Klassenerhalt“, versichert der Lok-Präsident.

Von Tobias Haack

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