FUSSBALL Germania Halberstadts Trainer verbringt Zwangspause in Stendal

Körner genießt Zeit mit der Familie

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Am Stadtsee in Stendal findet Sven Körner im Moment Ruhe und Abwechslung mit der Familie.

Stendal – Es ist still geworden auf den Fußballplätzen der Altmark und darüber hinaus. Auch ein Blick in den Harz verrät kein anderes Bild.

Beim sachsen-anhaltinischen Fußball-Regionalligisten VfB Germania Halberstadt, der seit vergangenem Sommer von Sven Körner trainiert wird, herrscht auch Ruhe. Kein Wunder also, dass der 37-Jährige derzeit häufig in Stendal anzutreffen ist.

„Ich genieße die Zeit mit meiner Familie. Das kommt ansonsten oft zu kurz“, verrät der gebürtige Hallenser, der seit seinem Wechsel als Spieler zu den Eisenbahnern in Stendal lebt. „Persönlich geht es mir daher sehr gut. Als es noch möglich war, haben wir mit Freunden den Tiergarten besucht. Natürlich durfte auch ein Abstecher auf den Spielplatz nicht fehlen.“ Er hält sich grundsätzlich aber an die Empfehlung, möglichst zu Hause zu bleiben. Dort ist seine Tochter sein kleiner Star, da die Kindertagesstätte geschlossen ist. „Ein kleiner Spaziergang um den Stadtsee, bei dem wir auf ausreichend Abstand zu anderen Spaziergängern achten, ist aber schon drin“, ergänzt der Familienvater.

Als er im vergangenen Sommer nach Halberstadt wechselte, konnte er nicht ahnen, was ihn heute dort erwartet. „Nach einer so langen Pause vom Fußball war ich heiß darauf, wieder auf dem Platz und an der Linie zu stehen. Demnach habe ich die neue Aufgabe mit jeder Menge Leidenschaft und Freude begonnen.“ Heute nun kann er nur hoffen, seiner Tätigkeit möglichst bald wieder nachgehen zu können: „Der Trainings- und Spielbetrieb ist, wie überall in Sachsen-Anhalt, von den Kindern im Nachwuchs bis hin zu den Jungs im Leistungsbereich eingestellt. Das ist eine komische Situation. Ich habe einen Fußballverein noch nie so ruhig gesehen, wie in dieser Zeit. Normalerweise spielt immer irgendwer auf dem Platz. Die Lage ist damit auch angespannt, denn keiner weiß, wie es weitergeht.“

Bevor Körner selbst in seine Wahlheimat fuhr, schickte er auch seine Mannschaft nach Hause. „Sie haben alle einen individuellen Lauf- und Trainingsplan erhalten. Denn sie sollen zwar mental einmal runterfahren, sich auf die Familie besinnen und abschalten aber dennoch nicht die Konzentration für ihren Job, den Fußball, verlieren. Nur so können sie ihre Leistungsfähigkeit erhalten und die werden sie einzeln und wir als Mannschaft brauchen, wenn es wieder losgeht – ohne zu wissen, wann das sein wird.“

Von seinen Spielern erwartet er, dass sie sich dem Gefahrenpotenzial dieses Virus bewusst sind. Er setzt voraus, dass „die Jungs“ die Lage richtig einschätzen können und sich demnach verhalten. „Wir haben ein striktes Verbot von Diskotheken oder anderen Versammlungen bereits ausgesprochen, bevor diese im Verlauf der Woche ohnehin geschlossen wurden.“ Denn abzusehen, ob und wann es weitergeht, kann im Moment keiner. „Wir halten uns strikt an die Vorgaben aus der Politik und dem Nordostdeutschen Fußballverband. Bisher ist definiert, dass der Spielbetrieb bis einschließlich 19. April ruht. Es kann auch länger dauern.“

In jedem Fall wünscht sich Körner, dass die aktuelle Saison fortgesetzt und – wenn auch verspätet – zu Ende geführt wird. Von einer Annullierung und dem damit verbundenen Verbleib in der Regionalliga möchte er nichts wissen: „Wir sind alle Fußballer und wollen auf dem Platz stehen, sportlich den Klassenerhalt einfahren. Zuletzt waren wir mit vier ungeschlagenen Partien in Folge auf einem guten Weg, die Pause passt uns so gesehen also gar nicht. Darüber hinaus haben wir im Pokal auch den Halleschen FC geschlagen. Doch das ist im Moment alles nicht so wichtig.“

Ob er, wie es andere Vereine bereits angekündigt haben, in die Kurzarbeit gehen muss, weiß der Halberstadt-Trainer noch nicht. „Bislang ist mir nichts dergleichen bekannt. Ich schätze es also nicht als unmöglich ein. Im Moment ist die Geschäftsstelle in jedem Fall nicht besetzt, um die Mitarbeiter ebenso zu schützen. Ich persönlich bin regelmäßig mit dem Präsidenten in Kontakt.“

Auch Sorgen um seinen Arbeitsplatz macht der 37-Jährige sich nicht. „Da wäre ich wohl fehl am Platz, sagt er. „Als Trainer im Fußball unterschreibt man mit seinem Arbeitsvertrag zugleich auch seine Kündigung. Natürlich hoffe auch ich, dass es so schnell wie möglich mit dem Alltag weitergeht. Denn ich möchte etwas entwickeln, so wie ich es hier in Stendal über sechs Jahre getan habe. Wir sind aktuell auf einem guten Weg und ich denke daher nicht, dass mein Job in Abhängigkeit zu der aktuellen Krise steht.“

Die Saison mit Geisterspielen, wo wie es in der Bundesliga oder auf der europäischen Ebene aktuell gehandelt wird, ist für Sven Körner keine Option. „Leider ist unser Zuschauerschnitt nicht so hoch, doch wir arbeiten daran. Ein Geisterspiel wäre da ein völlig falsches Zeichen. Ich halte nichts davon. Denn Fußball ist immer noch ein Sport. Er lebt von Emotionen – auf sowie neben dem Platz. Außerdem lebt unser Verein von den Zuschauer- und Sponsoreneinnahmen. Geisterspiele würden unsere Existenz bedrohen, denke ich.“

Daher hofft der Trainer auch in Krisenzeiten auf die Unterstützung durch die Anhänger. „Ich denke schon, dass sie bereit wären, dem Verein im schlimmsten Fall zu helfen. Daran möchte ich aber noch gar nicht denken. Ich habe die Hoffnung, dass die Krise schnell überstanden wird, wir die ausgefallenen Partien zu einem späteren Zeitpunkt nachholen und die Saison ordentlich zu Ende führen“, ist Sven Körner optimistisch für die nächsten Wochen. Bis dahin zählt für ihn nur seine Familie.

VON STEFAN RÜHLING

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