Kubrat Pulev zeigt sich entschlossen – er will Schwergewichts-Box-Weltmeister werden

Die Kobra schlägt wieder zu

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Der kann zuschlagen: Der Bulgare Kubrat Pulev holte im Mai den EM-Titel gegen Dereck Chisora – und legte diesen letzte Woche nieder, um in Richtung WM zu gehen.

Stendal. Um ein Interview zu führen, räumt Kubrat Pulev auch mal einen Tisch aus dem Weg. Klar, wenn dieser brachial wirkende, aber ziemlich sympathische Boxer sich seinen Weg bahnt, bleibt nicht viel stehen.

Der Tisch, den der kantige Bulgare eben so im Handumdrehen zur Seite schaffte, dient zur Absperrung. Interviewzone. Pulev spricht. Kurzentschlossen – und selbstbewusst.

Pulev (35) hat viel zu sagen bei seinem Besuch in Stendal, schließlich hat er noch viel vor in seiner Karriere. Etwa, den Weltmeistertitel zu gewinnen. Als der 1,94 Meter große und gefühlt so breite Boxer über sein großes Ziel spricht, wirkt er nachdenklich, jedoch entschlossen. Am Sonnabend will Pulev den Nigerianer Samuel Peter (36), auch kein kleiner Mann, aus dem Weg räumen. Pulev kämpft zum ersten Mal in seiner Heimatstadt, in Sofia. Dort steigt ein möglicherweise richtungweisender Kampf. „The Cobra“ (Pulev) gegen „The Nigerian Nightmare“ (Peter). Für die Kobra ist es die Chance, einem nächsten WM-Kampf näher zu kommen. „Ich will einen WM-Kampf boxen. Der Gegner ist egal“, sagt Pulev, der in Bulgarien ein Volksheld ist. Das sitzt.

Seine WM-Chance gegen Vitali Klitschko in Hamburg ging ziemlich nach hinten los. Vor zwei Jahren setzte es gegen den Weltmeister eine klare K. o.-Niederlage in der fünften Runde. „Meine Fehler, die ich gemacht habe, werde ich nicht mehr machen. Ich habe sehr viel gelernt aus dieser Niederlage“, sagt Pulev. Er führt die krachende Pleite auf eigene Fehler zurück. „Ich rede immer ehrlich“, fügt der Hüne hinzu.

In der Zeit dazwischen habe er „viel gelernt“. Vor allem von Uli Wegner (74), der ihn seit 2015, nach der Klitschko-Niederlage, betreut. Im Mai holte Wegner-Schützling Pulev die Schwergewichts-Europameisterschaft mit einem knappen Punkt-Sieg gegen Dereck Chisora. Den Titel legte er allerdings vorige Woche nieder – volle Kraft auf die WM. „Kubrat ist bestens drauf“, sagt Wegner, auch Ehrenpräsident des 1. Boxclub Altmark Stendal, vor dessen nächster Bewährungssprobe gegen Peter. Ein WM-Kampf könnte schön 2017 steigen. „Pulev ist bei allen vier großen Verbänden in den Top 15 vertreten und hat somit eine gute Ausgangsposition für einen eventuellen Titelkampf“, heißt es auf dem Fach-Portal „boxen.de“. „Ich fühle mich sehr gut“, merkt Pulev an. Und das ihm Wegner an seiner Seite steht, hilft ihm. „Man kann immer von ihm lernen. Er hat dieses Spezial-Gefühl“, lobt Pulev. So etwas wie gegen Klitschko, als der Hüne Pulev so locker umfiel, wie er den Tisch zum Interview wegräumte, soll dem ambitionierten Faustkämpfer aus dem Sauerland-Boxstall nicht mehr passieren. „Kleinigkeiten sind das Wichtigste. Meine Niederlage kam zustande, weil ich die Kleinigkeiten nicht sauber gemacht habe“, weiß Pulev.

Pulev weiß ganz genau, was zu tun ist. Was wird, nicht. „Wir sehen, was die Zukunft zeigt“. An fehlender Entschlossenheit kann dieser Mann eigentlich nicht mehr scheitern.

Von Benjamin Post

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