ANALYSE: Physis und Mentalität holen Lok zurück ins Geschäft

Knallhart auf Ergebnis

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Ein Bild mit Symbolkraft: Die körperliche Robustheit der Stendaler um Mittelfeld-Abräumer Steven Schubert (Foto) hat den SC Staaken zu Fall gebracht. 

Stendal – Nicht schön, aber noch immer recht selten. Fußball-Oberligist 1. FC Lok Stendal hat am Sonntag gegen den SC Staaken seinen gerade einmal dritten Heimsieg der Saison eingefahren. Pünktlich zum Start der Rückrunde war es der zweifelsfrei Wichtigste.

Im Abstiegskampf haben die Altmärker nach Punkten nun zu ihren ärgsten Konkurrenten aufgeschlossen und können etwas beruhigter in die beiden schweren Auswärtsspiele beim Greifswalder FC und bei TeBe Berlin gehen. Die Analyse des kleinen Stendaler Befreiungsschlages in fünf Punkten:.

Der Spielzug „Seb“

Als die Nation vor wenigen Wochen vom Handball-Fieber erfasst wurde, war es eine Diskussion der eher überflüssigen Art, was denn der Fußball vom Handball lernen könne – zumal sich zahlreiche Trainer schon längst von anderen Sportarten inspirieren lassen. Beim 1. FC Lok schien es gegen Staaken so, als ob die Spielzüge – analog zum Handball – neuerdings Namen tragen würden. Immer wieder klang es „Seb, Seb“ von der Trainerbank. Was folgte, war ein langer Ball auf Sturm-Notnagel Sebastian Hey, der als gelernter Innenverteidiger in ungewohnter Rolle auflief. „Es hat schon irgendwie Spaß gemacht. Ich habe versucht, die Bälle festzumachen, und hatte in den Duellen ja auch nicht viel zu verlieren“, schilderte Hey das eindimensionale Stendaler Spiel aus seiner Sicht. Für Trainer Jörn Schulz war der 21-Jährige die letzte verbliebene Offensiv-Option nach zahlreichen Ausfällen unter der Woche. Eine Alternative für die Zukunft sei diese Lösung allerdings nicht, stellte Schulz später klar.

Klare Lufthoheit

Das Spiel gegen Staaken war eng. Nichts anderes war im Vorfeld aufgrund der Bedeutung zu erwarten. Fast immer entscheiden in solchen Fällen die feinen Unterschiede, wie zum Beispiel die in der Körperlichkeit. Nicht von ungefähr ließ letztlich eine Standardsituation das Pendel in Richtung Lok ausschlagen. „Uns war im Vorfeld klar, dass Stendal mehr Körperlichkeit einbringen kann als wir“, konstatierte SC-Trainer Jeffrey Seitz. Jörn Schulz hatte seine Hausaufgaben ebenfalls erledigt und legte das Spiel der Hausherren auf diesen Vorteil aus: „Wir wussten, dass wir einen Tick größer sind als Staaken. Wir wollten viele Standards herausholen und dass es nachher dann so aufgeht, ist auch Glück.“

Mahrhold in Glanzform

Nicht nur aufgrund seines Treffers war Innenverteidiger Johannes Mahrhold gegen Staaken der Mann des Spiels. Hochkonzentriert und fehlerfrei spulte der 22-Jährige zunächst sein Programm herunter, traf dann per Seitfallzieher und legte in der Folge noch eine Schippe drauf. Am Ende gelangen Mahrhold sämtliche Aktionen in traumwandlerischer Sicherheit. Keine Frage: Das 31. Oberliga-Spiel des Stendaler Eigengewächses war sein bisher bestes. Dabei war Mahrhold nur ins Team gerückt, weil Tim Schaarschmidt erkrankt ausfiel. Nach dieser Gala-Vorstellung dürfte sich nun aber erst einmal Schaarschmidt hinten anstellen müssen.

Verdient oder nicht?

Im Überschwang der Glücksgefühle ließ sich Moderator Sven Jaluschka eingangs der Pressekonferenz zu der Aussage hinreißen, dass die Stendaler Mannschaft den Abstiegskrimi gegen Staaken „verdient“ gewonnen habe. Gäste-Trainer Seitz zeigte sich verwundert und konterte: „Aus meiner Sicht war das nicht unbedingt ein verdienter Sieg. Das war ein Spiel, das durch eine Standardsituation entschieden wurde.“ Lok-Coach Jörn Schulz hielt sich aus dieser Diskussion heraus und sprach lieber diplomatisch geschickt von einem „intensiven Spiel“. Natürlich wusste auch er, dass die Partie genau so gut mit einem Remis oder einer Niederlage hätte enden können. Nur hatte Lok an diesem Tag in den entscheidenden Situationen das nötige Glück.

Der Kopf spielt mit

Der Druck, der vor dieser Begegnung auf der Stendaler Elf gelastet hatte, war immens. Bei einer Niederlage wären die Aussichten im Abstiegskampf denkbar trüb gewesen, doch so stehen alle Uhren wieder auf Null. Für Jörn Schulz war das Staaken-Spiel von vornherein eine „reine Kopfsache“. Und die Köpfe seiner Spieler funktionierten. Egal ob Niclas Buschke, Franz Erdmann oder Kapitän Philipp Groß: Jeder Stendaler agierte vor allem gegen den Ball hoch konzentriert und nahezu fehlerfrei. „Das, was wir gegen Blau-Weiß 90 vermissen lassen haben, haben wir heute auf den Platz gekriegt“, atmete Schulz durch.

VON TOBIAS HAACK

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