Joachim Streich wünscht sich ein Ende der Tiefstapelei beim 1. FCM und das Ergreifen der Chance

„Keine zwei Herzen in meiner Brust“

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DDR-Rekordnationalspieler Joachim Streich ist der Meinung, dass der 1. FC Magdeburg den Aufstieg in die 2. Bundesliga ins Visier nehmen sollte.

Magdeburg. Er lässt kaum ein Heimspiel aus, verfolgt das Geschehen beim 1. FC Magdeburg am liebsten live von der Tribüne aus. Beim Ostderby gegen seinen ersten Verein Hansa Rostock am Sonnabend war Achim Streich natürlich dabei.

Wir haben mit dem besten DDR-Fußballer über alte Zeiten, gebliebene Rivalitäten und neue Clubziele gesprochen.

Altmark-Zeitung: Herr Streich, was ist das heute für ein Gefühl, die Clubs, für die Sie beide gespielt haben, gegeneinander antreten zu sehen?

Joachim Streich: Mittlerweile bin ich recht entspannt. Ich fiebere aber schon mehr für Magdeburg. Meine Zeit in Rostock war ja vor 1975. Es schlagen keine zwei Herzen in meiner Brust, dafür bin ich einfach zu lange in Magdeburg. Aber natürlich verfolge ich das Geschehen bei Hansa immer noch. Sie kämpfen dort mit dem Abstieg. Es wäre schade, wenn sie die Klasse nicht halten.

AZ: Die Sicherheitsvorkehrungen sind ja heute extrem hoch, die Rivalität zwischen dem FCM und Hansa ist groß. Woran liegt das?

Streich: Man hat sich langsam dran gewöhnt, dass bei Drittligaspielen mit ehemaligen Oberligaclubs ein großes Polizeiaufgebot herrscht. Aber die Herfahrt war heute relativ entspannt. Man hat aber in Rostock gesehen, was passieren kann. Warum die Rivalität heute so groß ist, kann ich auch nicht erklären. Früher war ich das einzige Feindbild für die Rostocker, weil ich nach Magdeburg gegangen bin.

AZ: Fan-Krawalle haben den FCM schon viel Geld gekostet in dieser Saison…

Streich: Nicht nur das. Neben den finanziellen Einbußen zwängt man den Verein auch in eine Schublade, wo er einfach nicht hingehört. Wir haben wunderbare Fans, die eine Riesenstimmung machen und dann ein paar Chaoten, die zerstören das dann.

AZ: Mit dem 4:1-Sieg hat der FCM nun 45 Punkte auf der Habenseite. Wie haben Sie das Spiel gesehen und wo kann es nun noch hingehen?

Streich: Das war ein verdienter Sieg, wenn das 4:1 auch zu hoch war. Aber die Magdeburger hatten mehr Durchsetzungskraft, haben ihre Chancen endlich mal gut verwertet, anders als in einigen Spielen zuvor. Jetzt kann man auch mal vom Aufstieg sprechen. Wenn man die Chance dazu hat, dann muss man auch alles daran setzen, sie zu nutzen und nicht immer nur tiefstapeln. Platz 4 ist auf jeden Fall drin. Und der ist die direkte Qualifikation für den DFB-Pokal...

AZ: Vielen Dank für das Gespräch.

Von Sabine Lindenau

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