FUSSBALL Havelberg/Kamern ebnet sich den Weg zum Landes-Spielrecht

Keine Lust mehr auf Ananas

Verteidiger Michael Seidel (rechts) und die SpVgg Havelberg/Kamern möchten sich die Option Landesklasse offen halten. 
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Verteidiger Michael Seidel (rechts) und die SpVgg Havelberg/Kamern möchten sich die Option Landesklasse offen halten.

Havelberg/Kamern – „Wir wollten das Spiel einfach nur genießen und ich denke mal, man hat gesehen, dass die Jungs Spaß hatten“, sagte Havelberg/Kamern-Trainer Dennie Lindholz nach dem achtbaren 1:6 seiner Elf im Landespokal gegen den VfB Germania Halberstadt.

Die Partie gegen den Regionalligisten setzte den Schlusspunkt unter zwei ereignisreiche Wochen, in denen Havelberg knapp zwei Jahre nach seinem Abstieg aus der Landesklasse ein gelungenes Kurz-Comeback auf der Landesbühne gegeben hatte.

Der Sieg gegen Magdeburg-Neustadt (9:8 n.E.) und der Festtag gegen Halberstadt haben Lust auf mehr geweckt und wären ohne einen entscheidenden Schritt im Sommer gar nicht möglich gewesen. Die Umwandlung der SG Havelberg/Kamern in eine SpVgg war ausschlaggebend dafür, dass die Domstädter überhaupt im Landespokal antreten durften. Und auch ihr Aufstiegsrecht in die Landesklasse hat sich die Lindholz-Elf für den Fall der erfolgreichen Verteidigung des Kreismeistertitels damit gesichert. „Es gibt dafür Auflagen vom FSA, die erfüllt sein müssen.

Eine davon ist zum Beispiel, dass alle Spielerpässe bei einem Verein liegen“, erklärt Lindholz. Konkret haben sich alle Akteure aus Kamern nun formell dem FSV Havelberg angeschlossen. Ein Schritt, der viel Vertrauen erfordert und an dem andere Spielgemeinschaften mit ähnlichen Ambitionen ziemlich sicher scheitern würden. In Havelberg und Kamern hat er funktioniert. „Nach eingehenden Gesprächen zwischen beiden Vereinen wurde letztlich diese Entscheidung getroffen, deren Grundlage sich auf die vertrauensvolle Atmosphäre zwischen beiden Vereinen und Spielern in den letzten Jahren stützt“, heißt es dazu in einer Pressemitteilung des FSV Havelberg, der die Spielgemeinschaft nach seinem Abstieg und zahlreichen Abgängen vor zwei Jahren eingehen musste.

Es entwickelte sich eine Erfolgsgeschichte, mit der Kreismeisterschaft im Frühjahr und dem Einzug ins Pokalfinale gegen Tangermünde (1:3) als erste Höhepunkte. Der nächste logische Schritt wäre der Aufstieg in die Landesklasse. Dass dieser nun formell schon mal möglich ist, wertet Lindholz als elementar für die sportliche Perspektive: „Du musst deinen Spielern die Möglichkeit geben aufzusteigen. Das ist ja auch der Anreiz, um überhaupt neue Spieler für uns gewinnen zu können. Wenn du nur um die goldene Ananas spielst, funktioniert das nicht.“ Die Zeiten der Belanglosigkeit sind an der Havel nun Geschichte. Dass es jetzt aber per Spaziergang in die Landesklasse geht, bezweifelt Dennie Lindholz. „Es kann viel passieren. Ich denke, dass Schönhausen eine große Rolle spielen wird, mit ihrem breiten, jungen Kader. Auch Post Stendal ist gut reingekommen“, erwartet der Trainer ein enges Rennen.

Zudem steht sein Team vor einem beträchtlichen Umbruch. Einige ältere Akteure haben für den kommenden Sommer ihr Karriereende angekündigt. Dafür rücken Youngster aus der B-Jugend mit der Vollendung des 17. Lebensjahrs in den Herrenkader auf. Reicht deren Qualität nicht für höhere Aufgaben, ist es auch möglich, dass Havelberg/Kamern im Zweifel freiwillig auf einen Aufstieg verzichtet. „Wir müssen sehen, wie sich die Jungs entwickeln und ob das Niveau für Landesklasse reicht. Dann entscheiden wir, ob wir hochgehen“, so Lindholz.

Die sportliche Zukunft ist ungewiss. Neben dem Platz ist jedoch klar, dass der FSV Havelberg und Empor Kamern weiterhin auf Augenhöhe kooperieren. Die Heimspiele werden auch künftig gleichmäßig auf die Sportplätze beider Klubs verteilt. Außerdem, so Lindholz, „bestehen die Vereine eigenständig weiter und auch finanziell ändert sich nichts.“ VON TOBIAS HAACK

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