Leserbrief von Marc Teichert zu den Problemen des 1. FC Lok Stendal, einen konkurrenzfähigen Unterbau für das Oberliga-Team zu stellen

„Kein Mensch steht über einem Verein“

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Nur dank Routiniers wie Henry Berg (rechts) hat der 1. FC Lok seine Reserve in der Vergangenheit am Leben halten können.

Stendal. Fußball-Oberligist 1. FC Lok Stendal hat nach wie vor ein großes Problem, eine wettbewerbsfähige zweite Mannschaft in den Spielbetrieb auf Kreisebene zu integrieren.

Zwar wird der Verein auch für die kommende Spielzeit wieder eine Reserve melden, doch das gesteckte Ziel Landesklasse-Aufstieg dürfte der mit A-Junioren aufgefüllte Notkader nur schwer erreichen können. Zu den Problemen des Vereins erhielt die Sportredaktion der Altmark Zeitung folgenden Leserbrief:.

„Sehr geehrtes Präsidium des 1. FC Lok Stendal. Nach dem überaus erfolgreichen letzten Jahr mit Aufstieg, Pokalfinale und jetzt dem DFB- Pokalspiel gegen Bielefeld schauen wieder viele Menschen hoch zum Traditionsverein. Aber: Besteht der Verein nur noch für die erste Männermannschaft und den Vize-Präsidenten oder zählt eine zweite Mannschaft und der Nachwuchs auch noch dazu? Wo bleibt die Menschlichkeit im Verein für Trainer, Betreuer, Spieler, Eltern, Ehrenamtliche und Stadionsprecher? Wieder mal stehen große Fragezeichen hinter der zweiten Mannschaft und dem eigenen Nachwuchs. Viele Menschen aus dem Kreis Stendal fragen sich warum?!

Wenn man nur auf die letzten sieben Jahre zurückblickt, ist es einfach nur erschreckend. Für die Zeit davor möchte ich erst gar nicht auflisten wie viele Trainer, Betreuer, Spieler und Ehrenamtliche den Verein verlassen haben. Vor gut sieben Jahren begann alles mit der A-Jugend und dem späteren Trainer der zweiten Mannschaft, Heino Kühne, der freundlich von Herrn Dr. Troeger des Feldes verwiesen worden ist. Mit Trainer Kühne ging nicht nur die äußerst engagierte Bärbel Nowak, sondern auch ein Schwung von gut 20 jungen Spielern, die dann in anderen Kreisvereinen ihr Können und Engagement unter Beweis stellten. Als ich damals den Verein verlassen hatte, gingen auch elf Nachwuchsspieler. Durch gewisse Differenzen zwischen Herrn Dr. Troeger und mir wurde ich ebenfalls gegangen. Mit Steffen Säger hat nun der nächste A-Jugend-Trainer den Verein verlassen und man – mag es kaum glauben – kurze Zeit später weitere acht Jugendspieler.

Mit Uwe Müller hat sich ein langjähriger Freund und Sponsor des Vereins gefunden, der die zweite Mannschaft voll unterstützt und den jungen Nachwuchsspielern eine Perspektive geboten hat. Zudem unterstützten die Allstars um Henry Berg und Co., die in vielen Spielen auf Kreisebene ausgeholfen und mitgewirkt haben.

Viele kleine Vereine schicken ihre Nachwuchstalente zum Traditionsverein, wo sie mitunter bessere Ausbildungsmöglichkeiten haben. Jedoch beginnt das große Scheitern dann mit Beginn der A-Jugend. Dass sich nicht jeder Spieler in der ersten Mannschaft durchsetzen kann, steht außer Frage. Manche zieht es beruflich weg, Andere suchen jedoch den Weg zurück zum Heimatverein, da Jahr für Jahr Unstimmigkeiten in der ersten oder zweiten Mannschaft herrschen. Warum legen Sie dann jedem scheidenden Spieler Steine in den Weg und rufen immense Geldsummen auf? Lok Stendal hat gerade den Sprung in den Amateurbereich geschafft, alles andere zählt unter Breitensport (Spaß und Freude) und mehr nicht! Viele Vereine knirschen mit den Zähnen, wenn Sie die überzogenen Geldforderungen für die Ausbildungsentschädigung verlangen und dies oft im vierstelligen Bereich. Hier schaffen Sie es immer wieder, sich den Unmut vieler Spieler und Eltern anzuheften und den Spielern, durch eventuelle Spielsperren ihr Hobby zu nehmen. Die Ostaltmark ist eine Fußball-verrückte Region. Warum arbeitet der Verein nicht mehr mit den kleinen Vereinen zusammen? Das brächte sonntags mehr Zuschauer und sicherlich mehr Sponsoren.

Nein, da verlangt man für Testspiele gegen Vereine aus dem Kreis Antrittsprämien im dreistelligen Bereich. Für scheidende Spieler wie Martin Gebauer (kam ablösefrei aus Magdeburg) werden 2.500 Euro verlangt. Im Gegenzug wirbt man aber Oliver Nagel von Arneburg für den Stendaler Nachwuchs ab. Warum werden Spieler wie Gebauer, die über Jahre engagiert für Lok gespielt haben, nicht für andere Aufgaben des Vereins gewonnen? Nachwuchsleiter Guido Klautzsch hat das Weite gesucht, einem Olaf Harfenmeister wurde damals mit Norbert Himmstedt (Sportlehrer und Pädagoge) ein Co-Trainer ausgeschlagen. Detlef Werner (B-Lizenz) war und ist auch nur ein Spielball.

Im Winter wurde Robert Riep vom aufstrebenden ASV Weiß-Blau Stendal abgeworben. Herr Riep sollte in Verbindung mit Uwe Müller die zweite Mannschaft voranbringen, aber allen Medienberichten zufolge wird Herr Riep ohne nennenswertes Team dastehen. Lok Stendal benötigt einen guten Unterbau für die erste Mannschaft. Die Liste der scheidenden Trainer, Spieler, Betreuer und Ehrenamtlichen des Vereins geht mittlerweile ins Unermessliche.

Keiner spricht dem Sportvorstand Bemühen, Kraft, Zeit und Engagement über die vielen Jahre ab. Aber: Kein Mensch steht über einem Verein und das sollte sich das Präsidium in einer Gesprächsrunde mal durch den Kopf gehen lassen, damit in Zukunft der Kreis Stendal und viele Anhänger den 1. FC Lok mit mehr Leidenschaft unterstützen.

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